Von der Kunst des Sammelns

Von: Stephan Johnen
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Düren. Für das Leopold-Hoesch-Museum ist es eine Premiere. 600 Papierarbeiten und mehr als 100 Künstler-Bücher aus dem Besitz des Kölner Kunstsammlers Dr. Reiner Speck werden ab Sonntag in Düren gezeigt.

Das Museum wurde dafür zunächst leergeräumt, um Platz für eine angemessene Präsentation der Werke von 35 Künstlern wie Cy Twombly, Marcel Proust, James Lee Byars, Walter de Maria, Marcel Broodthaers, Albert Oehlen und Sigmar Polke zu schaffen. Zum ersten Mal seit Fertigstellung des Erweiterungsbaus hat das Dürener Haus mit einem Sammler kooperiert, um eine derart komplexe Ausstellung zu ermöglichen.

„Der Sammler selbst müsste eigentlich wie ein Kunstwerk behandelt werden”, sagte Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann am Freitag während der Präsentation der Ausstellung. Der promovierte Urologe und Medizinprofessor sammelt seit den 60er Jahren - und ihn verbindet mit vielen Künstlern ein reger Gedanken- und Briefaustausch. „Er ist einer der wenigen Universalgelehrten”, beschrieb Goldmann den Sammler, der sich zunächst vor allem über seine Bibliothek definiert habe. Beim Aufbau seiner Sammlung bewege er sich zwischen den literarischen Idolen Marcel Proust und Francesco Petrarca und Heroen der Gegenwartskunst.

Mit der Ausstellung „I hate Paul Klee” zeigen das Leopold-Hoesch- und das Papiermuseum einen Teil der bedeutenden Sammlung, der thematisch um Themen wie Literatur und Kunst, Obsession und Erotik, Humor und Erzählung kreist. „Die kulturelle Bedeutung offenbart sich erst in der Gesamtheit ihrer verzweigten Verweis- und Beziehungskultur”, erklärte Renate Goldmann. Es gebe Querverweise und Bezüge der Kunstwerke untereinander, zwischen Schrift und Bild, zwischen einzelnen Künstlern, aber auch zwischen Künstlern und dem Sammler. Die Zeichnungen, Collagen, Aquarelle und Fotografien zeigen das wechselseitige Verhältnis von Bild und Schrift auf.

„Wir versuchen, den 35 einzelnen Künstlern gerecht zu werden”, sagte Renate Goldmann. Jeder Künstler sei nicht nur mit einem Werk vertreten, sondern mit einem ganzen Werkkomplex. Einen zentralen Platz nehmen in der Ausstellung auch die Künstler-Bücher ein, die Speck gesammelt hat. Von der minimalistischen Machart bis zum opulenten Werk stehen sie für ein Medium, das sich im Internetzeitalter zunehmend in Bits und Bytes auflöst. Goldmann: „Wir wollen anregen, Bücher wieder in die Hand zu nehmen.”

Eröffnet wird die Ausstellung morgen um 12 Uhr. „Reiner Speck hält eine Rede, die an sich schon eine Reise wert ist”, rührte die Direktorin die Werbetrommel. Der Sammler wird auch für Gespräche bereitstehen. „I hate Paul Klee” ist noch bis zum 20. November dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. An Donnerstagen ist das Museum bis 19 Uhr geöffnet.
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