Von „Ginko-Pillen“- und Kaffeefahrten-Abzocke

Von: Sarah Maria Berners
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Haben in der Verbraucherberatung viel zu tun: Hildegard Dapper und Yvonne Fuchs (v.l.). Foto: smb

Düren. Eigentlich sollte das Telefonat nur eine Umfrage zu Gesundheitsthemen sein, dann ging es irgendwann um „Ginko-Pillen“, die gut für die geistige und körperliche Fitness sein sollen.

Am Ende des Gespräches hatte die ältere Dame der Lieferung von Nahrungsergänzungsmitteln irgendwie ungewollt doch zugestimmt. Die erste Packung gab es zum Probierpreis von knapp zehn Euro, später wurden fast 30 Euro fällig. Dann bemerkte die Tochter das Problem, die beiden gingen zur Verbraucherzentrale. „Das ist eine recht neue Form der Abzocke, die im vergangenen Jahr häufig aufgetreten ist“, beschreibt Yvonne Fuchs von der Dürener Verbraucherzentrale. Es sei schwer, an die Hintermänner der Firmen, die ihren Sitz in Spanien haben, zu kommen. „Aber wenn sie ungewollt solche Produkte erhalten, dann kommen sie zu uns. Es gibt in einem solchen Fall keinen Vertrag“, betont die Beraterin.

Mit 4919 Anfragen haben sich Verbraucher im vergangenen Jahr an die Beratungsstelle gewendet, das sind etwa drei Prozent weniger als im Vorjahr. Je 22 Prozent dieser Anfragen sind den Bereichen Finanzen sowie Telefon und Internet zugeordnet. Bei 17 Prozent der Beratungen ging es um Energie-Themen und in elf Prozent der Fälle um Konsumgüter, zum Beispiel um Garantien und Gewährleistungen. Das zeigt der nun veröffentlichte Jahresbericht.

Dauerthema Kaffeefahrten

„Abzocke und Kaffeefahrten sind immer wieder Themen“, sagt Hildegard Dapper, die Leiterin der Beratungsstelle am Markt. Die genauen Fallzahlen sind in der Statistik der Verbraucherzentrale nicht erfasst. „Aber auch unseriöse Mahnungen mit ausdrücklichen Drohungen“ hätten die Ratsuchenden in der Zentrale vorgelegt. Die Beraterin warnt davor, einfach zu zahlen, wenn solche Briefe in den Kasten flattern.

Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Beraterinnen „sehr häufig“ Fälle, in denen sich Anrufer als Mitarbeiter der Verbraucherzentrale ausgaben. Sie gaben an, ihren Gegenüber aus Listen für den Adresshandel streichen zu lassen. Am Ende standen Kosten zwischen 90 und 160 Euro. Unerwünschte Nebenwirkungen können auch Anhänge von E-Mails haben. Die Beraterinnen warnen ausdrücklich davor, Anhänge dubioser Mails zu öffnen.

„Massenhaft Abmahnungen“ habe es wegen Streamings auf einer Pornoseite gegeben, auch Dürener seien davon betroffen gewesen. „Zu uns kommt aber nur die Spitze des Eisbergs. Der Rest ärgert sich, unterschreibt die geforderte Unterlassungserklärung und zahlt“, sagt Dapper, und ergänzt: „Ob das Abspielen Urheberrechte verletzt, ist höchstrichterlich noch nicht geklärt.“ Für „viel Verdruss“ hätten auch Probleme mit Telekommunikationsanbietern gesorgt. Vertragsdauer und Leistungen seien oftmals Streitthemen.

754 Rechtsberatungen verzeichnet die Statistik der Verbraucherzentrale, die Internetseite www.vz-nrw.de/dueren wurde 5846 Mal angeklickt. Dort gibt es weitere Informationen zum Beratungsangebot sowie zu den anfallenden Kosten und den Öffnungszeiten der Beratungsstelle.

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