Von der Einbrecherjagd ins Familienleben

Von: Sarah Maria Berners
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Kurz vor dem Ruhstand: Condor geht zum Jahresende in Pension. Erst vor kurzem hat er in Winden einen Einbrecher gestellt. Beim Training fasst er den flüchtigen Täter (Polizist Jupp Klünter) mit seinem Diensthundeführer Andreas Göke. Foto: Sarah Maria Berners

Düren. Arbeit und Privatleben versuchen die meisten Menschen zu trennen. Bei Hundeführern ist das anders. Ein Diensthund und sein Herrchen sind quasi rund um die Uhr zusammen. Sie sind gemeinsam im Einsatz, trainieren und fahren nach Feierabend zusammen nach Hause.

Dort sind die Diensthunde meistens in das ganz normale Familienleben, in den Alltag eingebunden. Auch im Urlaub sind die Hunde oftmals dabei. Und dann halten sie ihre Hundeführer auf Trapp, denn Faulenzen ist nicht ihre Sache. „Die Hunde wollen beschäftigt werden.

Sie brauchen Bewegung und Aufgaben fürs Köpfchen“, beschreibt Andreas Göke, der Trainer der Diensthundegruppe der Kreispolizeibehörde Düren. Urlaub hin oder her. Und auch im Alltag trainieren die Polizisten ihre Hunde, zum Beispiel beim täglichen Spaziergang. „Wer den Hund als Belastung empfindet, der kann diesen Beruf nicht ausüben“, ergänzt sein Kollege Jupp Klünter.

Mit Andreas Göke, Jupp Klünter, Christof Mücke und Sonja Cremer gibt es in Düren vier Hundeführer. Meist sind sie an den Wochenenden, in den Abendstunden und in der Nacht im Einsatz, denn dann sind die Fähigkeiten der Hunde besonders gefragt. Sie schützen die Polizisten, suchen Einbrecher, Flüchtige und Rauschgift und sind bei Schlägereien in Düren ebenso im Einsatz wie landesweit bei Fußballspielen und Demonstrationen.

In der Dunkelheit haben die Hunde mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn einen großen Vorteil, bemerken Personen auch dort, wo Polizisten mit Taschenlampen kaum eine Chance hätten. Und der Schichtdienst? „Hunde sind sehr anpassungsfähig“, weiß Andreas Göke. Nachtdienst sei für sie kein Problem, Hunde hätten einen anderen Schlafrhythmus als Menschen.

Bevor ein Hund bereit für den Einsatz ist, steht viel Training an (siehe Infokasten), die Dürener Hunde werden zum Beispiel in leerstehenden Gebäuden trainiert. Beim Training achten die Polizisten auf Details, die dem Laien kaum ins Auge fallen. Die Hunde lernen, zu gehorchen und sich unterzuordnen ebenso, wie einen Täter zu verfolgen und ihn zu stellen. Die Hunde müssen wissen, wann sie beißen dürfen und wann sie sich nur bellend vor einem Menschen positionieren.

Condor ist ein erfahrener Hund, die Übung sitzt. Bei der nächsten ist der Täter flüchtig und Condor darf zupacken. Jupp Klünter trägt daher einen Anzug, der den ganzen Körper schützt. Anderenfalls würde das ziemlich schmerzhaft.

Ein Einbrecher in Winden hat erst im September diese Erfahrung gemacht, die auch für Condor und seinen Hundeführer Andreas Göke verzichtbar gewesen wäre. Der Diensthund hatte die Täter in einem Gebüsch aufgespürt. Der Täter fackelte nicht lange und begann den Hund zu würgen, aber gemeinsam gelang es, den Täter dingfest zu machen – der Einbrecher trug eine Bisswunde davon. „Wenn es zu einer solchen Situation kommt, muss der Hund genau wissen, wen er beißen darf und wen nicht“, beschreibt Göke. Für Polizist und Hund ist dann höchste Konzentration gefordert.

„Bei vielen Einsätzen reicht es aber schon, wenn die Leute die Hunde sehen“, sagt Göke. Nur wenige würden sich mit den Hunden anlegen, meist wirkten sie abschreckend, zum Beispiel bei Schlägereien und Randalieren. Allerdings würden die Menschen sich unter Alkoholeinwirkung oder Drogen nicht selten überschätzen.

„Es gibt viele Situationen, die ich ohne Hund nicht so gut hätte meistern können“, sagt Andreas Göke. „Das verbindet.“ Gleichwohl ist der Hund ein „Einsatzmittel“, wie es im Polizeijargon heißt. Pfefferspray, Schlagstock und Pistole gehören auch dazu. Ein Diensthundeführer muss jederzeit damit rechnen, in einem Einsatz seinen Hund zu verlieren.

Jupp Klünter musste diese bittere Erfahrung vor einigen Jahren machen. An diesen Tag im Oktober 2008 erinnert er sich noch sehr gut. Ein 16-Jähriger hatte in Niederau versucht, seine Mutter zu erstechen und war geflohen.

Im Einsatz erstochen

Im Park von Schloss Burgau versteckte er sich in einem Gebüsch. Ein Polizist wollte hinterhersteigen. Jupp Klünter entschied sich, Luna vorwegzuschicken. Die stellte den Täter und biss ihn. Der jedoch stach mit seinem Messer auf die Hündin ein, bevor die Polizisten ihn festnehmen konnten. Mit einem Polizeihubschrauber wurde sie in eine Klinik geflogen. Sie überlebte nicht. „Das war dann natürlich auch für meine Kinder sehr traurig“, erinnert sich Klünter. Die Diensthunde sind eben auch Familienmitglieder. „Aber wer weiß, was sonst passiert wäre.“

Auch die Rauschgiftspürhunde sind im Einsatz hohen Anforderungen ausgesetzt. „Nach 30 Minuten legen wir deswegen meistens eine Pause ein“, erklärt Christopf Mücke, der mit Eyla arbeitet. Die Arbeit ist körperliche Höchstanstrengung. Gut versteckt sind in einem Raum drei Tüten mit unterschiedlichen Rauschgiften in sehr geringen Mengen. Eyla findet sie trotzdem. Auch bei dieser Übung fällt auf, wie wichtig die Zusammenarbeit im Team ist. „Ein Hund ist nur so gut, wie sein Führer“, sagt Andreas Göke. Schließlich müsse er den Hund leiten, den Einsatz strukturieren. Die beiden müssen sich gegenseitig „lesen“ und aufeinander einstellen können. Deswegen arbeiten Hund und Polizist im festen Team.

Anders als sein Herrchen geht Condor, der dienstälteste Polizeihund in Düren, zum Jahresende in den Ruhestand. Und tatsächlich steht auch dem Hund eine kleine Pension in Form von Futtergeld und kostenfreien Tierarztbesuchen zu. Leben wird er weiter bei Andreas Göke. Mit Hades ist ein Nachfolger bestens trainiert.

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