Was kostet ein Krankenhaus und woher kommt das Geld?

Von: Christoph Lammertz
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Lendersdorf. 130.000 Menschen gingen in der vergangenen Woche in Berlin auf die Straße. Ärzte, Pflegekräfte, Klinikdirektoren und Gewerkschafter demonstrierten vor dem Brandenburger Tor, vereint in der Wut über die Finanzlage der deutschen Krankenhäuser.

Die von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt versprochene Drei-Milliarden-Euro-Spritze reiche vorne und hinten nicht aus, um die kränkelnden Hospitäler zu heilen, waren sich die Demonstranten einig.

Doch was bedeutet die von Schmidt angebotene Aufstockung der Mittel für das einzelne Krankenhaus? Was kostet eine Klinik und woher kommt das Geld? Gábor Szük und Bernd Koch, Geschäftsführer der Caritas-Trägergesellschaft West (CTW), haben für die Dürener Zeitung einmal das Kassenbuch des Lendersdorfer Augustinus-Krankenhauses geöffnet.

Knapp 300 Betten hat das Hospital in Lendersdorf und gehört damit weder zu den großen, noch zu den ganz kleinen Kliniken im Land. Finanziert wird es wie alle anderen Hospitäler in der Hauptsache von den Krankenkassen, also von dem Geld der Versicherten.

Für jede Leistung, die ein Krankenhaus erbringt, zahlen die Kassen einen Betrag, der im so genannten DRG-Katalog (Diagnosis Related Groups) festgelegt ist.

So bringt eine Meniskus-OP mit viertägigem Aufenthalt des Patienten dem Lendersdorfer Krankenhaus 1402 Euro. Für einen Patienten, der über Monate lang beatmet werden musste, erhielt das Hospital zuletzt fast 80.000 Euro.

Unter dem Strich zahlten gesetzliche und private Kassen dem Lendersdorfer Krankenhaus 2007 gut 27 Millionen Euro. Damit können etwa 90 Prozent der Kosten gedeckt werden.

Zu den anderen Einnahmequellen gehören zum Beispiel Nutzungsgebühren der Krankenhausärzte für Leistungen, die sie privat abrechnen, und die Ambulanzerlöse.

33 Millionen Euro hat St. Augustinus im vergangenen Jahr verschlungen. Der größte Posten sind die Personalkosten: Für die Gehälter von Ärzten, Pflegekräften und Mitarbeitern der Verwaltung wurden 18,5 Millionen Euro ausgegeben.

Steuern, Abgaben und Versicherungen schlugen mit 4,1 Millionen Euro zu Buche. Davon alleine knapp 700.000 Euro für Wasser, Strom und Gas. „Im Vergleich zu 2006 waren das etwa 60.000 Euro mehr. Und bei der Entwicklung der Energiepreise wird es in diesem Jahr noch einmal teurer”, sagt Geschäftsführer Gábor Szük.

Deutlich härter trifft das Krankenhaus aber die Steigerung bei den Ausgaben fürs Personal. Wegen der jüngsten Tariferhöhungen kletterten die Kosten in diesem Jahr um mehr als 800.000 Euro, 2009 müssen nochmals 965.000 Euro mehr aufgewendet werden.

Und nun lohnt sich der Blick auf die von Gesundheitsministerin Schmidt versprochene Finanzspritze. „Keine 600.000 Euro macht die Erhöhung der Budgets - 2008 und 2009 zusammengerechnet - für das Lendersdorfer Krankenhaus aus”, sagt Bernd Koch.

„Es lassen sich davon also nicht einmal annähernd die Tariferhöhungen ausgleichen.” Dabei müssen sich die Kliniken noch mit einigen anderen Mehrbelastungen herumschlagen. Zum Beispiel die Mehrwertsteuererhöhung oder der Sanierungsbeitrag für die Kassen, den Ulla Schmidt den Kliniken zwischenzeitlich auferlegt hatte.

Was also tun, um nicht geradewegs in die Pleite zu steuern? „Mehr Patienten machen”, sagt Gábor Szük und meint es genau so: Denn dieses „mehr Patienten machen” - mit gleichem Personal - bedeutet noch weniger Zeit für die Versorgung des einzelnen Patienten und immer höhere Belastungen fürs Personal.

„Schreiben Sie ruhig, dass wir stinksauer sind”, bricht es aus Gábor Szük förmlich heraus: „Die Politik ist in der Lage, mal eben über Nacht eine Milliardensumme locker zu machen, um für das Missmanagement bei der IKB-Bank geradezustehen, aber die Kliniken lässt man am ausgestreckten Arm verhungern.”

Er fühle sich von Ulla Schmidt wie die meisten anderen Krankenhaus-Verantwortlichen des Landes „belogen und betrogen”, schiebt Szük noch hinterher. Und, dass er trotz aller massiven Proteste nicht mit einem Einsehen der Ministerin rechne.

Sieben Hospitäler in Trägerschaft der CTW

Die Caritas Trägergesellschaft West unterhält neben Pflegeeinrichtungen sieben Kliniken.

Im Kreis Düren ist die Gesellschaft mit Sitz an der Holzstraße in Düren Trägerin des Augustinus-Krankenhauses Lendersdorf, des Marien-Hospitals Birkesdorf und des Josef-Krankenhauses Linnich.

Darüberhinaus ist sie verantwortlich für das Antonius-Krankenhaus Schleiden, das Joseph-Krankenhaus Prüm, das Nikolaus-Stiftshospital Andernach und das Elisabeth-Krankenhaus Hohenlind.

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