Düren - Was erwarten die Menschen von Kirche?

Was erwarten die Menschen von Kirche?

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
12031926.jpg
Leere Bänke sind keine Seltenheit. Welche Alternativangebote kann Kirche machen? Foto: stock/Eibner
12031849.jpg
Ria Flatten, Hans-Otto von Danwitz und Wolfgang Weiser (r.) begleiten den Innovationsprozess. Foto: sj

Düren. Die Kirche verliert gesellschaftliche Relevanz. Ein Anzeichen sind die seit Jahren sinkenden Besucherzahlen der Gottesdienste. „Für 2040 sagt die Prognose einen Rückgang von 90 Prozent gegenüber heute voraus“, sagt Hans-Otto von Danwitz, Pfarrer von St. Lukas.

Bei einem „Fortschreiben des Bestehenden“ werde die Kirche in sehr vielen gesellschaftlichen Milieus bald nicht mehr verankert sein. „Glaube und Religion haben für viele Menschen kaum noch Alltagsrelevanz“, fügt von Danwitz hinzu. Gleichzeitig ist er überzeugt, „dass wir als Kirche vieles zu bieten haben“. Von der „Grundversorgung“ (Gottesdienste, Spenden der Sakramente und Caritas) über Kitas bis zur Senioren- und Sozialarbeit. „Wir wollen auch, dass es weitergeht“, betont von Danwitz. Die Frage, wie Menschen angesichts dieses gesellschaftlichen Wandels künftig mit der christlichen Botschaft erreicht werden, sei immer existenzieller.

Die Pfarre St. Lukas hat deswegen einen Innovationsprozess gestartet, eine „Zukunftsreform“ angestoßen. „Wir glauben, dass sich viele Menschen zwar nicht mehr vom kirchlichen Leben angesprochen fühlen, sie aber dennoch religiös und gläubig sind“, sagt Ria Flatten, die unter anderem mit Hans-Otto von Danwitz und Pastoralreferent Wolfgang Weiser diesen Prozess vonseiten der haupt- und ehrenamtlichen Pfarrgremien begleitet. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe wollen wissen, was Menschen von Kirche erwarten, warum sie womöglich in der Vergangenheit enttäuscht worden sind, warum sie sich von bestehenden Angeboten der Seelsorge nicht angesprochen fühlen. Sie freuen sich über „frischen Wind“, über Unterstützung, einen Gedankenaustausch.

„Ich kann christliche Werte suchen, ohne den Gottesdienst zu besuchen“, nennt Wolfgang Weiser ein Beispiel für eine Baustelle der Zukunft. Im Rahmen eines Forums sollen mit möglichst vielen Menschen neue Formen von Kirche, neue Formen von Gemeinde diskutiert werden. „Kirche ist derzeit sehr stark an Struktur und Räume gebunden. Das spricht nicht alle an“, ist von Danwitz überzeugt. Die Flüchtlingsarbeit zeige eindrucksvoll, dass sich Menschen in den Stadtvierteln einbringen, christliche Werte und Gemeinschaft leben.

„Das sind zum Teil völlig neue Gesichter“, sagt Wolfgang Weiser. Doch genau diese Menschen rücken in den Mittelpunkt, wenn es um die Suche nach neuen Formen kirchlichen Lebens geht. „Wir sind auch bereit, das nötige Personal zur Verfügung zu stellen“, betont Hans-Otto von Danwitz. Will heißen: Die „Grundversorgung“ bleibt gesichert, drei schwach besuchte Gottesdienste könnten beispielsweise zusammengelegt werden, um Neues auszuprobieren.

Am Samstag, 9. April, suchen die Mitglieder des Arbeitskreises von 10 bis 14 Uhr das Gespräch mit Passanten in der Innenstadt. Bereits am vergangenen Samstag fand diese Aktion statt. „Wir stecken nicht den Kopf in den Sand“, sagt Hans-Otto von Danwitz. Kirche lebe von Begegnungen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert