Düren - Weimarer Bläserquintett im Haus der Stadt

Weimarer Bläserquintett im Haus der Stadt

Von: Bruno Elberfeld
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Musik im Haus der Stadt: Tomo Jäckle, Frederike Timmermann, Jakob Karwath, Stephan Schottstädt und Sebastian Lambertz (v.l.) beeindruckten mit Technik und Einfühlungsvermögen. Foto: bel

Düren. Die für Bläserquintette arrangierte Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“ von Giacomo Rossini (1792-1868) als Impuls für ein gediegenes Konzert zu wählen, war – so sahen es viele Gäste – eine gute Entscheidung.

Giacomo Rossini, der schon mit Anfang 30 das Komponieren aufgab, weil er ausreichend Geld verdient hatte, berührt die leichten Seiten im menschlichen Leben, lässt die Welt rosiger und einfacher aussehen und die Alltagssorgen vergessen.

Das schaffte auch das Weimarer Bläserquintett. Die Vereinigten Industrieverbände (VIV) Düren-Jülich-Euskirchen und Umgebung hatten die Musiker verpflichtet –und das war ebenfalls eine gute Entscheidung. Das Quintett überzeugte nicht nur mit einer hervorragenden technischen Umsetzung, sondern stach auch durch sein Gespür für die Botschaften der Komponisten heraus, deren Werke es auf der Bühne im Haus der Stadt präsentierte.

Dass die fünf jungen Musiker auch für Brüche und Überraschungen gut sind, zeigten sie mit der Präsentation des zweiten Programmpunktes – Paul Hindemiths (1895-1963) „Kleine Kammermusik für fünf Bläser“, das der Komponist 1922 herausbrachte.

Hindemith habe seine Musik, so berichtete Klarinettist Sebastian Lambertz in seiner Moderation, als Gebrauchsmusik bezeichnet. Hindemith ereilte in seinem Leben ein schlimmes Schicksal. Er musste während der Nazi-Herrschaft zunächst in die Schweiz und dann in die USA emigrieren, denn sein Werk galt als „entartet“.

Zur vorher gespielten Ouvertüre Rossinis war das ein gewaltiger Sprung, nicht nur zeitlich. Hindemith – auch als deutscher Klassiker der Moderne eingestuft – ordnete die Töne neu. In vielen Kompositionen, so beispielsweise auch in der „Kleinen Kammermusik“, favorisiert er einen zentralen Basiston, den er in ein überraschendes Verhältnis zu anderen Tönen setzt.

Die Tonfolgen erklingen zuweilen bizarr bis hin zum Grotesken. Bezeichnend für die Werke Hindemiths, so der Moderator, sei, dass sie „den Instrumenten auf den Leib geschnitten sind“. Bewusst langatmige Passagen forderten den Hörer heraus, stellten Fragen und schienen oft keine Antworten zu bekommen. Das Streben nach Harmonie stand dabei keinesfalls im Vordergrund.

Es folgten zwei Komponisten, über die Klarinettist Lambertz sagte, dass ohne ihr Tun wahrscheinlich keine Bläserquintette auf den Bühnen dieser Welt stehen würden. Franz Danzi (1763-1826), ein Vertreter der „Mannheimer Schule“, lehnte sich in seinen Kompositionen sehr an die Werke Mozarts an. Sein „Bläserquintett B-Dur“, um 1821 geschaffen, kam leichtfüßig daher. Behutsam und ohne Eile brachte die Oboe die anderen Instrumente ins Spiel. Die Dialoge zwischen den Instrumenten waren verständlich, teils voller Lebensfreude, in etwa in der Tradition von Haydn und Mozart.

Als zweiten Verantwortlichen für die Existenz von Bläserquintetten machte Lambertz Anton Reicha (1770-1836) verantwortlich. Reicha, ein Freund Ludwig van Beethovens, komponierte 24 Stücke für Bläserquintett. Er arbeitete in Bonn zusammen mit dem großen Beethoven, zu einer Zeit – so stellte der Moderator schmunzelnd fest – in der bei den Orchestern, im Gegensatz zu heute, Stellen aufgestockt wurden und nicht abgebaut.

Die fünf Weimarer Musiker – Tomo Jäckle (Flöte), Frederike Timmermann (Oboe), Stephan Schottstädt (Horn), Jakob Karwath (Fagott) und Sebastian Lambertz (Klarinette) – interpretierten von Reicha das „Bläserquintett Es-Dur“, das um 1817 komponiert wurde.

Den Schlussakkord setzte ein Werk von Ludwig van Beethoven (1770-1836). Von ihm gaben die Musiker das „Oktett Es-Dur“ zum Besten. Bearbeitet für Bläserquintette wurde das Oktett von Ulf Schäfer. Das VIV-Konzert im Haus der Stadt war eine stimmige Sache. Auf der Bühne standen sehr gute, noch junge Interpreten, auf den Stühlen saßen verständnisvolle Hörer.

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