Was passiert nach dem Tod?

Von: dama
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Katja Franke und Fedor Volkov fesselten die der Vorpremiere mit Texten und Musik. Foto: Martinak

Heimbach. Was passiert eigentlich nach dem Tod? Wie bereiten wir uns am besten darauf vor, und soll man das Ganze nicht lieber mit ein bisschen Ironie betrachten, um die Angst davor ein wenig abzuschwächen? Mit solchen Fragen beschäftigen sich zwei Künstler aus Köln und Mechernich: Katja Franke und Fedor Volkov.

Hinter ihrem Projekt „Mich wundert, dass ich so fröhlich bin” steckt aber mehr als nur die objektive Betrachtung des Lebens nach dem Tod. „Wir möchten gesellschaftlich dazu beitragen, den Tod wieder aus den Tabuzonen ins Bewusstsein zu holen und die Menschen mit einem Lebenskapitel zu konfrontieren, welches sie alle einmal aufschlagen müssen”, sagt die hauptberufliche Moderatorin Katja Franke. Sie hat das Projekt mit Konzertgitarrist Volkov kreiert und umgesetzt.

Bei der Vorpremiere im Atelier „treppauf treppab” meinte Inhaberin Luise Kött-Gärtner: „Ich habe schon viele Künstler hier gehabt, aber das ist was ganz Besonderes.” Übrigens: Klatschen während der Vorlesung ist verpönt.

Wie gebannt starrten die Gäste auf die Bühne, als Franke aus einem uralten Koffer das Geschichtenbuch herausnahm und mit engelsgleicher Stimme zu lesen begann. Wäre das Ganze in den kurzen Pausen nach jedem Kapitel nicht von Volkov auf der Gitarre begleitet worden, hätte man eine Stecknadel fallen hören können.

Das Programm nähert sich hauptsächlich dem Thema Tod auf tieftraurige, philosophische, aber auch heitere und groteske Weise. Im ersten Kapitel geht es um die Geburt, die als Parallele zum Verstehen und zur Akzeptanz des Todes beitragen soll. Die Zuhörer klebten förmlich an den Lippen der Vorleserin, die neben Geschichten auch themenbezogene Lieder vortrug. Gelegentliches Kopfnicken, als es darum geht, dass Menschen in jeder Lebenslage eine unsichtbare Uhr in Gedanken haben: Beim Kuss eines geliebten Menschen sitzen wir schon im Büro, beim Lesen eines Buches denken wir nach, was wir einkaufen und kochen müssen.

Nach den eher traurigen Erzählungen folgte immer etwas Heiteres, fast Lustiges, als wollten die Künstler Stimmung und Gefühle der Zuhörer ein bisschen verwirren, um so vielleicht noch mehr dafür zu sorgen, in sich zu kehren. So auch die Erzählung vom Goldhamster Gottfried, der von den Kindern so geliebt wird, dass sie bei seiner Beerdigung fast meinen, mit sterben zu müssen. Als aber klar ist, dass Gottlieb gar nicht tot war, sondern sein Zwillingsbruder Manuel, war die Freude groß, die Angst, diese unendliche Trauer nochmals zu erleben, aber größer.

Die Geschichten stammen ursprünglich von Autoren wie Max Frisch und Erich Kästner. Franke nahm sich immer wieder die Freiheit, gelegentlich das gelesene Wort zu verlassen und frei vorzutragen, was ihr persönliche Emotionalität verlieh. Auf Zwischenkommentare und Moderationen wurde aber verzichtet. „So wollen wir dem Zuschauer überlassen, sich seinen Gefühlen hinzugeben und das Gehörte zu reflektieren”, erklärt Franke.

Die letzte Geschichte handelte von „Frau Glück”, die einen Apfelbaum im Garten hat, an dem eines Tages der „Tod” klebt. Diesen ließ sie erst frei, als er ihr versprach, sie ewig leben zu lassen. „Auch ihnen möchten wir einen Apfel geben, der für die ewige Jugend stehen soll”, meinte Franke - und verteilte Äpfel mit Pausenzettelchen.

Die 90-minütige musikalisch-literarische Darbietung in 15 Kapiteln hat manchem vielleicht ein bisschen Angst und Ungewissheit genommen, was das Thema Tod betrifft.

Wiederholt wird dieser ungewöhnliche Abend am Samstag, 28. März, ab 19 Uhr in „treppauf-treppab”. Kartenreservierungen unter 02445/957787.
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