Waldseilgarten: Kinder schreien und lärmen gegen Kritik

Von: jk
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Yasmin Kalmuth (7. von links), die Investorin des geplanten Waldseilgartens, ließ Jungen und Mädchen auf der Wiese gegenüber von Hasenfeld, auf der die Seilbahn errichtet werden soll, schreien und lärmen. Auf der gegenüberliegenden Seite war kaum etwas zu hören

Heimbach. Zu einem Ortstermin am Staubecken in Schwammenauel hatten sich am Sonntag einige Familien mit Kindern und Interessierte eingefunden. Es ging um den geplanten Waldseilgarten, der zwischen Uferweg und Resort Eifeler Tor geplant ist.

Die Investorin des Kletterwaldes, Yasmin Kalmuth, hatte zu dem Termin eingeladen, um „zu zeigen, dass wir die Bedenken der Anwohner ernst nehmen und um zu testen, ob unabhängig vom Lärmschutzgutachten von einer Beeinträchtigung gesprochen werden kann.“ Nun sollten die Kinder auf der Wiese, die zum Kletterwald gehören könnte, ordentlich toben und Krach machen.

Doch von den betroffenen Anwohnern in Hasenfeld und Gegnern des Projektes, das CDU, SPD, Grüne und UWV am Mittwoch im Heimbacher Stadtrat mit einem Antrag auf sofortige Einstellung der Planung das Projekt stoppen wollen, war niemand gekommen. Außer Holger Beck, der nach eigenem Bekunden „zufällig“ am Gelände vorbei gekommen war.

Beck hatte bei der informellen Bürgerversammlung im Haus des Gastes eine Präsentation gezeigt, bei der er unter anderem eine Karte mit Höhenlinien verwendete. „Hier wird Schall stark reflektiert“, meint er. Dies werde „von Erfahrungswerten her dargestellt.“ Er sei von Anwohnern in Hasenfeld darum gebeten worden, Stellung zu nehmen, weil er als Landschaftsarchitekt kundig sei. „Wir wollen nicht den Gutachter widerlegen“, sagte er vor Ort im Gespräch. „Wir wollen die Verlärmung des Tals vermeiden – unabhängig von Grenzwerten.“

„Der Freizeitlärmerlass NRW gibt Richtwerte vor, die schärfer sind als die für Gewerbe- und Industriegebiete“, erläuterte Frank Michaelis, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, der das Treffen mit einem Messgerät begleitete. Er hatte das Gutachten für die Investorin erstellt. „Wir haben den niedrigsten Richtwert genommen, die Ruhezeit sonntags. Da sind 50 dB erlaubt, über eine Stunde gemittelt. Wir liegen 18 dB darunter. Die Lärmbelästigung ist irrelevant“, sagt er.

Drüben auf der anderen Seite, dort wo in Hasenfeld die Bewohner von etwaigem Lärm betroffen sein könnten, machten Michaelis und einige andere, darunter der FDP-Fraktionsvorsitzende Hubert Kast, den Test. Per Walkie-Talkie wurden die Kinder auf der Wiese aufgefordert, laut zu schreien. Neben den Kindern wurde gemessen: 80 dB. Doch bei der Bebauung war kaum etwas zu hören. Ein vorüberfliegendes Flugzeug, ein Auto und ein bellender Hund übertönten meist die Kinderrufe. Dazwischen war ein entferntes, fröhliches Kinderrufen zu vernehmen. „Das sind vielleicht 35 dB“, stellte Michaelis fest.

Keine Unterschrift

„Ich habe den Antrag der anderen Ratsfraktionen auf Einstellung des Planverfahrens nicht unterschrieben, denn der ist für die Investorin ein Schlag ins Gesicht“, sagte Kast. Für Heimbach wäre der Klettergarten eine gute Sache. „Es würden junge Leute nach Heimbach gekommen, für die Gastronomie wäre es gut“. Kast kann die anderen Stadtratsparteien nicht verstehen.

Der frühere Bürgermeister Bert Züll und der Stadtrat hätten die Investorin nach Kräften unterstützt. „Eine Unternehmensvision, die zur Philosophie unserer Stadt sehr gut passt und daher das übrige Angebot hervorragend unterstützt“, hatte Züll Anfang 2013 an die Investorin geschrieben. „Frau Kalmuth musste ihre Hausaufgaben machen. Sie hat sie gemacht und alle erforderlichen Gutachten erbracht“, sagte Kast vor Ort. „Wir wollen Heimbach voranbringen. Es wird in Zukunft schwierig sein, noch einmal einen Investor zu finden“, gab er zu bedenken und fügte hinzu, „ich persönlich habe nichts gegen lachende Kinder.“

Ein Heimbacher Bürger bezog telefonisch Stellung, Wilfried von Abercron, der sich mit seiner Familie dem Ort eng verbunden fühlt, beim Ortstermin aber verhindert war. „Ich finde es eine Katastrophe, wie der Stadtrat mit einem Investor umgeht“, sagte er. Es sei bewiesen worden, dass das Projekt umweltverträglich ist. „Nur weil einer dort ein Haus hat und sagt, ihm gehört das ganze Tal – das kann nicht sein. Mein Interesse ist, dass Heimbach lebt.“

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