„Weltenretter” Paul Panzer entfacht beim Heimspiel einen Humor-Orkan

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
Verrückte Ansichten, amüsant
Verrückte Ansichten, amüsante Erklärungen: Paul Panzer servierte in der Arena eine steife Brise seines Humors. Foto: Schmitz

Düren. „Hart Backbord” hatte er sein Schiff gesteuert, bevor es auf der Bühne in der Arena Kreis Düren festmachte. Dichte Rauchschwaden sowie rotes und grünes Licht kündeten die Ankunft des „Weltenretters Paul Panzer” an.

Vor dem Bug seines Piratenschiffes startete er einen verbalen Törn, bei dem der gebürtige Nörvenicher als Steuermann auf einen Schlingerkurs geriet zwischen Drolligkeit und Albernheit, Klamauk und Komik, Kabarett und Kleinkunst, Besinnliches und Nachdenkliches. So mancher Humor-Orkan jagte über die voll besetzten Zuschauerreihen, Wortkaskaden wurden zu „Brechern”, die in den Zuschauerraum schwappten. Ein Stand-up-Comedian, der aber nicht auf der Comedy-Welle surfte, als er mit dem natürlichen Charme eines Mannes aus der Kölner Bucht selbstbewusst mit dicker Hornbrille und buntem Oberhemd Umweltverschmutzungen und Erderwärmung den Kampf ansagte.

Auf seine Art, in seiner eigenwilligen Aussprache, forderte er „mehr Bewutzt-Sein”, outete sich als geläuterter Umweltaktivist, der seit Kurzem nicht mehr mit Batterien nach Tauben wirft („Akkus sind besser”) und befürchtete dass er angesichts der globalen Erwärmung „demnächst aus dem Haus geht und sein Schatten drinnen bleibt”. Geschickt setzte er die Segel in der Grauzone zwischen Klischee und Umweltwissen, und wenn es ihm zu ernst wurde, führte er sich mit seinem gekieksten „Nä?!” wieder auf die Planken des Absurd-Lächerlichen. „Die Polkappen schmelzen”, versuchte Paul Panzer seinen Sohn wachzurütteln. Dessen Antwort: „Ist mir egal, welche Kappen die Polen tragen.”

Überhaupt regte ihn jugendliches Verhalten und die Sprache der Jugend auf, und er erinnerte sich scheinbar mit Wehmut daran, wie er früher korrekt gekleidet mit der Linie 8 zum Kaiserplatz gefahren war.

Paul Panzer bot eine Regatta der verrückten Ansichten und amüsanten Erklärungen, ließ kaum ein Thema aus, umschiffte gekonnt politische Korrektheit. Eine Leckerei aus der Bäckerei wurde zur „Schaumwaffel mit Migrationshintergrund”. Skeptisch betrachtete er die Läufer aus fernen Landen beim Köln-Marathon. „Nach jedem Rennen fehlen im Kölner Zoo drei Gnus.”

Und den Begriff Nahrungskette definierte er eigenwillig: „Hilde (seine Frau) kocht, ich esse, Hilde spült, ich auf die Couch”. Seine Beziehung hat ihn nach langjähriger Dauer nachdenklich gemacht: „Da denkst du, du kaufst dir ein Rennboot und holst dir letztlich die Titanic”.

Ehe und Partnerschaften sah er auch als Grund fürs „Zunehmen”, „fürs eckig werden” an. „Das dauert länger, da mach ich mich breit”, sei wohl die Grundstimmung bei beiden Geschlechtern.

Das Konsumverhalten seiner Mitbürger war ihm eine Untiefe auf seinem Kurs. „Schnäppchen kommt von übergespannt” und spann weiteres Seemannsgarn über Zeitgenossen, „die sich Eintagsfliegen bestellen, obwohl die Lieferzeit vier Tage beträgt”.

Blähten sich die Segel im ersten Teil des Abends durch eine steife Brise voll auf und machten aus dem Schiff eine geschmeidige Comedy-Yacht, so wurde das Lüftchen nach der Pause erheblich lauer. Die Segel flatterten mehr als einmal im Wind, das Schiff dümpelte so dahin, und auch die Zugabe über Cyber-Sex erregte nur noch die wenigsten. Dennoch insgesamt ein Abend, der Spaß machte.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert