Düren - Wahl Erdoğan: Was sagen Dürens Türken?

Wahl Erdoğan: Was sagen Dürens Türken?

Von: Stephan Johnen
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Cem Timirci und Türkan Mark sprechen sich dafür aus, dass sich auch Nicht-EU-Bürger an Kommunalwahlen beteiligen können. Foto: sj

Düren. Recep Tayyip Erdoğan ist durchaus ein umstrittener Politiker. Im vergangenen Jahr hat sich die DZ in der türkischen Gemeinde Dürens umgehört, als Menschen auf dem Istanbuler Taksim-Platz gegen die Politik des Ministerpräsidenten demonstrierten. Bei der ersten Direktwahl eines türkischen Staatsoberhauptes ist Erdoan zum Präsidenten gewählt worden.

Auch in Deutschland lebende Türken konnten mit abstimmen. Wie wird die Wahl Erdoğans mit einigem Abstand bei der türkischen Gemeinde in Düren gewertet? Die DZ hat sich erneut umgehört.

„Zur Person Erdoğan möchte ich nichts sagen. Die Menschen haben gewählt, dieses Ergebnis muss man respektieren“, sagt Türkan Mark aus Düren. Die ganze Diskussion in deutschen Medien vor und nach der Wahl habe sie aufmerksam verfolgt. Sie will sich nicht an Vergleichen Erdoğans mit Vladimir Putin beteiligen. Für sie stehe eine ganz andere Frage im Vordergrund: „Wie geht die deutsche Gesellschaft mit den Menschen um, die keinen deutschen Pass besitzen, aber seit Jahren beispielsweise in Düren leben, arbeiten und dort Steuern zahlen?“

Denn die Wahlbeteiligung habe aus ihrer Sicht auch gezeigt, „dass sich viele in Deutschland lebende Türken auch in Richtung Deutschland orientieren“. 1,4 Millionen Türken in Deutschland waren zur Wahl aufgerufen, nicht einmal neun Prozent gingen zur Wahlurne. „Das liegt auch daran, dass das Verfahren kompliziert war und es nicht genug Informationen gab“, sagt der Dürener Rechtsanwalt Cem Timirci. „Doch es zeigt auch, dass die Türken in Deutschland die Rhetorik Erdoğans durchschaut haben.“ Bislang habe sich der Ministerpräsident bei Großveranstaltungen in Deutschland stets als Vaterfigur präsentiert, als „Kümmerer“. „Doch die Probleme und Sorgen der Menschen in Düren, Köln oder Essen kann Erdoan nicht lösen. Das kann nur vor Ort geschehen, im Miteinander aller Menschen“, ist Türkan Mark überzeugt.

Aus diesem Grund sind Türkan Mark (Mitglied des Dürener Integrationsrats) und Cem Timirci (Mitglied des Kreistags) davon überzeugt, dass auch Nicht-EU-Bürgern bei Kommunalwahlen das aktive und passive Wahlrecht zustehen sollte. Dafür möchten sie sich wie viele andere Mitstreiter in der Integrationsarbeit stark machen. „In den Niederlanden beispielsweise können sich alle Menschen, die eine gewisse Zeit in einer Stadt gelebt haben, an den Kommunalwahlen beteiligen“, sagt Cem Timirci.

Das Wahlrecht ändern

„Die Wahlbeteiligung wird nicht auf Anhieb Höchstwerte erreichen. Aber mehr Rechte werden dazu führen, dass Menschen ohne deutschen Pass mehr Verantwortung übernehmen“, ist Cem Timirci überzeugt. „Von diesem Prozess kann jede Gesellschaft nur profitieren“, fügt Türkan Mark hinzu. „Wenn es ums Thema Integration geht, sollte nicht der Unterschied im Vordergrund stehen, sondern die potenzielle Bereicherung“, findet sie.

In den vergangenen Jahren habe sich einiges verändert, doch der Prozess sei noch lange nicht abgeschlossen. „Gerade viele junge Menschen mit Migrationshintergrund wissen gar nicht, wo sie stehen. Sind es deutsche Türken? Oder türkische Deutsche?“, nennt Türkan Mark ein Beispiel.

Gut ausgebildete Fachkräfte mit türkischen Wurzeln würden zunehmend überlegen, in die Türkei abzuwandern. „Auch Deutschland sucht Fachkräfte“, sagt Cem Timirci. Schon aus diesem Grund müsse das Einwanderungsland Deutschland ein Interesse haben, „auch ein echtes Einwanderungsland zu sein“.

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