Wehrleute aus zwei Generationen: „Man wusste nie, wer zum Einsatz kam“

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Generationenunterschied: Heinz Breidenich (73, Mitte), und Timo Löfgen (42, rechts), erzählen DZ-Redakteur Carsten Rose über ihre Erfahrungen in der Feuerwehr. Foto: Sandra Kinkel

Kreis Düren. In der Wache der Freiwilligen Feuerwehr in Langerwehe zeigt Timo Löfgen auf einen Einsatzwagen, dessen technische Einrichtung alleine einen Wert von gut 100.000 Euro habe, wie der 42-jährige stellvertretende Wehrführer der Gemeinde erzählt.

„Poah“, sagt Heinz Breidenich und schüttelt fast ungläubig den Kopf. Von sowas konnte der 73-jährige Vossenacker nur träumen, als er jahrelang in Hürtgenwald als Feuerwehrmann aktiv war. Im DZ-Trialog unterhalten sich beide mit Redakteur Carsten Rose über weitere Unterschiede zwischen der Feuerwehrarbeit damals und heute.

Welche Unterschiede fallen Ihnen direkt ein?

Heinz Breidenich: Heute hat zum Beispiel jeder einen Melder für Einsätze bei sich. Früher musste die Sirene lange gehen, bis einer kam. Wir waren froh, dass es viel mehr Landwirte gab, die bei der Wehr waren. Ein Arbeiter blieb immer auf dem Hof, um einsatzbereit zu sein. Und zum Glück waren auch etliche Waldarbeiter bei der Feuerwehr – wenn irgendwo ein Wald gebrannt hat, waren die schnell da.

Timo Löfgen: Stichwort: Tagesalarmverfügbarkeit. Wir haben in Langerwehe 200 Leute bei der Feuerwehr, aber tagsüber arbeiten viele auswärts. Früher haben mehr im Ort gearbeitet.

Breidenich: Wir hatten zwar immer genug Leute beim Einsatz, aber es war nie die gleiche Truppe, man wusste nie, wer zum Einsatz kam.

Löfgen: Genau das ist das Problem für eine Freiwillige Feuerwehr. Als Gruppenführer muss man immer nach hinten in den Wagen schauen, wer da überhaupt sitzt.

Löfgen erzählt, dass die Feuerwehr in der Gemeinde Langerwehe an sich gut aufgestellt ist. Bei Stellen, die die Kommune ausschreibt, würden Bewerber bevorzugt, die eine Feuerwehrausbildung haben. Wehrleute arbeiten demnach beim Bauhof, in der Verwaltung oder als Schulhausmeister. „Wir können tagsüber immer auf einen Stamm zurückgreifen. Andere Kommunen haben da mehr Probleme, glaube ich.“

Erinnern Sie sich an Einsätze, bei denen es eng wurde?

Breidenich: (klopft auf Holz) Es hat immer geklappt, aber wir sind auch mal nur mit zwei, drei Leuten hoch nach Raffelsbrand, wenn ein Bauernhof gebrannt hat. Oder bei Waldbränden.

Löfgen: (klopft auch) Ich erinnere mich nur an den Wohnungsbrand am Ulhaus (Anm. d. Red: Der Brand in der Silvesternacht 2006/07, bei dem ein Mann starb), als wir anfangs nicht genug Leute hatten. Ich muss ja immer schauen, welche Qualifikation jeder hat. An dem Tag hatten wir erst nur einen Atemschutzgeräteträger, also der, der reingehen kann, um das Feuer zu bekämpfen – aber: Man muss nach Vorschrift immer zu zweit rein. Die Kollegen aus Luchem kamen aber schnell. Generell gibt es heute nicht mehr so viele große Brände dank des besseren Brandschutzes, Rauchmeldern, schnellerer Alarmierung.

Breidenich: Bis 1985 etwa waren für uns zwei Drittel aller Einsätze Waldbrände. Wegen der vielen Munition aus dem Krieg und des Phosphors im Boden. Einmal hat der Wald drei Wochen gebrannt, wir hatten ja nicht die Geräte wie heute. Das Forstamt hat dann irgendwann mal ein paar Meter Holz freigegeben, das die Waldarbeiter verkauft haben, um davon eine Motorspritze zu kaufen, damit wir vernünftig Wasser fördern konnten. In den 80ern hat die Gemeinde dann die ersten beiden Funkgeräte für Gey und Vossenack von der Stadt Düren abgekauft.

Heute gelte eine Hilfsfrist von acht Minuten, nachdem ein Notruf eingegangen ist, sagt Löfgen. Breidenich erzählt, dass es früher etwa doppelt so lange gedauert habe.

Beschreiben Sie mal, wie Sie überhaupt löschen oder gelöscht haben.

Breidenich: Früher haben wir oft von außen nach oben in die Fenster gespritzt, ohne zu wissen, wo genau das Feuer war. Dem nächsten Trupp kam dann das ganze Wasser von oben entgegen.

Löfgen: Das ist ein entscheidender Unterschied zu heute: Mit unserer Schutzkleidung können wir viel besser und so auch effektiver von innen löschen.

Breidenich: Wir hatten ja nur einen Blaumann und nicht mal Gummistiefel.

Wenn beide über ihre Feuerwehr-Ausbildung sprechen, wird klar: Heute werden mehr Lehrgänge und Sonderausbildungen verlangt. Und: Heinz Breidenich musste Lehrgänge, die heute beim Kreis Düren absolviert werden können, in Münster ablegen.

Welche Ausrüstung hätten Sie sich damals gewünscht, Herr Breidenich? Und, Herr Löfgen: Was brauchen Sie noch?

Breidenich: Schläuche, mit denen man über weitere Strecken Wasser fördern kann. Und natürlich mehr Funkgeräte, wir standen oft da und konnten nicht nachalarmieren.

Löfgen: Es würde mir als Führungskraft vieles erleichtern, wenn ich draußen sehen kann, was meine Jungs drinnen sehen. Diese Bildübertragung gibt es schon, aber sie muss sich noch weiterentwickeln.

Stichwort: Nachwuchs.

Löfgen: Früher, als ich angefangen habe, hat die Gemeinde Langerwehe die Grundausbildung mit 20 Mann selbst gemacht. Heute machen wir es mit den Gemeinden Inden und Niederzier zusammen – und kommen auf 16 oder 18. Deswegen würde ich mir auch mehr Frauen wünschen, wir haben gerade einmal eine Handvoll in der Gemeinde – das ist zu wenig.

Wie hält man die Jugend heute bei der Stange?

Löfgen: Nicht so, wie wir es früher versucht haben mit traditionellen Ausmärschen in Uniform zweimal im Jahr. Heute kommt ein Wandertag nach Köln besser an. 25 ist das kritische Alter, weil dann der Beruf wichtiger ist oder ein Umzug ansteht. Wer darüber hinaus bleibt, bleibt den Rest seines Lebens.

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