Düren - „Wechsel von der Theorie in die Realität”

„Wechsel von der Theorie in die Realität”

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
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Christian Davepon zeigt Abidjan an der Elfenbeinküste auf der Landkarte. Ein Jahr lang wird er dort arbeiten. Foto: Elberfeld

Düren. Das Abitur am Dürener Wirteltorgymnasium liegt erst wenige Monate hinter Christian Davepon. Die Durchschnittsnote seines Zeugnisses weist eine Eins vor dem Komma auf. Ab Anfang September schlägt der junge Mann für ein Jahr seine Zelte in Westafrika auf, in der größten Stadt der Elfenbeinküste, in Abidjan.

Groß-Abidjan, von etwa fünf Millionen Menschen besiedelt, ist das Finanz- und Wirtschaftszentrum Westafrikas. Dort leben Menschen vieler Stämme mit verschiedenen Sprachen und Kulturen, zum größten Teil muslimisch geprägt. Aber auch Christen und Anhänger von Naturreligionen haben dort ihre Heimat. Französisch ist die Amtssprache. Kein Wunder, denn die Kolonialmacht Frankreich hatte sehr lange das Sagen in dem kleinen Küstenstaat.

Slums in den Außenbezirken

Arbeiten wird Christian Davepon in Kuomassi, einem Stadtviertel Abidjans, zwischen der City und den Slumvierteln der Außenbezirke gelegen. Die Elfenbeinküste leidet - wie viele andere Länder Afrikas - unter der Landflucht. Immer mehr Menschen verlassen ihre Dörfer und strömen in die Städte, wo sie meist nur Unterkunft in den Slums finden. Am schlimmsten von der Armut betroffen sind Kinder und Jugendliche, die ein abenteuerliches Leben auf der Straße fristen.

Genau dort wird der Abiturient seine Aufgaben erfüllen. Christian Davepon ist Freiwilliger des Don-Bosco-Projekts. Zur Arbeit der „Don-Bosco-Volunteers” (Don-Bosco-Freiwilligen) gehört die Betreuung von Kindern und Jugendlichen in einem Wohnheim. Wenn die Heranwachsenden am Nachmittag aus der Schule ins Wohnheim kommen, wird Davepon ihnen in der Freizeit Sport und Musik anbieten. Der Freiwillige selbst spielt Trompete.

Erst am Abend, um 21 Uhr, muss er bei den Hausaufgaben Hilfestellung leisten. Zusätzlich möchte er die Schüler an Computer und an Internet heranführen. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen wieder in ihre Familien zu integrieren, sofern diese noch existieren. Ist die Schule erfolgreich abgeschlossen, gehen die Absolventen in eine Lehre.

Wünschenswert ist, dass eine große Zahl von ihnen Schule und Berufsausbildung beendet. Doch die Realität sieht anders aus. Nur zwischen zehn und 15 Prozent der Jugendlichen schafft das Ziel „Berufsausbildung”. Das „Abenteuer Straße” steckt vielen noch zu sehr in den Knochen, deshalb ist es ungeheuer schwierig, Verantwortungsbewusstsein, Erlernen von Strukturen und Einhalten von Regeln zu vermitteln.

Doch Christian Davepon schrecken diese Aussichten nicht ab. Er will den Sprung ins kalte Wasser wagen. „Ich will etwas verändern”, erklärt er seine Motivation. Das geschehe meist in winzigen Schritten. Seine eigene gute Erziehung im Elternhaus, seine hervorragende Ausbildung in der Schule, all dies möchte er als Zeichen der Dankbarkeit in diesem Hilfsprojekt einsetzen.

„In Afrika kann ich mein angehäuftes theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen”, überlegt er, „es wird ein Wechsel von der Theorie in die Realität sein.” Was für ihn dabei unter dem Strich herauskomme? Der Perspektivenwechsel werde sein Verhältnis zu Konsum und Luxus ändern, glaubt er.

Seine persönlichen Vorteile leugnet Davepon nicht: Die französische Sprache wird er Ende August 2011 perfekt beherrschen. Nach seiner Rückkehr wird Davepon in Bayreuth Philosophie und Wirtschaft studieren, ethische Grundsätze in der Ökonomie. Etwas verhalten klingt die Stimme des jungen Mannes, der in vielen Seminaren auf seine Aufgaben vorbereitet wurde, wenn er an Weihnachten denkt. „Am Ende des Jahres werde ich in meiner Formkurve um den 24. Dezember herum einen Tiefpunkt eintragen müssen.”
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