Sievernich - Weg zur Kunst: Henning von Freyend hat sich früh entschieden

Weg zur Kunst: Henning von Freyend hat sich früh entschieden

Von: Gudrun Klinkhammer
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In einem alten Gehöft in Sievernich lebt und malt der Künstler Henning John von Freyend.

Sievernich. Es gibt Menschen, die haben eine unglaubliche Sensibilität. Henning John von Freyend ist so ein Mensch. Nach außen hin wirkt er eher kühl, aber in seinem Inneren besitzt er ein ungeheures Gespür für Menschen und ihre Seelenlagen. Seit dem Jahr 2000 lebt und arbeitet der Künstler in einem Bauernhof in Sievernich.

Im alten Gehöft interpretiert er in seiner unnachahmlichen Art Figuren, Stadtsilhouetten und Stillleben.

In einer Bombennacht geboren

Der zunächst von ihm angeschlagene Fotorealismus löst sich mit den Jahren zunehmend auf, das Figürliche verliert an Kontur. Speziell die Porträts, die der Künstler anfertigt, sind einzigartig. Seine Arbeiten hängen in öffentlichen Gebäuden wie in der Musikhochschule in Köln, im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf und in der amerikanischen Landesbibliothek in Berlin. Auch im Bestand privater Sammler sind seine Bilder zu finden, so etwa in der Sammlung des deutschen Verlegers Reinhold Neven DuMont.

In einem Gespräch beugt sich Henning John von Freyend auf seinem hölzernen Stuhl leicht nach vorne. Vorsichtig nimmt er seine Tasse Tee in die Hand und trinkt daran. Dann erzählt er: „Ich kam in Hamburg in einer Bombennacht im Jahr 1941 zur Welt. Mein Vater, ein Exportkaufmann, war sehr kulturinteressiert und besaß moderne Kunst.“

Die Kinder gingen ins Theater, sahen Gustav Gründgens und besuchten Ausstellungen. Die Firma seines Vater zu übernehmen war für den jungen, musisch veranlagten Mann nie ein Thema. Diesen Part übernahm sein Bruder. Nach dem Abitur studierte von Freyend zunächst Nationalökonomie, doch schnell wurde ihm klar, dass das nicht seine Zukunft sein wird. Der Vater ließ ihn ziehen. In Basel besuchte er fünf Jahre lang eine Kunstschule, die nach dem Bauhauskriterien unterrichtete.

Was den Kunststudenten damals besonders reizte, war das substanzielle Zeichnen, später auch das Aktzeichnen. Dieses Handwerk quasi blind zu beherrschen, bildete für ihn die Grundlage für alles, was er später noch schuf. In seinen heutigen Bildern verbinden sich die freie Malerei und das Zeichnen zu einem brillanten Feuerwerk aus Licht, Farbe und Motiv. Nach dem Studium ging er als Grafiker nach Amerika.

Er erinnert sich: „Ich entwarf damals Plakate. Die Arbeit war sehr ernüchternd, und künstlerisch war mir das viel zu wenig.“ Also ging er zurück nach Hamburg. Sein Vater unkte, indem er bemerkte: „Das war ja wohl nichts, da wärst du doch besser Kaufmann geworden.“

Solche Sätze beeindruckten den Künstler nicht, stattdessen beschäftigte ihn zunehmend die Frage: „Wie wird man freier Künstler – und vor allem, wie kann man davon leben?“ In Köln eröffnete er mit Thomas Hornemann und Berndt Höppner die Produzentengalerie „Exit“.

Dünne Luft

Nur ein Jahr lang hielt die Galerie den Stürmen des freien Marktes stand, zudem bemerkte der Mann aus dem Norden: „Für denjenigen, der nicht mit dem Strom schwimmt, sondern eigene Wege geht, wurde die Luft im Kunstgeschäft extrem dünn.“ Dennoch setzte sich der sensible Denker mit seiner Art zu malen durch. Seine Bilder wurden gekauft. Dass jeder Mensch ein Künstler ist – ein Satz, den der Aktionskünstler Joseph Beuys einmal geprägt hat – entspricht nicht seiner Auffassung.

Er sieht den Schaffensprozess einhergehend mit der Konfrontation und der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Nicht nur in Köln, sondern auch in Erftstadt, im Münsterland, in Brasilien, in Frankfurt und in Sievernich sammelte er Erfahrung: „Als Maler habe ich die Pop-Art längst hinter mir gelassen. Meine Figuration des Spielers hat wieder Geist, und die Erfahrung meines langen Malerlebens gibt ihm Tiefe.“

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