Niederau - Waldjugendspiele: Wenn der Wald zum Klassenzimmer wird

Waldjugendspiele: Wenn der Wald zum Klassenzimmer wird

Von: Markus NIederhöfer und Anne Welkener
Letzte Aktualisierung:
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Michael Kelzenberg ist Forstwirt vom DSB und war gestern der Held von 16 Schülern der LVR-Louis-Braille-Schule. Foto: Welkener/Latotzki
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Zehra Noyan (9) hält stolz einen Kordillerenadler auf dem Arm. „Der ist niedlich“, sagt sie grinsend. Foto: Welkener/Latotzki
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Wie fühlt sich das Gefieder eines Uhus an? In der rollenden Waldschule gibt es die Antwort. Foto: Welkener/Latotzki

Niederau. Schulstoff, mit dem man die Kinder innerhalb weniger Minuten sowohl zum Staunen und Fürchten als auch zum Lachen bringt, ist nicht alltäglich. Aber ein lebendiger Adler ist schließlich auch kein klassischer Schulstoff. Kaum streckt er leicht einen Flügel zur Seite und zeigt dessen beachtliche Spannweite, hört man aus dem Publikum ein mehrstimmiges „Wow“.

Entrüstung ist zu vernehmen, als ein Mitarbeiter der Greifvogelstation in Hellenthal erzählt, dass das Tier sich gern von Meerschweinchen ernährt, und als es dann sogar zum Flug ansetzt und im Burgauer Wald einige Meter durch die Luft gleitet, klappt vielen Viertklässlern vor Staunen die Kinnlade runter, während andere kurz zur Sicherheit den Kopf einziehen.

Ein solcher Schultag, wie er in dieser Woche durch die Waldjugendspiele 40 Klassen aus dem Dürener Stadtgebiet ermöglicht wurde, bleibt in Erinnerung. Bei der sechsten Ausgabe dieser Woche nahmen wie im vergangenen Jahr mehr als 1000 Grundschüler teil. Mit ihrer Klasse erkunden sie jeweils einen Vormittag lang den Wald anhand eines Parcours. Manche Aufgaben lösen die Schüler eigenständig, bei anderen Stationen stehen Spezialisten bereit, die vieles erklären und vorführen.

Als zum Beispiel Forstwirt Michael Kelzenberg vom DSB die Motorsäge anschmeißt, hat er mit einer Gruppe von der LVR-Louis-Braille-Schule gleich einen kleinen Fanclub für sich gewonnen. Aber auch Lehrerin Bianca Janssen kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus: „Das ist Unterricht, der nicht theoretisch, sondern ganz, ganz praktisch ist. Die Kinder lernen mit allen Sinnen, sind an der frischen Luft und bewegen sich. Das ist viel nachhaltiger als alles, was ich in fünf Stunden im Klassenraum machen kann.“

Besonders betont sie das Engagement der Organisatoren Andreas Nießen vom Dürener Service Betrieb (DSB) und Eva Rinkens-Seebald, Rektorin der GGS Merken. Dank ihnen ist das Projekt mittlerweile sogar über das Ziel hinausgeschossen. Längst werden mit den Waldjugendspielen nicht mehr nur Kinder angesprochen, sondern auch viele Spaziergänger, Hundehalter, Jogger oder junge Familien bleiben an den Stationen stehen, kommen mit den Spezialisten ins Gespräch oder nutzen die Gelegenheit und nehmen selbst mal einen Greifvogel auf den Arm.

Letzteres war dann auch für die meisten Schüler der Höhepunkt des Tages. Die neunjährige Zehra Noyan aus der vierten Klasse der KGS St. Bonifatius wird so schnell nicht vergessen, wie es war, einen echten Kordillerenadler auf dem Arm zu halten. „Das war sehr schön. Der war niedlich, aber auch ein bisschen schwer.“ Und stolz fügt sie noch an: „Ich hatte gar keine Angst!“

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