Was hinter 1437 Haftbefehlen im Kreis Düren steckt

Von: Carsten Rose
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2016 sind im Kreis Düren 1437 Haftbefehle eingegangen. Symbolfoto: Colourbox

Kreis Düren. Zwei Männer aus Düren, Vater und Sohn, fliehen vor einer Polizeikontrolle in einem Auto auf einen Feldweg. Sie kommen nicht weit, werden gefasst – und festgenommen. Denn: Gegen den 48-Jährigen und den 27-Jährigen liegen Haftbefehle vor. Dass sie der Polizei ins Netz gingen, war mehr oder weniger Zufall.

Dieser Vorfall ereignete sich in Düren Anfang des Monats. Nach diesen wenigen Zeilen stellt sich eine Frage umgehend: Wie viele Personen, die per Haftbefehl gesucht werden, sind im Kreis Düren auf freiem Fuß?

Eine präzise Zahl als Antwort zu geben, ist mit Blick auf die Statistik der Kreispolizeibehörde Düren nicht möglich. Aber sie gibt preis, dass die Staatsanwaltschaft Aachen im Jahr 2017 bis zum 16. August 895 Haftbefehle an die Behörde weitergereicht hat. Im vergangenen Jahr waren es 1437, in 2015 gingen 1666 ein, und im Jahr 2014 waren es 1483.

Geschätzt etwa 90 Prozent der Haftbefehle würden jährlich auch vollstreckt, teilt Polizeisprecherin Ingrid Königs auf Anfrage mit. Eine gesonderte Erfassung dazu gebe es nicht. Soweit die nackte Statistik, die nicht erklärt, was ein Haftbefehl in den rund 1500 Fällen pro Jahr überhaupt bedeutet.

Hierzu lohnt am besten ein Blick auf die 2016er-Statistik. Denn: Erst seit vergangenem Jahr protokolliert die Polizei, um welche Art von Haftbefehl es sich handelt – es gibt sechs verschiedene. Diese Tatsache nimmt den reinen Zahlen etwas von ihrer beängstigenden Wirkung. Denn dass der Begriff Haftbefehl nicht selten mit schlimmen Verbrechen in Verbindung gebracht wird, ist bei Menschen, die mit der Justiz nicht vertraut sind, nachvollziehbar.

90 Prozent der im vergangenen Jahr für den Kreis Düren eingegangenen Haftbefehle waren Erzwingungshaftbefehle (668) und Ersatzfreiheitsstrafen (627). Eine Erzwingungshaft erfolgt zum Beispiel in Ordnungswidrigkeitenverfahren. Das heißt: Weigert sich jemand, ein Bußgeld zu zahlen, kommt er in Haft, um die Zahlung zu erzwingen, wie der Name sagt. Ersatzfreiheitsstrafen werden ausgesprochen, wenn jemand zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, aber diese nicht bezahlte.

29 nicht zur Haft angetreten

Den geringsten Anteil hatten Vorführungshaftbefehle (13), die aktenkundig werden, wenn Personen (Zeugen) nicht vor Gericht erscheinen. Zudem: 54 Personen waren dringend tatverdächtig und sollten in Untersuchungshaft; 20 Angeklagte erschienen unentschuldigt nicht zur Gerichtsverhandlung und erhielten daraufhin einen Haftbefehl. Straftäter, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, wurden aber nicht zum Haftantritt erschienen, machten im vergangenen Jahr zwei Prozent aus – absolut ausgedrückt: 29. Um welche Taten es sich handelte, kann die Polizei nicht sagen. Ingrid Königs: „Die Delikte werden nicht gesondert erfasst.“

Bleibt man beim Beispiel 2016 und zieht die geschätzt 90 Prozent vollstreckten Haftbefehle ab, bleiben etwa 140 übrig. Wie sich die Zahl auf die verschiedenen Arten aufteilt, bleibt ungewiss. Warum diese auch für Monate oder gar nicht vollstreckt werden, erklärt Ingrid Königs kurz und knapp: „Die Personen werden nicht angetroffen.“ Sprich: Der Gesuchte ist zu dem Zeitpunkt, zu dem die Polizisten ihn an seiner Meldeanschrift aufsuchen, nicht da. Wie geht die Polizei überhaupt vor, wenn sie von der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl geliefert bekommt? Wird die aktive Suche nach einer erfolglosen Zeit irgendwann eingestellt? Ingrid Königs: „Wir wollen in diesem Zusammenhang nichts zu taktischem Vorgehen preisgeben. Letztlich ist es der Fantasie des Sachbearbeiters überlassen, auf welchen Wegen er der Personen habhaft wird.“

Schaffen die Beamten es nicht, einen Gesuchten gezielt zu fassen, muss manchmal eben eine andere Kraft helfen: der Zufall.

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