Vossenack - Weihnachtsbäume: Zehn Jahre lang wachsen fürs Fest

Weihnachtsbäume: Zehn Jahre lang wachsen fürs Fest

Von: Sarah Maria Berners
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Von der Wiese ins Wohnzimmer: Achim Gratias inmitten seiner Christbaumkultur. Foto: Sarah Maria Berners

Vossenack. „Der Christbaum ist der schönste Baum, den wir auf Erden kennen“, heißt es in einem alten Weihnachtslied. Dafür, dass heute in vielen Häusern festliche Christbäume stehen, sorgen nicht nur Mutter Natur und jede Menge Schmuck, sondern auch Menschen wie Achim Gratias.

Schon seit vielen Jahren hegt und pflegt der Vossenacker in dem Garten hinter seinem Elternhaus eine vom Forstamt genehmigte Christbaumkultur. Und auch in diesem Jahr hat so mancher Baum wieder erst kurz vor knapp seinen Weg in den Christbaumständer gefunden, weil der 24. wieder so plötzlich vor der Tür gestanden hat.

„Angefangen hat alles, als mein Vater Rentner wurde“, erzählt Achim Gratias. „Ich war auf die Idee gekommen, Christbäume zu pflanzen, damit mein Vater im Ruhestand eine sinnvolle Aufgabe hat.“ Das war vor etwa 40 Jahren und aus der Idee ist ein geliebtes Hobby geworden. Erst für den Vater und dann auch für den Sohn. „Mir macht es einfach Spaß, mich um die Bäume zu kümmern“, sagt Achim Gratias, der viele Jahre im Wald gearbeitet hat und heute an der Biogasanlage Kleinhau tätig ist. Und es gibt vieles, um das sich ein Christbaumzüchter kümmern muss. Nach Feierabend geht es für ihn häufig in die Tannen.

Bis so ein Baum auf Wohnzimmergröße herangewachsen ist, steht er schon viele Jahre auf der Vossenacker Wiese. Zehn bis zwölf Jahre ist ein Zwei-Meter-Baum alt. Die Arbeit der Christbaumzüchter ist wichtig, weil die Christbäume den Menschen wichtig sind. Bei Achim Gratias haben sie Zeit, sich zu entwickeln, auch wenn sie am Anfang nicht vielversprechend aussehen. Eine Chance bekommen sie trotzdem.

„Mein Vater hat fast täglich drei, vier Stunden zwischen den Bäumen verbracht“, sagt Achim Gratias. Fünf bis sechs Mal im Jahr müssen die Bäume vom Gras freigeschnitten werden, damit sie sich unten schön entfalten können. Dann gilt es, einen Zweig zur Spitze zu ernennen und zu binden, wenn der Baum keine richtige ausgebildet hat. Und dann sind da noch die Triebe, die ab und an auch mal zurückgeschnitten werden müssen. Wer dem Christbaumzüchter zuhört, merkt schnell, dass Christbäume eine Wissenschaft für sich sind.

„Ich lasse auch in jedem Jahr eine Bodenprobe machen, um zu wissen, wie ich düngen muss“, sagt Achim Gratias. Und trotz der vielen Arbeit, die in den Christbäumen steckt, und trotz der Tricks und Einflussmöglichkeiten: Natur bleibt Natur. Und wenn ein Baum in einem Jahr stark wächst, dann bleibt nun mal ein Stück Stamm gut sichtbar und manche Bäume lassen sich nicht in die Bilderbuchform zwängen. „Aber jeder Baum findet seinen Liebhaber“, sagt ein Kunde, während er seine Runde durch die Christbaumkultur dreht. Naja: Fast jeder.

Die Ansprüche an Weihnachtsbäume sind nunmal sehr hoch, was dem einen zu dick ist, ist dem anderen noch nicht buschig genug. Was dem einen zu licht ist, ist dem anderen gerade recht. Und manche Menschen suchen einen Baum mit „Charakter“, mit einer kleinen Besonderheit abseits des Bilderbuchwuchses.

Aber die Suche nach dem Idealbaum nimmt auch schonmal etwas längere Zeit in Anspruch. Ein paar Familien aus Köln, die früher mit ihren kleinen Kindern kamen, haben den Christbaumkauf immer besonders zelebriert. „Sie kamen mit Campingtischen, Klappstühlen und Thermoskannen voll Glühwein und haben es sich bei uns auf der Wiese gemütlich gemacht. Die Kinder haben dann die Bäume ausgesucht, die ihnen besonders gut gefallen haben“, erzählt Gratias. Und dann wurde mit dem Fuchsschwanz gesägt, die Motorsäge der Familie Gratias blieb aus.

Schönheit ist eine Frage der Definition, sagt Achim Gratias. Und es ist ja nicht so, als gebe es nicht noch ein paar Tricks. „Früher, als es noch üblich war, den Christbaum aus dem Wald zu klauen, zogen die Leute ja meist in Dämmerung und Dunkelheit los“, weiß Achim Gratias. Erst im Tageslicht zeigte sich so manche fehlerhafte Stelle. „Dann nahm man einfach eine Bohrmaschine, machte ein kleines Loch und steckte einen Zweig hinein.“ Achim Gratias weiß schöne Bäume zu schätzen, aber er weiß auch, dass sich aus fast jedem Baum etwas machen lässt: „Eine Frau hat immer einen der Bäume genommen, die am Ende übrigblieben – und wenn er liebevoll geschmückt war, war er genauso schön, wie alle anderen auch.“

Aber nicht für alle Bäume führt der Weg zu Lametta, Kugeln und Spielzeug. Bäume, die zu groß oder zu unförmig werden, bleibt statt der Ehre, einmal als Christbaum im Wohnzimmer zu stehen, nur der Weg in den Schredder. Damit wird Platz für die Christbäume geschaffen, die in zehn Jahren im Kerzenlicht leuchten.

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