Düren - Vor 50 Jahren starb Graf Berghe von Trips: Hubert Oebels war Zeuge

Vor 50 Jahren starb Graf Berghe von Trips: Hubert Oebels war Zeuge

Von: Tobias Röber
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Die Erinnerungen sind immer no
Die Erinnerungen sind immer noch lebendig. Hubert Oebels war ein enger Freund des Formel-1-Piloten Wolfgang Graf Berghe von Trips, von dem der Dürener einige Bilder in seinem Haus hat. Foto: Röber

Düren. Wenn Hubert Oebels an jenen verhängnisvollen Tag im September 1961 denkt, stockt er kurz. Dann hält er inne und sein Blick bleibt für wenige Sekunden an einem der zahlreichen Plakate in seinem Hobbykeller hängen.

Ruhig erzählt er dann, wie erleichtert er war, als Wolfgang Graf Berghe von Trips mit den Tickets für das Formel-1-Rennen in Monza schwenkte. Für das Rennen, bei dem sich von Trips zum ersten deutschen Weltmeister küren wollte. Der 88-jährige Oebels erinnert sich an die Tasse Kaffee, die er kurz vor Rennbeginn mit dem Ferraripiloten getrunken hat.

Und er hat noch genau die letzten Worte von Trips im Ohr. „Zahl Du bitte meinen Kaffee, ich zahl heute Abend den Schampus”, habe von Trips ihm zugerufen, nachdem er hastig aufbrechen musste. Es war das letzte Mal, dass Hubert Oebels mit seinem Freund sprach. Wolfgang Graf Berghe von Trips verunglückte in dem Rennen tödlich. 50 Jahre ist das inzwischen her, und ganz überwunden hat Hubert Oebels das Unglück bis heute nicht. Und nun droht auch noch die Schließung der Villa Trips in Kerpen.

„Es war eine herrliche Zeit”, blickt Hubert Oebels zurück. 1951 lernte der Dürener Graf Berghe von Trips kennen. Beim Motorsport - wie könnte es anders sein. Damals gingen die Uhren noch etwas anders. Oebels war ein Konkurrent, und doch half von Trips ihm. Oebels erinnert sich genau. Beim Training vor einem Rennen fuhr Hubert Oebels mit seinem Porsche dauernd Rundenzeiten zwischen 13:05 und 13:06 Minuten.

Graf Berghe von Trips sprach seinen Konkurrenten daraufhin an: „Pass auf, ich fahr vor und du direkt hinterher.” Gesagt, getan. Oebels klebte an der Stoßstange von Trips, und als er die Ziellinie überquerte, glaubten die Zeitnehmer zunächst an einen Irrtum. 12:46 Minuten stand auf der Zeittafel. „Mir lief ganz schön der Schweiß runter”, räumt Hubert Oebels rund 60 Jahre später mit einem Lächeln ein. Hubert Oebels fuhr dank der Nachhilfe beim Rennen aufs Siegerpodest - und eine Freundschaft war geboren. Die beiden Freunde verband vor allem ihre Liebe für den Motorsport. Oebels blickt selbst auf über 300 gefahrene Rennen zurück, auch bei Veranstaltungen wie dem 1000-Kilometer-Rennen in Schweden und einer Fahrt von Düren nach Rom über 4300 Kilometer war er dabei.

1960 gründeten die beiden Freunde die Rennfahrergemeinschaft Scuderia Colonia. Bis zu seinem Tod war von Trips Präsident des Clubs. Hubert Oebels, der seit längerem Ehrenpräsident ist, übernahm gleich zweimal das Amt des Präsidenten: von 1971 bis 1975 und von 2001 bis 2003. Er etablierte unter anderem die Oldtimerveranstaltungen, die viele Autoliebhaber anlocken. Auch heute organisiert Oebels noch mit, so wie es die Gesundheit eben zulässt.

Erkennungszeichen der Scuderia Colonia ist ein bei Motorsportfans bekanntes Emblem, welches von dem Grafiker Ernst van Husen geschaffen wurde. Auf dem Auto von Hubert Oebels klebt es selbstverständlich auch heute noch.

Museum für Rennsport

Eine Sache bereitet Hubert Oebels in diesen Tagen Kopfschmerzen. Die Villa Trips in Kerpen steht vor der Schließung. Hubert Oebels hat dort viel Zeit verbracht. Das Gebäude ist das ehemalige Wohnhaus der Gräfin Tessa von Trips (Graf Wolfgangs Mutter), welches heute (noch) das Museum für Rennsport und die Gräflich Berghe von Trips´sche Sportstiftung beherbergt. Noch gibt es Hoffnung, dass sich ein Sponsor findet. Gelingt das nicht, gibt es nur noch wenige Möglichkeiten, das Museum zu besuchen: immer sonntags von 14 bis 18 Uhr. Hubert Oebels drückt die Daumen, schließlich geht es um das Andenken seines Konkurrenten - und Freundes.
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