Von Kreuzau über den FC Bayern in die U20-Nationalelf

Von: Sandra Kinkel
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Die Kreuzauer Fußballerin Anna Gerhardt spielt seit dieser Saison für den FC Bayern München in der Ersten Bundesliga. Foto: imago/Sportfotodienst

Kreuzau/München. „Die besondere Offenheit der Rheinländer und der Karneval fehlen mir schon. Aber dafür gibt es ja in München das Oktoberfest.“ Anna Gerhardt lacht. Die 18-Jährige ist Profi-Fußballerin, spielt seit dieser Saison beim FC Bayern München – und fühlt sich in der bayerischen Landeshauptstadt pudelwohl.

Gerhardt stammt aus einer fußballbegeisterten wie -talentierten Familie. Ihr Vater und Großvater, erzählt die junge Frau, seien leidenschaftliche Kicker gewesen. Und Bruder Yannick Gerhardt (22), der für den VfL Wolfsburg in der Ersten Bundesliga spielt, hatte zuletzt im Freundschaftsspiel gegen Italien seinen ersten Einsatz in der Nationalmannschaft. „Das ist schon witzig“, sagt Anna Gerhardt. „So ein Geschwisterpaar in der ersten Frauen- und Männerbundesliga gibt es in Deutschland nur einmal. Da können wir stolz auf uns sein.“

Ihre fußballerischen Wurzeln hat Anna Gerhardt beim SC Kreuzau, bevor sie mit elf Jahren zum 1. FC Köln gewechselt ist. 2015 ist sie mit Köln in die erste Liga aufgestiegen – und im gleichen Jahr auch direkt wieder abgestiegen.

„Danach habe ich mehrere Angebote von Bundesligavereinen bekommen“, erzählt die junge Frau, die am Gymnasium Kreuzau Abitur gemacht hat, „und mich für den FC Bayern entschieden. Trainer Thomas Wörle hat mich überzeugt.“ Der Coach hätte ihre Stärken und Schwächen gekannt. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mich bei Bayern weiterentwickeln kann.“ Nach ihren Stärken und Schwächen gefragt, muss die BWL-Studentin nicht lange überlegen. „Meine Stärken sind Schnelligkeit, Dynamik und Technik. An Kopfball- und Zweikampfverhalten muss ich noch arbeiten.“

Amtierender Meister

Die Damenmannschaft des FC Bayern trainiert mindestens achtmal die Woche, ein Tag ist meistens frei. Der amtierende deutsche Meister steht im Augenblick hinter Turbine Potsdam, wo übrigens mit Johanna Elsig ebenfalls eine Dürenerin kickt, auf Platz zwei der Tabelle und hat sich erstmals in der Vereinsgeschichte für das Champions League-Viertelfinale qualifiziert. Das Hinspiel ist im Februar in Paris. „Das ist etwas ganz Großes. Und darauf freuen wir uns natürlich sehr.“

Anna Gerhardt spielt zudem in der U 20-Nationalmannschaft, zuletzt war sie mit dem Team bei der Weltmeisterschaft in Papua-Neuguinea. „Es ist etwas Besonderes in der Nationalmannschaft zu sein. Ich empfinde es als Ehre, für mein Land spielen zu dürfen. Und natürlich ist es mein Ziel, in die A-Nationalmannschaft zu kommen. Aber erst einmal möchte ich mich beim FC Bayern als Stammspielerin etablieren.“

Der Wechsel von Köln nach München war für Anna Gerhardt in mehrfacher Hinsicht ein großer Schritt. Sportlich, weil der Unterschied zwischen der Ersten und Zweiten Bundesliga immens ist. Privat, weil sie zum ersten Mal von zu Hause weggezogen ist. „Natürlich ist alles neu, aber ich denke, dass es auch wichtig ist, einmal auf eigenen Beinen zu stehen. Und wenn ich Hilfe brauche, bekomme ich die von der Mannschaft.“ Dass männliche Bundesliga-Profis viel besser bezahlt werden als ihre weiblichen Kollegen, und dass Herren-Fußball viel mehr Fans hat, sieht Anna Gerhardt gelassen.

„Der Trainingsaufwand ist bei beiden gleich, aber für die Männer wird einfach viel mehr Werbung gemacht.“ Wünschen würde Gerhardt sich mehr Zuschauer bei den Heimspielen in München. „Im Schnitt sind zwischen 300 und 500 Leute da. Das könnten schon mehr sein.“

Dass Damen- und Herren-Fußball eines Tages gleichwertig seien, glaubt die Kreuzauerin nicht. „Aber ich glaube schon, dass wir näher aneinander rankommen.“ Viel Zeit für Hobbys hat Anna Gerhardt neben Fußball und Studium nicht. „Ich verbringe gerne viel Zeit mit meiner Familie. Und ich schreibe und telefoniere auch häufig mit meinem Bruder.“ Um Fußball geht es dabei nicht immer, aber eben auch. „Wir sind beide ziemlich kritisch. Vom anderen lassen wir uns aber schon einmal etwas sagen.“

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