Von der Kellnerin im Piano zur Hollywood-Produzentin

Von: Sylvia Dietl
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Die gebürtige Dürenerin Jean
Die gebürtige Dürenerin Jeanette Buerling hat in Hollywood ihre eigene Filmfinanzierungs- und Produktionsfirma gegründet.

Düren/Los Angeles. Hollywood, diesen Namen verbinden die meisten Menschen mit Glitzer und Glamour, mit Stars und Sternchen. Aber Hollywood ist gleichzeitig auch der Ort, an dem Regisseure, Produzenten und Geldgeber zusammenkommen, wo große Geschäfte gemacht und Millionenprojekte beschlossen werden.

Und eine Frau, die in Düren geboren und aufgewachsen ist, mischt dabei kräftig mit: die 46-jährige Jeanette Buerling zählt heute zu den wichtigsten Filmproduzentinnen in Hollywood. Bei „Burgau meets Business” wollte Buerling erklären, wie man es in Hollywood schafft, Karriere zu machen. Sie musste aber kurzfristig absagen, weil sie einen Preis erhält.

2008 gründete sie in Beverly Hills mit der Filmfinanzierungs- und Produktionsfirma Magnet Media Group (MMG) ihr eigenes Unternehmen. Allein in den vergangenen beiden Jahren produzierte sie mit einem Budget von jeweils 25 Millionen Dollar drei Blockbuster, darunter „13” mit Jasan Statham und Mickey Rourke und den Film „Dark Tide” mit der Oscar-Preisträgerin Halle Berry und Olivier Martinez. Jeanette Buerling legte eine steile Karriere hin, seit sie vor zwölf Jahren nach Los Angeles umzog.

„Leicht war das nicht”, sagt die Produzentin, die früher Jeanette Kuntze hieß und an der Rur aufwuchs. Mit Glitzer, Glamour und dem großen Geld ist sie nicht groß geworden: Die junge Jeanette Kuntze besuchte die Realschule Bretzelnweg, das Burgau-Gymnasium und die Höhere Handelsschule. „Ich kellnerte im Piano in der Dürener Innenstadt und half mit, dass wir finanziell über die Runden kamen.”

Ihre Mutter arbeitete als Friseurin und zog die beiden Töchter alleine groß. „Für die Schule war oft keine Zeit, und den fehlenden Stoff habe ich aus Büchern oder mit Freunden nachgelernt”, erzählt Buerling. „Das war eine harte Zeit und eine wichtige Erfahrung für mich, ohne die ich es nie so weit gebracht hätte. In der Filmbranche muss man 150 Prozent geben, einfallsreich, durchsetzungsfähig und selbstbewusst sein - und ein Ziel vor Augen haben.”

Nach dem Studium der Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Köln landete sie - inzwischen selbst alleinerziehende Mama - bei RTL. Als Sekretärin. Doch der Sender erkannte schnell ihre Talente. 1989 wurde sie Produktionsassistentin und wirkte an Sendungen wie „Traumhochzeit” oder „Der Preis ist heiß” mit. Und sie lernte, wie international tätige Produzenten ticken. 1992 nutzte sie ihre Kontakte für ein dreimonatiges Praktikum in den USA. „Nur um zu schauen, wie die das machen und ob ich das auch kann”, erzählt sie schmunzelnd. „Diese Hollywood-Erfahrung öffnete mir neue Türen”, sagt sie rückblickend. Kurze Zeit später ging sie dann als Produzentin nach München. „Aber ich musste feststellen, dass ich als Produzentin in Deutschland immer wieder an Grenzen stieß.”

Statt in Deutschland an Grenzen zu stoßen, wollte sie in der Traumfabrik Hollywood leben und arbeiten! Und dieser Wunsch erfüllte sich, als sie 1999 die Greencard bekam. Als sie in LA ankam war sie 34 Jahre jung und voller Pläne. „Dann musste ich erst mal lernen, dass hier 99 Prozent der Versprechen und Zusicherungen nicht eingehalten werden.” Und so lief auch bei ihrem ersten Film nur wenig rund. Kurz vor Drehbeginn von „Time-share” mit Nastassja Kinski und Timothy Dalton sprang eine Produktionsfirma ab. Nur durch das beherzte Einspringen anderer Co-Produzenten konnte der Film dann doch noch gedreht werden. Doch nach der beinahe-Katastrophe war ihr klar, dass sie mehr Know-how brauchte.

An der USC Los Angeles studierte Jeanette Buerling daraufhin Dramaturgie und Drehbuchentwicklung. 2004 wurde sie in der Entertainment-Abteilung der Far East National Bank in Los Angeles angestellt, um zwei Film Equity-Fonds zu leiten. „Rückblickend kann ich mir kaum einen besseren Weg vorstellen, um die erfolgreiche Finanzierung und Distribution eines Films zu lernen.” Insgesamt realisierte sie dort 41 Fernseh- und Filmprojekte für große Studios wie Fox, Warner Bros. oder Disney und verschiedene US-Fernsehsender. Danach wusste sie, wie es geht.

„Ich hatte inzwischen so viele Kenntnisse, dass ich meinen eigenen Fonds kreierte mit der Emission in England und später auch in Deutschland”, sagte Jeanette Buerling und gründete 2008 die MMG - ihre eigene Produktionsfirma. Neben Beverly Hills unterhält sie inzwischen Büros in London, Köln und München mit insgesamt 14 Mitarbeitern. Seit mehr als 20 Jahren ist Buerling schon in der Drehbuchentwicklung, Akquisition, der Produktion internationaler Film- und Fernsehprojekte, der Finanzierung und im internationalen Lizenzverkauf tätig. Und besonders in der Entertainment-Finanzierung macht ihr so schnell keiner was vor.

Sie hat ihre eigene Finanzierungsstrategie entwickelt. Produziert werden nur Filme, die qualitativ hochwertig sind, sich an strikte Businesspläne halten und in einem Kostenrahmen zwischen 20 und 50 Millionen Dollar liegen. „Sich daran zu halten fällt vor allem Regisseuren schwer”, sagt sie und behält die Kreativen gerne im Auge.
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