Von der ersten Szene bis zum letzten Schnitt

Von: Beate Weiler-Pranter
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„Ruhe bitte! Und Kamera ab”: Die Workshop-Teilnehmer Theres Knuth und Joachim Däuble konzentrieren sich bei den Dreharbeiten in der Gaststätte Schiffmann Foto: Weiler-Pranter

Heimbach. „Ruhe bitte! Kamera ab!” Für Theres Knuth wird es ernst: Zum ersten Mal in ihrem Leben soll sie mit einer Profikamera filmen. Die eben geprobte Szene aufzeichnen. So, wie es Filmregisseur Rolf Teigler ihr erklärt hat.

Konzentriert verfolgt Theres (15) mit der Kamera, wie Darstellerin Alexa von der Kall auf eine Bank steigt, um den bunten Schriftzug „Herzlichen Glückwunsch” an der Gaststättenwand zu befestigen. Pantomimisch gibt Profi-Filmer Teigler nun zu verstehen Noch fünf Sekunden´, denn dieses zusätzlich gedrehte Material - so haben es die Kursteilnehmer gelernt - ist wichtig für den anschließenden Filmschnitt. Dann winkt er ab. Kamera aus. Die erste Szene ist im Kasten.

Zehn Tage widmen sich die Teilnehmer von Rolf Teiglers Filmworkshop „Jeder hat was zu erzählen” der Entwicklung und Realisation eines Films. In den Räumen der Internationalen Kunstakademie Heimbach entwickelten die Laien unter Anleitung des Berliner Filmemachers zunächst ihr eigenes Drehbuch. Anschließend suchten die Kursteilnehmer passende Darsteller und Drehorte; organisierten die Requisiten und orderten das Equipment. Ostermontag hieß es dann endgültig „Kamera läuft!”. Für den Kurzfilm „Geburtstagsvorbereitungen”.

Der Stoff, aus dem die Filme sind, ergibt sich bei Teiglers Projekten meist aus markanten, persönlichen Erfahrungen der Kursteilnehmer. „Ich nutze die Lust am Erzählen.”, erläutert der 53-jährige Regisseur. „So haben die Filmsequenzen immer einen Kern aus der Wirklichkeit.” Auch bei diesem Kurs sei allen sehr schnell klar gewesen, dass ein Erlebnis der ältesten Teilnehmerin filmisch umgesetzt werden solle.

Während in der ehemaligen Gaststätte Schiffmann die ersten Dreharbeiten laufen, toben draußen in der Sonne die fünf jugendlichen Darsteller (Felix Helle, Christopher Latz, Joshua Valder, Fabian Weißkirchen und Martin Züll). Man ahnt: Als Schauspieler in diesem Film dürfen sie einmal „so richtig schlimm” sein, ohne - wie im richtigen Leben - erzieherische Maßnahmen befürchten zu müssen. Eins freut die 13-Jährigen dabei besonders. „Eigentlich hätten wir heute an einer Familienwanderung teilnehmen sollen. Glück gehabt, denn das hier ist spannender als Fernsehen!”

Unterdessen kümmert sich Gisela Röttgen aus Untermaubach in der Küche von Nelly Schiffmann um das kalte Buffet, das in der nächsten Szene eine entscheidende Rolle spielen soll, während Joachim Däuble aus Baden-Württemberg das Licht für die Anschluss-Szene setzt.

Nach zwei Tagen Dreharbeit lernen die Kursteilnehmer abschließend, aus dem aufgezeichneten Material einen dramaturgisch stimmigen Film zu schneiden. Am Freitag werden dann alle bei einer privaten Premierenfeier in der Kunstakademie auf ihr gelungenes Projekt anstoßen: Egal, ob sie vor oder hinter der Kamera standen.

Dozent Rolf Teigler, der vor 20 Jahren Co-Regie zum Film „Go, Trabbi, Go” führte und mit seinen Kurz- und Dokumentarfilmen zahlreiche Preise errang, ist beeindruckt von dem Engagement seines „Akademie”-Teams. „An Filmhochschulen krebsen die Studenten häufig herum. Hier aber kommen alle auf den Punkt, um ihre Geschichte zu erzählen!”
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