Von der Trockenübung ins kalte Wasser

Von: Stephan Johnen
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Absturz eines Leistungsträger
Absturz eines Leistungsträgers: Für das Musical „Finale Grande” schickt das „exArt-Musiktheater” die Darsteller auf einen Drahtseilakt zwischen Solidarität und wirtschaftlichen Nöten. Im Juni ist das Ensemble zu Gast auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Foto: Johnen

Vossenack. Die Bühne des Dresdener Schauspielhauses befindet sich neuerdings in Vossenack. Zumindest markieren in der Aula des Franziskus-Gymnasiums Tische und Stühle die Ausmaße der Bretter, die die Welt bedeuten.

Viel mehr Bühne hätte es nicht sein dürfen, vermutlich verzichtete das „exArt-Musiktheater” nur deswegen darauf, die neobarocke Pracht des Theaters nachzubauen. Clemens Amendt jedenfalls hat vor einigen Wochen an der Elbe schon einmal Maß genommen. Bald schon wird sich das gesamte Ensemble um den Lehrer, Autor, Regisseur und Freund des Details auf den Weg nach Sachsen machen. Am 2. Juni öffnet sich im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentages der Vorhang für das Musical „Finale Grande” der Vossenacker. Bis dahin wird fleißig auf der Kopie der Dresdener Bühne geprobt.

„Bei 480 Mitbewerbern haben wir überzeugt”, freut sich Clemens Amendt über die Chance, die Professionalität des Ensembles nun nach Vorstellungen in Vossenack und der Arena Kreis Düren zweimal auf dem Kirchentag unter Beweis stellen zu können. Fast 70 Schüler des Gymnasiums, Ehemalige und Theaterenthusiasten reisen dafür mit Bussen nach Dresden. Einige Schauspieler nehmen sich beruflich eine Auszeit, andere haben mit ihren Professoren verhandelt, um in Dresden auf der Bühne stehen zu können. Das gesamte Bühnenbild und alle Requisiten werden in einen Lkw verfrachtet und auf den Weg geschickt. Eigene Ton- und Lichttechniker gehören zum Tross. Wer jetzt auf die Idee kommt, die exArt-Truppe entwickle langsam Star-Allüren, wird beim Blick auf die Unterkunft wohl eines Besseren belehrt: Geschlafen wird in einer Schule, auf Luftmatratzen.

Dass das Musical „Finale Grande” in Dresden ein drittes Mal Premiere feiern soll und keine Wiederholung wird, überrascht nicht. Bereits für die Aufführung in der Arena Kreis Düren hat Clemens Amendt weite Teile des Stückes umgearbeitet. Die große Bühne ermöglichte es, auf drei Ebenen zu spielen, das Publikum besser einzubinden. Neue Szenen im komplett selbst geschriebenen, komponierten und choreografierten Werk sollen den Darstellern mehr Tiefe geben. Im Mittelpunkt steht erneut der Zirkusartist Piet Pepper (seit der Premiere gespielt von Daniel Wiegand), der nach einem Höhenflug beruflich und privat vor dem Nichts steht. Der Mann ist ein Wrack, vom Alkohol gezeichnet, vom Glück verlassen. Der einstige Star ist für einige Mitstreiter nun Ballast, der aus dem Zirkus geworfen werden muss, um das Überleben des Ensembles zu sichern. Doch ist es wirklich so leicht?

Clemens Amendt schickt seine Truppe auf einen Drahtseilakt zwischen Solidarität und wirtschaftlichen Nöten, zwischen Wahnsinn und Lebensfreude. Jede Geschichte hat mindestens zwei Seiten, so lautet - stark verkürzt - die Botschaft des tiefgründigen Musicals.

Die Aufführung im Schauspielhaus dürfte dabei selbst ein Drahtseilakt sein, schließlich kann die Truppe erst am Vorabend der Aufführung die Bühne in Besitz nehmen. Aufzüge, das Einbinden der Ränge - Clemens Amendt möchten alles bepielen, alle Möglichkeitenutzen. Was in Dresden zur Verfügung steht, kann in Vossenack nur als Trockenübung simuliert werden. Der Sprung ins kalte Wasser wird folgen. Doch von einem Drahtseilakt redet der Regisseur nicht. „Die Herausforderung hat die Truppe inspiriert”, sagt er. „Wir genießen es, neue Dinge zu entdecken.” „Finale Grande” soll seinem Namen erneut alle Ehre machen.

Das Ensemble sucht noch Sponsoren

Der Vorhang öffnet sich für das „exArt-Musiktheater” im Dresdener Schauspielhaus am 2. Juni. Die Vorarbeiten haben längst begonnen. Ein Kraftakt wird es sein, Bühnenbild und Requisiten zu verladen. Einen Abend vor der Aufführung können die Vossenacker die Bühne erkunden, sich mit dem zur Verfügung stehenden Raum und der Technik vertraut machen - und über Nacht alle Scheinwerfer einstellen.

Die Kosten für Reise muss das Ensemble stemmen. Für alle Teilnehmer wird ein Beitrag in Höhe von 80 Euro erhoben. Die Ausgaben werden damit jedoch nicht gedeckt. Wer das Theater als Sponsor unterstützen möchte, erhält Infos von Geschäftsführer Thomas Nießen unter ? 02429/2508.

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