Düren - Wehmeyer-Mitarbeiter strengen Kündigungsschutzklage an

Wehmeyer-Mitarbeiter strengen Kündigungsschutzklage an

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Das Aus für Wehmeyer in Düre
Das Aus für Wehmeyer in Düren kommt am 15. Februar. Foto: Johnen

Düren. Ihre Zukunft bei der Adler Modemärkte AG hat sich Wehmeyer-Mitarbeiterin Larissa G. (Name von der Redaktion geändert) anders vorgestellt.

Wie berichtet, schließt die Filiale in Düren zum 15. Februar, nachdem die Verhandlungen des Insolvenzverwalters mit dem Immobilieneigentümer und dem neuen Wehmeyer-Eigentümer Adler gescheitert sind.

„Wir fühlen uns den Mitarbeitern verpflichtet”, hatte Sprecher Dr. Markus Launer am Dienstag versichert. Adler habe den Mitarbeitern Jobs in der Filiale in Sindorf angeboten. Dieses Angebot hat Larissa G. abgelehnt. „Es war ein schlechter Scherz”, sagt sie.

Statt wie bisher 138,5 Stunden zu arbeiten habe Larissa G. das Angebot erhalten, dort einen 400-Euro-Job zu bekommen. „Viele Kolleginnen stehen ab Ende Februar auf der Straße”, bilanzierte sie am Mittwoch: „Wir fühlen uns unfair behandelt.” Die Kündigungen hatten sie und ihre Kolleginnen bereits am vergangenen Freitag erhalten. Einer Mitarbeiterin, die fast im Rentenalter ist, habe man empfohlen, sich bei einem schwedischen Textilunternehmen zu bewerben, das junge Mode verkauft.

Mit einer weiteren langjährigen Wehmeyer-Angestellten machte Larissa G. am Mittwoch eine Rechnung auf: Von den beinahe 30 Mitarbeitern der Filiale seien die fünf Aushilfskräfte nicht übernommen worden. Die vier Auszubildenden würden auf andere Standorte verteilt. „Von den übrigen Mitarbeitern werden sechs übernommen”, sagten Larissa G. und ihre Kollegin. Die anderen Beschäftigten stünden vor der Arbeitslosigkeit. Nicht allen Mitarbeitern sei überhaupt ein Angebot unterbreitet worden.

Adler-Sprecher Markus Launer weist den Vorwurf, die Mitarbeiter seien unfair behandelt worden, entschieden zurück - und macht eine andere Rechnung auf. Die Aushilfskräfte hätten es abgelehnt, eine geringfügige Beschäftigung in Sindorf anzunehmen - und acht Dürener Mitarbeiter arbeiteten künftig dort. „Damit ist die Filiale ausschließlich mit Dürener Kräften besetzt”, sagte Launer.

Auf die Frage, warum es am Dienstag so klang, als hätten alle festangestellten Mitarbeiter Aussicht auf eine andere Stelle, ließ Launer wissen, dass es weder in Sindorf noch in den anderen Filialen der Region noch Stellen gibt. „Mehr war nicht machbar”, bat er um Verständnis. Das Angebot, in Sindorf zu arbeiten, sei allen unterbreitet worden, aber eine Garantie gab es nicht.

Ein weiteres Detail sorgt bei vielen Dürener Mitarbeitern für Unverständnis: Der Kündigung wurde ein Aufhebungsvertrag beigelegt. Über das Wochenende, berichtet Larissa G., hätten sie Bedenkzeit gehabt. Diese Zeit haben zehn der Gekündigten genutzt, um sich für einen Gang zum Anwalt zu entschließen.

Rechtsanwalt Friedhelm Bücker von der Sozietät „Dettmeier Rechtsanwälte”, der den Großteil der Wehmeyer-Mitarbeiterinnen vertritt, bestätigte am Mittwoch, eine Kündigungsschutzklage erhoben zu haben. Er habe allen Klientinnen empfohlen, den Aufhebungsvertrag nicht zu unterzeichnen. „Wer den Vertrag unterzeichnet, hat keine Möglichkeit mehr, gegen die Kündigung vorzugehen”, sagte Bücker. Das Vorgehen des Unternehmens sei „eher seltsam”.

Betriebsbedingte Kündigungen

Mit Auslaufen des Mietvertrages habe Adler betriebsbedingte Kündigungen aussprechen müssen, wies Markus Launer die Kritik zurück. Die Aufhebungsverträge, die Abfindungsangebote unterbreiteten, seien ein „normaler Prozess”. Er habe „Verständnis für den Unmut” in Düren, müsse aber folgendes klarstellen: „Wir haben Abfindungsangebote unterbreitet, obwohl wir dies nicht hätten tun müssen.” Adler habe so „getan, als ob wir einen Sozialplan aufsetzen”. Launer: „Wir hätten auch lieber die Filiale weiterbetrieben.”
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