Vettweiß - Wasserversorgungskonzept: Vorsorge für das Lebensmittel Nummer 1

Wasserversorgungskonzept: Vorsorge für das Lebensmittel Nummer 1

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Für Jörg Kemmerling ist das Trinkwasser das Lebensmittel Nummer 1. Foto: B. Giesen

Vettweiß. Wie kommt das Trinkwasser zum Kunden? Welche Wassermengen benötigen die Bürger? Wo kommt das Wasser her? Und in welcher Qualität? Eigentlich simple Fragen, mit denen sich regelmäßig beispielsweise Jörg Kemmerling, Betriebsleiter des Wasserleitungszweckverbandes (WZV) der Neffeltalgemeinden, befassen muss.

„Versorgungskonzepte sind für Wasserversorger tägliches Brot“, sagt Kemmerling. Sein Brotbedarf wird in den kommenden Wochen und Monaten allerdings deutlich ansteigen. Mit der Novelle des NRW-Landeswassergesetzes müssen zum 1. Januar 2018 alle Städte und Gemeinden im Land ein kommunales Wasserversorgungskonzept vorlegen. Praktischerweise dürfen die Kommunen sich dazu des Sachverstandes ihrer Versorger bedienen.

Derartige Konzepte hat der Vettweißer Zweckverband für den eigenen Bedarf auch schon in der Vergangenheit erstellt. Wenn Kemmerling jetzt also beispielsweise für die Gemeinde Vettweiß oder die Stadt Nideggen die entsprechenden Konzepte entwickelt, ist das für ihn eher Routine. „Mit diesen Konzepten sollen die Kommunen in die Pflicht genommen werden, sich der Daseinsvorsorge zu widmen. Trinkwasser ist nun mal das Lebensmittel Nummer 1“, deutet Kemmerling die politische Absicht hinter der Gesetzesnovelle.

Direkter Kontakt

Rund 40.000 Bürger in Vettweiß, Nörvenich, Nideggen, Teilen von Merzenich und Zülpich versorgt der WZV. Den Kontakt zu den Verwaltungen hält der Betriebsleiter schon jetzt, nicht nur, weil der Zweckverband ein Eigenbetrieb ist. Wenn zum Beispiel eine Kommune Baugebiete oder Flächen für Gewerbe erschießen will, werden die Wasserversorger wie andere Träger öffentlicher Belange im Beteiligungsverfahren mit eingebunden. Dabei könnte das auch schon vorher geschehen, wie Kemmerling an einem Beispiel deutlich macht: „In Nörvenich gibt es Überlegungen für neue Baugebiete. Bürgermeister Dr. Timo Czech ruft dann auch schon mal vorher an und fragt, mit welchem Aufwand die notwendige Wassermenge für ein mögliches Baugebiet bereitgestellt werden kann.“

Wichtig sind solche Planungen für Kemmerling vor allem auch dann, wenn er – wie bei den Versorgungskonzepten für die Kommunen – prognostizieren muss, wie die Wasserversorgung in den kommenden Jahren sichergestellt werden kann. Die Konzepte sollen für einen Zeitraum von sechs Jahren gültig sein. Dazu muss Kemmerling heute zum Beispiel auch vorhersehen, wie viele Bürger im Jahr 2024 in der Gemeinde leben werden, und wie viel Wasser sie dann verbrauchen.

Natürlich gibt es dafür Kennziffern, die man hochrechnen kann – aber schon ein größeres Baugebiet kann so eine Planung verschieben. Für Vettweiß prognostiziert Kemmerling übrigens trotz der erheblichen Anstrengungen der Gemeinde, hier Familien anzusiedeln, einen leichten Bevölkerungsrückgang – bei gleichzeitigem Anstieg des Wasserverbrauchs. Rund 130 Liter des kostbaren Guts konsumiert jeder Vettweißer täglich; das liegt leicht über dem Bundesdurchschnitt und hat laut Kemmerling auch etwas damit zu tun, dass im ländlichen Bereich zum Beispiel mehr Trinkwasser für die Gartenpflege eingesetzt wird als in Großstädten. Die Pflicht für die Kommunen, alle sechs Jahre ein neues Versorgungskonzept zu erstellen, bewertet der Vettweißer Betriebsleiter positiv: „Das ermöglicht eine schnellere Bestandsaufnahme. Vor allem kann man aber auch schneller auf neue Entwicklungen reagieren.“

Cord Meyer, Geschäftsführer der Dürener Leitungspartner GmbH, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke, bewertet das nicht anders: „Jede Entscheidung, die wir treffen, muss Generationen überdauern.“ So zum Beispiel die Entscheidung von vor vier Jahren, das Rohwasser der Wehebachtalsperre zu entnehmen, weil die Aufbereitung des Rurwassers zu kostspielig wurde. Rund 100.000 Menschen versorgen die Stadtwerke Düren in Düren und Merzenich mit 5,3 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr – also 5,3 Milliarden Litern. Anders als im ländlichen Bereich geht der Verbrauch in der Stadt zurück – auch weil Haushaltsgeräte Wasser effizienter nutzen.

Und was Jörg Kemmerling am Beispiel der Erschließung von Baugebieten deutlich macht, gilt auch für Cord Meyer: „Die Entscheidung der Stadt Düren, den Flächennutzungsplan zu überarbeiten, hat deutliche Auswirkungen auf uns.“ Hier ist noch in einem viel größeren Maße bei der Erschließung von Gewerbe- und Baugebieten die Leistung der Versorger gefragt.

Reagieren müssen die Wasserversorger auch bei der Qualität. Hauptproblem ist dabei die Nitratbelastung des Grundwassers. Kemmerling: „Alle Wasserversorger im Kreis arbeiten freiwillig seit Jahren eng mit der Landwirtschaftskammer zusammen. Da wird zum Beispiel auf eine Effizienzkontrolle bei der Düngung geachtet, auf Zwischenfruchtanbau, um Phosphate in den oberen Erdschichten zu binden, damit sie nicht ins Grundwasser gelangen können. Wir arbeiten akribisch daran, die Nitratwerte zu senken“, sagt Kemmerling.

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