Weiberfastnacht: Von „Sonnesching“ und Schneeflöckchen

Von: S. Papier und T. Beutel
Letzte Aktualisierung:
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Fantasievoll kostümiert waren Erdbeere Julia Bogacki und ihre tierischen Begleiterinnen Anja und Sarah Schröder unterwegs. Foto: G. Schminkt

Düren. Geredet hat der Bürgermeister viel, zu sagen hat er aber nix. Nichts mehr, jedenfalls. Denn am Donnerstag haben die jecken Wiever die Macht übernommen. Und so war es Paul Larues Gattin Marion, die das närrische Treiben auf dem Markt eröffnete und den Startschuss fürs Schunkeln gab.

Und pünktlich zum Auftakt des Straßenkarnevals ließ sich sogar „et Sönnchen“ mal kurz blicken, war aber gleich wieder weg.

Mit einem bunten Programm starteten die Damen (und einige Herren, die die Damen nicht in die Schränke gehangen hatten) auf dem Markt in den Straßenkarneval, und sie bekamen hohen Besuch: Kinderprinzessin Pia I. marschierte mit den „Holzpoeze Jonge“ auf und brachte den Narren ein Ständchen. Ex-Prinz Wino Ulhas, der mit Sabine Briscot-Junkersdorf moderierte, lag der jungen Regentin sogar wortwörtlich zu Füßen.

Treffpunkt Erdbeere

Diese Szene haben Anja und Sarah Schröder verpasst. Bis 11.11 Uhr mussten die beiden noch arbeiten, aber dann zog es auch sie ins närrische Treiben und zum Treffpunkt mit Erdbeere Julia Bogacki. Nach Köln fahren? Das muss nicht sein. „Wir feiern immer in Düren und haben jedes Jahr viel Spaß“, sagen sie. Zum Warmwerden ging es für die Damen auf den Markt und dann feierten sie beim Behördenball in der Arena mit 3000 Jecken weiter.

Mit ihren Kostümen fielen Sarah und Anja Schröder besonders ins Auge. Die beiden hatten sich aufwendig geschminkt und kostümiert. „Anderthalb Stunden hat das gedauert“, erzählt Anja Schröder. Aber ein richtiges Kostüm, das gehört für die beiden Närrinnen einfach zum Wieverfastelovend dazu.

Als „Engel Hettwich“ leicht wie eine Feder auf die Markt-Bühne schwebte, dröhnte vom Kaiserplatz schon das Lied „Helikopter“ herüber. Vor dem Rathaus feierten rund 3000 Jugendliche ausgelassen unter den wachsamen Augen von Jugendamt, Polizei, Rettungskräften und dem Ordnungsamt. „Wir hatten eine ruhige Veranstaltung“, resümierte Berthold Becker vom städtischen Jugendamt.

Die bewährte Kooperation habe es erneut ermöglicht, den Kindern und Jugendlichen einen geschützten Rahmen für eine Feier zu bieten. Bis zum Ende registrierte die Polizei vier Ingewahrsamnahmen und zwölf Platzverweise.

Maßgeblich an dieser Veranstaltung beteiligt waren auch mehr als 80 Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der Feuerwehr und des Dürener Krankenhauses. Das Hospital hatte mit Hilfe des DRK an der Wilhelmstraße eine mobile Klinik errichtet, die in Kooperation mit dem Rettungsdienst des Kreises Düren und des Krankenhauses betrieben wurde.

„Alles, was wir heute sehen, ist das Ergebnis einer mehrjährigen Entwicklung“, berichtete Dr. Detlef Struck, Leitender Notarzt des Kreises Düren. Die mobile Klinik ermögliche es den Einsatzkräften, schneller zu helfen und entlaste die Notaufnahme des Krankenhauses ungemein.

„Noch vor einigen Jahren haben wir jeden einzelnen Fall mit dem Rettungswagen quer durch die Stadt in die Klinik gefahren“, blickte Struck zurück. Am Donnerstag waren mehrere Trupps von Rettungssanitätern und Rettungsassistenten auf dem Kaiserplatz unterwegs, die innerhalb von Sekunden im Notfall eingreifen konnten und die Patienten zur Versorgung in die aufgeschlagenen Zelte brachten. Bis zum frühen Nachmittag gab es dort für die Mediziner nur wenig zu tun.

„Seit der Einführung des Glasverbots ist die Zahl der Schnittverletzung stark zurückgegangen“, freute sich Martin Neuendorf, der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes.

Katerstimmung

Doch mit fortgeschrittener Zeit und einem fortschreitenden Alkoholkonsum fielen manche jecken Tiere über ihre Beine, starrten die Augen mancher Prinzessinnen ins Leere, mancher Cowboy hatte seinen Namen vergessen oder Eisbären beschlossen, sich für ein Nickerchen aufs Pflaster zu legen. Am Nachmittag herrschte zunehmend Andrang im sogenannten Sichtungszelt, in dem die Patienten zunächst untersucht und in Kategorien aufgeteilt wurden.

Wer das Zelt mit einer grünen Karte verließ, konnte vielleicht nicht mehr auf den eigenen Füßen stehen, musste aber auch nicht ins Krankenhaus weitertransportiert werden. „Wir haben es hier überwiegend mit betrunkenen Jugendlichen und Kindern zu tun“, bilanzierte Detlef Struck. In einem weiteren Zelt konnten die Patienten ihren Rausch unter den wachen Augen der Mediziner ausschlafen, wurde ihr Kreislauf stabilisiert. 60 Patienten wurden behandelt, darunter 28 Minderjährige, die zu tief in die Flasche geschaut hatten.

Mit der medizinischen Versorgung endete der Einsatz allerdings nicht: Die letzte Station in der mobilen Klinik war das Zelt, in dem die Jugendlichen in die Obhut des Jugendamtes übergeben wurden. Die Mitarbeiter setzten sich dann mit den Eltern der Patienten in Verbindung, die ihre Schützlinge abholten. Eine solche Katerstimmung könne auch eine pädagogische Funktion haben, ist Berthold Becker vom Jugendamt überzeugt.

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