Kreis Düren - Warum sind so wenige junge Leute in der Politik aktiv?

Warum sind so wenige junge Leute in der Politik aktiv?

Von: Sarah Maria Berners
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Kreis Düren. Beim Blick in die Ratssäle sucht man eines meist vergebens: junge Gesichter. Vereinzelt tauchen sie mal auf, aber in allen elf Kommunen des Südkreises sind gerade einmal 32 Kommunalpolitiker jünger als 40 Jahre.

Den ältesten Rat hat die Stadt Düren, wo die Ratsfrauen und -herren im Schnitt 58 Jahre alt sind, den jüngsten gibt es in der Gemeinde Langerwehe mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren. Dort finden sich mit 77 Jahren das älteste und mit 19 Jahren das jüngste Mitglied (siehe Text unten) eines Rates.

Aber warum sind nicht mehr junge Menschen in den Räten? Haben sie keine Lust auf Politik? Kleben die Altgedienten zu fest an ihren Posten? Die Ursachen für den hohen Altersdurchschnitt in den Räten sind vielschichtig.

Ein Aspekt ist, dass Menschen, die sich seit Jahren engagieren, dies auch weiterhin tun wollen. So haben neue, junge Gesichter mancherorts kaum eine Chance, in die vorderen Reihen vorzurücken. Manche Politiker sehen auch die Gefahr, dass ein neues Gesicht einen ansonsten sicher geglaubten Wahlkreis zum Wackeln bringen könnte. Es ist aber auch zu hören, dass manch ein Politiker vielleicht doch gerne in den Ruhestand gehen würde, wenn er denn einen guten Nachfolger wüsste.

In Gesprächen mit Vertretern von Parteien wird dieser Generationenkonflikt nicht als Hauptursache für die wenigen jungen Gesichter in den Räten ausgemacht. „Dass nur wenige junge Leute in den Räten sitzen, liegt nicht daran, dass die älteren sie nicht wollen“, sagt Stefan Weschke, Fraktionschef der Dürener CDU. Er geht davon aus, dass der Aufbau einer beruflichen Existenz und die Familie in jungen Jahren Vorrang haben. „Im Vergleich zu früher ist die Kommunalpolitik eine anspruchsvolle und zeitaufwendige Aufgabe, wenn man sie ernsthaft betreiben möchte“, sagt Weschke. Seine Partei versuche beispielsweise, über den Weg des sachkundigen Bürgers junge Menschen an die politische Arbeit heranzuführen. „Es gelingt immer wieder, einige junge Leute zu gewinnen.“ Nicht alle blieben aber am Ball.

Den Zeitfaktor sehen auch Axel Iven von der Kreuzauer SPD und Dr. Maria Schoeller, Fraktionsvorsitzende der Merzenicher CDU. Schoeller beziffert den Zeitaufwand für ihre Aufgaben auf 20 Stunden pro Woche, in Spitzenzeiten mehr. „Wer kann das, der jünger als 40 Jahre ist und vielleicht auch Kinder hat?“, fragt sie. „Jetzt noch nicht“, sei eine Antwort, die sie häufiger höre, wenn sie junge Menschen für die Politik gewinnen möchte. Sie glaubt nicht, dass die Jüngeren unpolitischer geworden sind. Für Menschen, die gerade aus dem Beruf ausgeschieden sind, aber noch Herausforderungen suchen, sei die Kommunalpolitik oft passender.

„Viele jüngere Menschen scheuen sich, eine langfristige Bindung, eine regelmäßige Verpflichtung einzugehen“, weiß Axel Iven. Und Schoeller ergänzt: „Für einzelne Projekte finden sich immer Mitstreiter, auch jüngere. Das ist nicht nur in den Parteien so. In den Vereinen ist das ähnlich.“ Sie sieht aber auch, dass viele junge Menschen gar nicht wissen, welchen Einfluss sie in der Kommunalpolitik haben, was sie gestalten können. Schoeller sieht noch ein weiteres Hemmnis: Mit dem Eintritt in eine Partei verschaffe man sich zugleich „politische Gegner“ – auch das wolle nicht mehr jeder.

Genau das kritisiert Nideggens parteiloser Bürgermeister Marco Schmunkamp: „Ich habe in meinem Wahlkampf bei jüngeren eine große Politikverdrossenheit gespürt. Dieses prinzipielle Gegeneinander von Parteien können viele gerade auf kommunalpolitischer Ebene nicht nachvollziehen.“ Schmunkamp glaubt, dass die Parteien mit sachorientierter Arbeit – konstruktive Kontroversen eingeschlossen – und einer guten Zusammenarbeit mit der Verwaltung jungen Menschen zeigen können, dass es interessant sei und Spaß mache, sich für das Wohl einer Stadt oder eines Dorfes einzusetzen. „Da sind aber auch die Verwaltungen gefragt, Sachverhalte so darzustellen, dass jeder sie versteht. Dann braucht das Engagement weniger Zeit, und Entscheidungen können mit einem guten Gefühl getroffen werden.“

Auch Axel Iven, mit 55 Jahren zweitjüngstes Mitglied seiner Fraktion, glaubt, dass es wichtig ist, jungen Menschen zu zeigen, dass in der Kommunalpolitik etwas bewegt werden kann, auch wenn die Arbeit manchmal nervenaufreibend sei. Vielleicht könne Politik über andere Kanäle wie soziale Netzwerke einen Draht zu den jungen Menschen bekommen. „Wir haben bislang noch kein Rezept gefunden, um politischen Nachwuchs zu gewinnen“, sagt der SPD-Politiker. Ein Problem sieht er in dem nicht allzu guten Ruf, den die Politik und die Politiker haben. „Es ist ein Ehrenamt ohne große Ehre, es ist sozial nicht sehr angesehen“, kommentiert Iven. „Wenn die erfahrenen Ratsmitglieder aufhören, wird es eine Herausforderung, alle Stimmbezirke zu besetzen.“

Auch der Nideggener Bürgermeister findet, dass es für die Parteien höchste Zeit wird, die Nachwuchsarbeit in den Fokus zu rücken. „Es braucht seine Zeit, bis junge Menschen in die Politik eingearbeitet sind, bis sie die Abläufe kennen“, weiß Schmunkamp. Gerade daher sei es wichtig, frühzeitig damit zu beginnen. „Wir brauchen beide, junge und alte Menschen, der Mix ist entscheidend. Wir brauchen die Erfahrungen der langjährigen Ratsmitglieder. Diese sind Gold wert. Wir brauchen aber auch die Ideen und das Querdenken von jungen Menschen. Mehr junge Leute würden der Kommunalpolitik sicherlich guttun“, sagt Marco Schmunkamp, der mit 38 Jahren als parteiloser Bürgermeister Vorsitzender eines Rates ist, dessen Altersdurchschnitt bei 57 Jahren liegt.

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