VW-Skandal: Auch die Autofahrer an der Rur sind verunsichert

Von: Ines Kubat und Helmut Schiffer
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Am Bordcomputer eines Autohauses im Kreis Düren wird geprüft, ob im Wagen des Kunden auch die manipulierte Abgastechnik eingebaut wurde. Foto: Helmut Schiffer

Kreis Düren. „Made in Germany“ – das habe einmal für Qualität und Geradlinigkeit gestanden, sagt Rolf Ferebauer. Aber der Abgasskandal bei Volkswagen, sagt der KFZ-Innungsmeister Düren-Jülich, habe dem Image der Automobil-Branche empfindlichen Schaden zugefügt. Und vor allem verunsichere er diejenigen, die mit den manipulierten Wagen unterwegs sind.

„Es ist eine Sauerei, was da passiert ist“, lauten Ferebauers deutlichen Worte für den Vorgang des Autobauers, Dieselfahrzeuge mit einer Steuersoftware so zu manipulieren, dass sie auf dem Emissions-Prüfstand die vorgeschriebenen Stickoxid-Höchstwerte einhalten, obwohl der Wagen im normalen Straßenverkehr knapp das 30-fache des erlaubten Werts ausstößt.

Ausmaß noch unklar

Nicht nur VW-Modelle der Baujahre zwischen 2008 und 2015, sondern auch einige Audis sind von der Manipulation betroffen. Das ganze Ausmaß des Skandals, der den Autohersteller in Wolfsburg in seinen Grundfesten erschüttert hat, ließe sich derzeit aber noch gar nicht abschätzen, glaubt Ferebauer.

Am wichtigsten sei nun erstmal, „die Kuh vom Eis“ zu kriegen, betont der KFZ-Experte. Und obwohl die Machenschaften bei VW scharf zu kritisieren seien, glaubt er, dass der Konzern den Skandal ordentlich aufklären und den angerichteten Schaden wieder gut machen kann.

Aber wie und wann das geschehen soll, das scheint bisher niemandem wirklich klar zu sein. Am allerwenigsten den Autobesitzern, die mit einem manipulierten Motor herumfahren. Bislang ist nur bekannt, dass im Januar eine Rückrufaktion anlaufen soll. Weitere Details ließ der Konzern noch nicht verlauten.

Insgesamt bestehe deshalb eine sehr große Verunsicherung unter den Verbrauchern, berichtet Ferebauer – und zwar nicht nur bei VW-Fahrzeugen, sondern auch gegenüber anderen Marken, die einen Dieselmotor unter der Haube haben.

Davon können auch die Mitarbeiter des TÜV Rheinland ein Lied singen. Täglich werden die Mitarbeiter an den Prüfstellen mit Fragen besorgter Verbraucher überhäuft – auch die Telefone an der Hotline stehen kaum noch still: Viele, die einen manipulierten Wagen fahren, wollen wissen, was in den kommenden Monaten auf sie zukommt.

Manche haben Angst, dass sie auf den Kosten einer möglichen Umrüstung sitzen bleiben oder fragen sich, ob sie mit ihrem Auto noch in die Umweltzonen größerer Städte fahren dürfen. Doch zumindest in dieser Hinsicht kann der TÜV Rheinland beruhigen: „Wenn man eine grüne Plakette am Auto hat, dann bleibt die auch grün.“

Denn bei der Abgasnorm Euro 5, die die Vergabe der Plaketten regelt, geht es um Feinstaub, genauer gesagt Rußpartikel, die von den Autos ausgestoßen werden. Die Stickoxid-Werte, die von VW manipuliert wurden, spielen da nicht mit rein, beruhigen die Fachleute beim TÜV.

Das erklärt auch Hans-Wilhelm Mäurer, Verkaufsleiter des VW-Autohauses Simons in Inden/Altdorf, seinen Kunden im Akkord. Händler wie er müssen sich derzeit mit vielen Anfragen auseinandersetzen. Doch auch er kann den Kunden derzeit nur das sagen, was er in den Medien erfährt: „Wir wissen im Grunde genommen nicht mehr als die Öffentlichkeit.“

Bislang keine Abbestellungen

Konsequenzen, die Autobesitzer aufgrund des Skandals ziehen, sieht Markus Braun, Geschäftsführer von zwei Autohäusern im Kreis Düren, derzeit nicht.: „Wir hatten noch keine Abbestellungen. Ich bin mir auch sicher, dass wir das Vertrauen unserer Kunden zurückgewinnen werden. Auch wenn es etwas dauern wird.“

Die Verbraucher können eigentlich nur abwarten, was die von VW angekündigte Rückrufaktion im kommenden Jahr bringt, sagt Rolf Ferebauer. Rein rechtlich, sagt der Innungs-Obermeister, sei die Angelegenheit aber eigentlich klar: „Die Motoren erfüllen nicht die Norm der erforderlichen Abgaswerte, also müssten die betroffenen Wagen eigentlich stillgelegt werden. Aber das will natürlich niemand.“

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