Weihnachtskabarett mit Hubert vom Venn

Von: Beate Weiler-Pranter
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In seinem Soloprogramm „Christstollen sind doch auch schon da“ nimmt Hubert vom Venn den kommerziellen Weihnachts-Wahnsinn aufs Korn. Foto: Beate Weiler-Pranter

Heimbach. „Ende August hatte ich meine erste Spekulatius-Erscheinung!“, stellt Hubert vom Venn bei der Premiere seines neuen Soloprogramms klar. „In einem Supermarkt, in dem sich bei sommerlichen Temperaturen bereits Printen und Pfeffernüsse, Lebkuchen und Christstollen stapelten“, ereifert er sich.

Einen Abend lang stürzt sich der Kabarettist mit vollem Körpereinsatz in die Welt der Weihnachtsvorbereitungen, in den kommerziellen Weihnachts-Wahnsinn, der jedes Jahr früher beginnt und jedes Jahr absurdere Formen annimmt. Mit Mimik und Gestik, pointiert gesetzten Pausen und bewusstem „Verhaspeln“ bringt Hubert vom Venn immer neue Facetten der Eifeler Mentalität auf die Bühne. Überspitzt und liebenswert balanciert er dabei zwischen Tradition und Konsumrausch.

In seinem Weihnachts-Sonderprogramm „Christstollen sind doch auch schon da“ gibt es deshalb Eifeler, die immer noch das Geschenkpapier aufbügeln und tütenweise Geschenkbänder fürs nächste Jahr aufheben. Da werden mit Hingabe Decken für den Lepra-Basar gehäkelt. „Mindestens vier davon hat jeder Eifeler zu Hause: Um die Sommerreifen zum Überwintern einzuwickeln.“ Bei Hubert vom Venn wird eine vorweihnachtliche Einkaufsfahrt nach Aachen vor lauter Stau zur mehrtägigen Tortur, die darin gipfelt, dass sich die Autofahrer um einen Parkplatz duellieren.

Beim gespielten Bummel über den Weihnachtsmarkt nimmt er dann unterm anderem die „Zentralberieselung“, eine Endlos-Mischung aus Weihnachtsliedern und der Warnung vor Taschendieben, aufs Korn. Als er daraufhin mit einem schnellen Schlag auf die Brust überprüfen wollte, ob seine Brieftasche noch da sei, habe gleich einer der vielen Sanitäter geschrien: „Der Opa hat einen Herzinfarkt!“ und ihn in ein Erste-Hilfe-Zelt geschleppt …

Um die kleinen Eskapaden des Alltags so lebensnah schildern zu können, muss man seinen Mitmenschen schon ganz genau auf die Finger und – vor allem – aufs Maul schauen.

Saftige Seitenhiebe auf Ökos, Großstadtmenschen, Immis und Besser-Wessies würzen das Programm ebenso wie bissige Spötteleien über Schwiegermütter. Auch an diesem Abend durfte natürlich seine Parade-Nummer über die „Generalversammlung des geliebten Vereins Concordia“ nicht fehlen.

Zwischendurch schlägt er auch leise, nachdenkliche Töne an. In Anlehnung an den Film „Christus kam nur bis Eboli“ schildert er das Schicksal einer Eifelerin, die „nicht nur Streichhölzer, sondern auch ihren Körper verkauft.“ Getrieben von Kindheitserinnerungen und Heimweh will sie die Weihnachtstage in der Eifel verbringen, doch ihre Eltern, ihre Patin und selbst der Pastor schlagen der schwangeren Frau die Tür vor der Nase zu. Da bleibt nur der Stall … Eine Weihnachtsgeschichte, die er im Groben so miterlebt habe, erläutert der Autor und Journalist.

Im „Haus des Gastes“ spielte Hubert vom Venn die verschiedenen Eifel-Episoden mit solcher Intensität und komödiantischer Eindringlichkeit, dass sich das Premieren-Publikum köstlich amüsierte, sich zugleich aber immer wieder „ertappt“ fühlte. Mit einem herzlichen „Frohes Fest“ verabschiedete sich der Kabarettist nach fast zwei Stunden von seinen Zuschauern.

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