Düren - Weihnachtsmarkt: Keine Angst, aber ein wenig Unwohlsein

Weihnachtsmarkt: Keine Angst, aber ein wenig Unwohlsein

Von: Anne Wildermann
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Als Reaktion auf den Terroranschlag in Berlin hat die Polizei auch auf dem Dürener Weihnachtsmarkt ihre Präsenz erhöht. In den Abendstunden sind zusätzliche Doppelstreifen mit schweren schusssicheren Westen und Maschinenpistolen vor Ort. Foto: Jörg Abels
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Familie Bücker aus Kerpen hat keine Angst vor einem Terroranschlag auf dem Dürener Weihnachtsmarkt, eher vor einem in Köln. Foto: Wildermann
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Hans Bert Cremer (links), Vorsitzender des Dürener Schaustellerverbandes und Beschicker Gerd-Jürgen Giebel. Foto: Wildermann

Düren. Es ist kurz nach 12 Uhr und immer mehr Besucher kommen auf den Dürener Weihnachtsmarkt. Der Terroranschlag in Berlin auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche tags zuvor scheint hier keine Rolle zu spielen.

Eine Gruppe von 20 Kindergartenkindern steht mit ihren Betreuerinnen am Kinderkarussell gleich am Eingang des Marktes. Aus den Lautsprechern an diesem Dienstag ertönt keine weihnachtliche Musik. „Die wird für die nächsten zwei Tage auch nicht zu hören sein“, sagt Heinz Cremer (72), der in dem kleinen Kassenhäuschen sitzt. „Wir sind sehr betroffen von dem, was in Berlin passiert ist und aus Solidarität wird keine Musik gespielt“, sagt er.

Die Kinder stört es wenig. Sie rufen und schreien, als die Fahrt losgeht. „Der Ausflug war seit einem Monat geplant. Die Kinder haben sich sehr gefreut, heute hierher zu kommen“, sagt Laura Bendels (20), die ein Praktikum im Kindergarten Im Eschfeld macht. Nach der Karussellfahrt geht es weiter zur Würstchenbude. Angst vor einem ähnlichen Anschlag auf dem Dürener Weihnachtsmarkt hat die junge Frau nicht.

Waffen keine Lösung

Inzwischen ist es halb eins. Die Stimmung der Besucher ist fröhlich und entspannt. Einige Berufstätige hocken mit Kollegen auf den Holzbänken der Glühweinstände, trinken, essen und plaudern. Polizei, die mit Maschinenpistolen ausgestattet ist, ist nicht zu sehen. Dirk Stresius (48) verkauft bunte Kerzen und kleine Deko-Engel an seinem Stand.

„Ich habe keine Angst“, sagt er und wickelt einer Kundin einen kleinen bemalten Engel aus Ton in Zeitungspapier ein. „Ich bin allerdings nicht der Ansicht, dass die Polizei mit mehr Waffen herumlaufen sollte. Waffen schüren mehr Gewalt. Präsenz ist besser“, sagt er.

Laut der Polizei in Düren sollen Beamte vor allem von 17 Uhr bis zum abendlichen Ende des Weihnachtsmarktes in Düren mit schweren schusssicheren Westen und Maschinenpistolen unterwegs sein. Des Weiteren sollen zusätzliche Streifen im Einsatz sein. Es gibt zudem die Überlegung, eine Absperrung um den Weihnachtsmarkt zu errichten.

Die Idee: Betonklötze mit bis zu 1,2 Tonnen in den Zufahrtsbereichen aufzustellen – ohne die Rettungswege zu versperren. „Wir schauen jetzt, wo die massiven Klötze hinkommen. Sie sollen dann auch während des Winterlandes stehen bleiben, final bis zum 8. Januar“, sagt Christine Käuffer, Rechtsdezernentin der Stadt Düren. Sie hofft, dass diese Woche bereits Klötze aufgestellt werden.

Ein schwarzes Band hängt in der Mitte der Weihnachtsbude des Inklusionsbeirates Düren, in dem Ingrid Lensing (63) und ihre Kollegin Käthi Malo (66) vom Freiwilligen Zentrum Düren stehen. „Das ist ein Trauerflor“, sagt Lensing. „Wir haben es heute wegen des Anschlags in Berlin aufgehängt.“ Beide Frauen gehen nicht davon aus, dass „so was in kleineren Städten und auf kleineren Weihnachtsmärkten passiert“.

Lensing ist davon überzeugt, dass aufgrund der Polizeipräsenz kein Attentäter auf die Idee komme, einen Anschlag zu verüben. „Vor allem dann nicht, wenn die Beamten bewaffnet über den Platz gehen.“ Während sich die zwei Frauen weiter unterhalten, laufen gegen 12.45 Uhr drei Beamte mit Maschinenpistolen an ihrem Stand vorbei. Sie verschwinden ruhigen Schrittes in der Menschenmenge. Inzwischen ist der Kaiserplatz gut gefüllt.

Viele Schüler und Senioren spazieren umher oder essen Würstchen mit Pommes oder einen Teller mit Grünkohl an einer der Imbissbuden. Gerd-Jürgen Giebel (55), Stammbeschicker des Weihnachtsmarktes in Düren, verteilt unteressen weiße Flyer für die anderen Händler. Auf dem Zettel prangt der Satz: „Pray for Berlin“ (beten für Berlin). „Damit wollen wir die Besucher informieren, warum wir keine Musik spielen. Aus Solidarität“, sagt er. Gerhard Suhr (53), ebenfalls Beschicker, bestätigt auf Anfrage, dass „das komplette Begleitprogramm für Mittwoch abgesagt wurde“. Donnerstag soll wie geplant die Weihnachtsverlosung stattfinden.

Familie Bücker aus Kerpen empfindet keine Angst, „höchstens ein wenig Unwohlsein. Nur den Besuch nach Köln werden wir uns sparen“, sagt sie.

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