Wein aus der Eifel: Noch heute werden Trauben gelesen

Von: Sarah Maria Berners
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Im Weinberg aktiv: Hans-Peter Wollenweber, Hartmut Schlepütz, Gerold Schmeide, Helmut Beißel, Jürgen Steven, Ludwig Schnitzler, Franz Lörken und Kucki Becker (v.l.). Foto: Sarah Maria Berners
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In Winden wurde noch bis 1918 Wein angebaut. Dieses historische Foto zeigt die Weinlese im Jahr 1911. Auch der Heimatdichter und Weinhändler Josef Schregel nahm an der Lese teil. Er soll den „Maubacher Rurwein“ wegen seiner „würzigen Blume und seines edlen Feuers“ gelobt haben, wie es auf der Internetseite der Heimbacher Weinbauern heißt. Quelle: Stadt- und Kreisarchiv Düren
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Damit die Trauben die nötige Süße bekommen, brauchen sie vor der Lese im Oktober viel Sonne.

Obermaubach. Schon Kaiser Karl der Große soll seinerzeit in der Aachener Pfalz gerne ein Gläschen Wein aus dem Rurtal getrunken haben. So zumindest besagt es eine Legende. Ob der Kaiser wirklich Wein aus dem Dürener Land getrunken hat, lässt sich heute freilich nicht mehr belegen. Unum-stritten ist aber, dass er die Gelegenheit dazu gehabt hätte:

„Seit Anfang des 9. Jahrhunderts ist der Weinanbau an der Rur urkundlich bezeugt“, weiß Hartmut Schlepütz von der Arbeitsgemeinschaft Obermaubach. „Die Südhänge des Rurtals waren zwischen Heimbach und Winden in weiten Teilen mit Wein bewachsen. Manche Menschen haben vom Weinanbau gelebt“, ergänzt Ludwig Schnitzler. Seine Blütezeit soll der Weinanbau ab dem 14. Jahrhundert unter den Herzögen von Jülich gehabt haben.

Für die nächsten Generationen

1911 wurde der Weinbau in Obermaubach eingestellt, im Nachbarort Winden war 1918 Schluss mit der langjährigen Tradition. Mit der besseren Erschließung der Region gab es mehr Konkurrenz von Mosel und Ahr, es wurde attraktiver, in der Industrie zu arbeiten. Die Arbeit im Weinberg war hart, Boden und Klima für die Reben nicht ideal. Wo früher Wein wuchs, wurden Obstbäume gepflanzt.

Die 30 Männer der AG Obermaubach haben – ebenso wie eine Gruppe aus Heimbach und Privatpersonen – die Tradition wieder aufleben lassen. 1991 haben die Herren 140 Rebstöcke gepflanzt. „Wir möchten, dass unsere Enkel und spätere Generationen wissen, wie unserer Vorfahren gelebt haben“, erklärt Ludwig Schnitzler.

Wie der Wein zu des Kaisers Zeiten geschmeckt hat, lässt sich nicht mehr sagen. Als die Tradition wiederbelebt wurde, fürchteten manche jedoch, dass es statt für Wein nur für Essig reichen würde. So schlimm ist es dann aber doch nicht gekommen. Von blumigen Beschreibungen des Duftes und des Geschmacks halten die Obermaubacher nicht viel: Wenn die Ernte gut ausfällt, keltert der Mosel-Winzer Otto Selbach aus den vielen verschiedenen Sorten der Rureifeler Trauben einen trockenen Weißwein, den „Bovenberger Sonnenhang“. Das ist ein sogenannter Cuvée, ein Verschnitt von verschiedenen Rebsorten, die auf dem Lehrweinberg wachsen und ein Abbild der Weine bilden, die auch in vergangenen Jahrhunderten am Nordhang der Eifel wuchsen. In besonders guten Jahren kommen 240 Flaschen zusammen, die allerdings nicht verkauft und nur zu ganz besonderen Anlässen geöffnet werden.

Viele Arbeitsschritte

Bis die Flaschen gefüllt werden können, haben die Männer viel Arbeit geleistet, die Stunden zählt im Weinberg aber niemand. „Jeder Weinstock wird 15 bis 18 Mal bearbeitet“, erklärt Ludwig Schnitzler. Fachleute nennen das „Erziehung“. Die Hobby-Winzer müssen den Boden bearbeiten, Triebe zurückschneiden, Zweige in Herzform binden und vieles mehr. Das alles machen die Männer mit Herzblut – ebenso wie die vielen andere Dinge im Dorf (siehe Infokasten).

Wetter und Mehltau können alle Arbeit zunichtemachen. Im vergangenen Jahr war die Ernte verloren, jetzt hängen dicke Trauben an den Stöcken und funkeln nach dem Regen im Sonnenlicht.

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