Distelrath - Warum Eulen aufs „Ühledömche“ fliegen

Warum Eulen aufs „Ühledömche“ fliegen

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich Heinz Schäfer um das „Ühledömche“ an der Kölner Landstraße und dessen gefiederte Bewohner. Die Eule hat er von Kindergartenkindern geschenkt bekommen, die das Gotteshaus besucht haben. Foto: Stephan Johnen

Distelrath. Manche Spitznamen sind selbsterklärend. Warum das „Ühledömche“ im Volksmund so heißt, wie es heißt, liegt auf der Hand: Wer sich die Zeit nimmt, kann bei Einsetzen der Dämmerung beobachten, wie sich die im Turm der Distelrather Kapelle lebenden Schleiereulen auf die Jagd begeben. Heinz Schäfer nimmt sich die Zeit, jeden Abend. Das mag daran liegen, dass der 76-Jährige in der Nachbarschaft zum „Ühledömche“ wohnt. Doch es gibt mehr, das ihn mit der Kapelle und den Turmbewohnern verbindet.

Seit mehr als 30 Jahren ist der Rentner ehrenamtlicher Betreuer der Kapelle. Er ist das, was im Volksmund als Kümmerer bezeichnet wird. Und als solcher hat er auch die Eulen und Turmfalken unter seine Fittiche genommen. Dafür ist er jetzt vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) ausgezeichnet worden.

Zunächst aber muss die Geschichte erzählt werden, wie die Eulen einst das „Ühledömchen“ verließen. Im Jahr 1982 war das. Damals ist die Kapelle, die mit ihrem Turm aus dem zwölften Jahrhundert in ihren Ursprüngen zu den ältesten Sakralbauten Dürens gehört, saniert worden. „Die Eulen sind damals alle abgehauen“, blickt Heinz Schäfer zurück. Zehn Jahre lang stand das „Ühledömche“ ohne Untermieter dar.

Ein Beobachter des Geschehens war neben Heinz Schäfer auch Vogelschützer Hans-Peter Kronen vom NABU. Um die Vögel wieder anzulocken, installierten die beiden Männer einen Nistkasten im Turm. Der Erfolg stellte sich ein, als im zweiten Jahr ein weiterer Brutkasten errichtet wurde. Handwerker Herbert Reuter hatte als Dritter im Bunde die Kästen passgenau angefertigt, damit diese hinter ein Turm- und ein Dachfenster passten und der Rest des Kirchturms verschlossen blieb. Dieser innenarchitektonische Eingriff zeigte Wirkung. Das „Ühledömche“ wurde wieder Erstwohnsitz von Eulen. Und auch ein Turmfalken-Paar hat dort Quartier bezogen.

Für Heinz Schäfer und Hans-Peter Kronen hat die Arbeit mit dem Aufstellen der Kästen aber erst begonnen. Regelmäßig pflegten beide seitdem die Kästen, hielten den Nistplatz sauber und die Tiere mit dem notwendigen Abstand im Auge. Aus gesundheitlichen Gründen musste Kronen vor einiger Zeit kürzer treten, Heinz Schäfer kraxelt mit 76 Jahren weiter die Leitern im Turm hinauf. „Es wäre schön, wenn sich ein Nachfolger findet“, sagt er.

Genau schön sei es aber auch, dass er diese Arbeit noch machen kann. Es geschieht schließlich einiges. Im vergangenen Jahr hat er in luftiger Höhe ein verletztes Jungtier gefunden, das mittlerweile in einer Pflegestation aufgepäppelt wurde. Regelmäßig führt er Besucher durch die Kapelle, auch Schüler und Kindergartenkinder sind zu Besuch – und wollen etwas über das „Ühledömche“ und die Bewohner erfahren. Und Heinz Schäfer ist ein Mensch, der gerne erzählt, sein Wissen weitergibt.

„Hier verbinden sich Denkmalschutz und Umweltschutz“, lobte Achim Schumacher vom NABU. Im „Ühledömche“ überreichte er eine Plakette des Projekts „Lebensraum Kirchturm“ (siehe Infokasten) an Heinz Schäfer. Der NABU wünscht sich, dass es mehr Nachahmer für solche Maßnahmen gibt, dass mehr Pfarrgemeinden Lebensräume öffnen. Die Nie- derauer beispielsweise seien vorbildlich im Umgang mit Fledermäusen. Doch gebe es noch viel Luft nach oben.

„Immer mehr Kirchtürme werden verschlossen, besonders nach Sanierungsmaßnahmen“, berichtet Schumacher. Was in erster Linie vor Tauben schützen soll, sperrt auch Turmbewohner wie Schleiereulen, Turmfalken, Fledermäuse und Dohlen aus.

Doch gerade diese Tiere nutzen Kirchtürme und andere hohe Gebäude in Städten und Dörfern als Ersatz für wegfallende natürliche Bruthöhlen in Felsen und Bäumen. Die Sensibilität für dieses Thema sei gestiegen, gleichzeitig gebe es aber noch Vorbehalte. Der NABU stehe als Ansprechpartner bereit.

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