Düren - Wanderausstellung: Eine Kurvenfunktion mit den Füßen erlaufen

Wanderausstellung: Eine Kurvenfunktion mit den Füßen erlaufen

Von: Sandra Kinkel
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Jenni Esser (15), Feyza Güäyaz (16) und Ariella Bringmann (15, von links) sind von der Mathematik-Ausstellung begeistert. Obwohl die Lösung dieses Puzzles, bei dem man unendliche viele Formen bilden kann, schon ziemlich kompliziert ist. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Die Erleichterung ist Ariella Bringmann deutlich anzumerken. „Oh mein Gott“, ruft die 15-jährige Schülerin der St.-Angela-Schule, weil sie es geschafft hat, aus zwei blauen Holzklötzen eine Pyramide zu bauen. „Jetzt ist ganz einfach, man muss nur wissen, wie das geht.“

Ariella ist an diesem Morgen mit ihrem Mathematikkurs aus der Jahrgangsstufe zehn (Einführungsphase) im SV-Haus auf dem Schulgelände an der Bismarckstraße und besucht die Wanderausstellung „Mathematik zum Anfassen“ aus dem Gießener Mathematikum (siehe Themeninfo). Während sie an der Pyramide gearbeitet hat, hat Jenni Esser (15) versucht, aus gelben Bauklötzen den Buchstaben T zu formen – ohne Erfolg. „Ich komme mit Mathematik überhaupt nicht klar“, sagt die Schülerin. „Aber diese Ausstellung, in der man sehr viele Sachen ausprobieren kann, macht mir schon Spaß. Und es wundert mich schon, welche große Rolle Mathematik im Alltag spielt.“

Die Aufgaben der Ausstellung sind sehr vielfältig. Die Mädchen müssen beispielsweise auf einer Deutschlandkarte mit einem Faden die kürzeste Route von Gießen durch alle deutschen Landeshauptstädte ermitteln. „Gott sei Dank gibt es heute Navigationsgeräte“, sagt Zoe Jüchen (17). „Das ist schon mühsam, eine solche Strecke zu ermitteln.“ Eine Station weiter sieht man auf einem Computerbildschirm eine Kurvenfunktion.

Zwei Mädchen müssen die Koordinaten durchgeben, die dritte Schülerin muss diese Koordinaten möglichst genau auf einem speziellen Teppich nachlaufen. „Wir malen quasi die Funktion mit den Füßen“, sagt Feyza Güäyaz. „Ich glaube, dass man so auch ein ganz anderes Gefühl dafür bekommt, Kurven möglichst exakt zu zeichnen.“

Viel gelacht, viel diskutiert

Im SV-Hause der Angela-Schule wird viel gelacht, aber auch viel diskutiert. Die Schülerinnen – auch das ist Ziel von „Mathematik zum Anfassen – versuchen, selbst die Lösungen zu finden. Nur selten müssen die Lehrer ihnen dabei helfen. „Die Ausstellung richtet sich an Kinder der fünften Klasse“, erklärt Mathematik-Lehrerin Annette Fritzen. „Und ich habe bisher keine gesehen, die nicht wenigstens ein Experiment gefunden hat, das ihr Spaß macht.

Das ist wirklich eine Ausstellung, die begeistern kann.“ Die Kinder und Jugendlichen, ergänzt Fritzen, würden durch die Schau entdecken, dass Mathematik im gesamten Alltag eine Rolle spielt. Fritzen: „Plötzlich merken sie, dass Binomische Formeln, der Satz des Pythagoras und Wahrscheinlichkeitsrechnung durchaus ihren Sinn haben.“

Feyza Güäyaz mochte Mathematik schon, bevor sie die Ausstellung gesehen hat. „Ich mag es einfach, komplizierte Gleichungen zu lösen und mir Gedanken über Mathe zu machen. Es ist einfach toll, wenn man dann eine Lösung findet.“ Gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen ist die 16-Jährige an der Station der Ausstellung angekommen, an der es gilt, drei gleich große und gleich schwere Kugeln auf drei Bahnen auf die Reise zu schicken.

Zwei Bahnen sind gerade, eine ist gebogen. „Die Kugeln auf den geraden Bahnen sind schneller“, sagt Jenni. Die Schülerin zählt bis drei und schickt gemeinsam mit ihren Klassenkameradinnen die Holzkugeln auf die Reise. Leicht verwundert reibt sie sich die Augen, als die Kugel, die auf der gebogenen Bahn unterwegs war, als erste unten angekommen ist. „Komisch“, sagt Jenni, überlegt kurz und sagt dann: „Ist doch klar. Auf der gebogenen Bahn sind die Kugeln viel schneller unterwegs. Das habe ich nicht überlegt.“

Besser als Unterricht

Für die Mädchen von der St.-Angela-Schule ist klar, dass sie sich mehr solcher Ausstellungen an ihrer Schule wünschen. „Das macht deutlich mehr Spaß als normaler Mathematikunterricht“, sagt Jenni Esser. „Man kann zwischendurch auch mal rumlaufen. Das hilft beim Überlegen. So macht mir Mathe zumindest ein bisschen Spaß.“

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