Düren - Von buntem Treiben bis zu meditativer Stille

Von buntem Treiben bis zu meditativer Stille

Von: Christoph Hahn
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Setzte bei der Nacht der offen
Setzte bei der Nacht der offenen Kirchen einen politischen Akzent: Ein Sprecher der Dürener Amnesty-International-Gruppe machte seine Zuhörer in der Lendersdorfer Pfarrkirche St. Michael mit der Arbeit der Menschenrechtsorganisatin bekannt. Foto: Hahn

Düren. Aus dem Lendersdorfer Bürgerhaus schallt das pralle musikalische Leben. Grelles Licht und pralle Töne verraten ohne Mühe selbst flüchtigen Passanten, dass Aktive des Jugendblasorchesters hier engagiert fürs nächste Konzert proben.

In der Kirche St. Michael gleich nebenan herrscht eine ganz andere Atmosphäre: Vom Band klingt sanfte Klassik durch den von einigen Kerzen erhellten geweihten Raum. Dazu steigt das gedämpfte Murmeln der Versammelten zu den Gewölberippen empor. Es ist halt die Stimmung, die zum Angebot in St. Michael und anderen Kirchen auf Dürener Stadtgebiet passt. „Nacht der offenen Kirchen” heißt dieses Angebot, dass Menschen in Bewegung bringt.

Gesicht und Gestalt geben

Ganz unterschiedlich schärfen Gläubige, die ihrer Überzeugung vor Ort Gesicht und Gestalt geben, das Profil ihrer Gemeinde. In St. Michael zum Beispiel geht es um Gruppen, die - wie Amnesty International und Dürener Tafel - zwar nicht in der Institution Kirche verankert sind, aber aus einer durchaus religiösen Haltung heraus handeln.

Den Grundton setzt ein Sprecher der Lendersdorfer. Er weist darauf hin, dass Gerechtigkeit im Denken und Handeln Jesu einen prominenten Rang besitze. Monika Ollig vom Dürener Bündnis gegen Rechts, unter anderem im Katholikenrat des Bistums und im regionalen Pastoralrat aktiv, bezieht später auf ihre Weise Position: „Widerstand gegen Rechtsextremismus ist eine Christenpflicht”, ruft sie ihren Zuhörern entgegen.

Auch die Schülerinnen von St. Angela an der Bismarckstraße versuchen ihre Besucher gezielt und persönlich anzusprechen - aber ganz anders. Selbst noch in der Dunkelheit gehen sie Gästen entgegen, die vom Licht einer Reihe von Kerzen auf die Tür hin gelenkt werden, und heißen sie willkommen: „Wir freuen uns, dass sie die Zeit gefunden haben, zu uns zu kommen.” Im Inneren gibt es zum Beispiel ein improvisiertes Café. Und beim Versuch, im Getöse des Alltags ein bisschen Ruhe zu finden, hilft der Eltern-Lehrer-Chor des Hauses, der in der Kapelle seinen großen Auftritt hat - als ein Ensemble von mehreren, die den Abend und einen Teil der Nacht mit Leben erfüllen.

Anspruchsvolles Angebot

Für die, denen Stille und Meditation wichtig sind, hat das Haus St. Anna an der Waisenhausstraße ein sehr anspruchsvolles Angebot zu bieten - und die haben etwas mit dem Leben in eben diesem Haus zu tun. Wohnbereichsleiterin Claudia Clemens liest in der Kapelle Meditationstexte zum Thema „Altwerden”, derweil Pflegedienstleiter Thomas Schmitz dezent Gitarre spielt. Das Publikum: Senioren, Junge und jung Gebliebene, darunter auch hier wirkende Kamillianerinnen und Geschäftsführer Frank Leßenich. Die Zusammenkunft in der kleinen Kapelle wirkt zwar nicht sehr spektakulär. Aber gerade weil das Ganze einfache Züge trägt, berührt es.

Derweil zeigen die Aktiven in St. Marien, dass die Nähe zum Leopold-Hoesch-Museum für sie nicht bloß ein Zufall ist. Die Malerin Angela Maria Berger aus Langerwehe präsentiert hier im Zeichen des Titels „Musik und Farbe im Kirchenraum” ihre Bilder. Diese Kunst-Stücke verbinden abstrakte, symbolische und figürliche Züge, Inspirationen durch die Musik mit Anregungen aus der Religion. Die Künstlerin fühlt sich in St. Marien am richtigen Ort: „Sie sehen: Meine Bilder passen hier hin.” Besonders dass St. Marien durch die neue Vorhalle nach dem Umbau nach außen hin durchsichtig geworden ist, gefällt Berger.

Und dann bietet das Ambiente der Kirche natürlich eines: Gespräche mit den Besuchern und die Möglichkeit, auf dem Weg von Bild zu Bild die Werke zu erklären. Denn auch das ist eine Facette dieser „Nacht der offenen Kirchen”: Auf dem Weg von A über B nach C verknüpfen sich die Lebenspfade von Menschen. Und Vielfalt bekommt ein Gesicht - im jugendlich-bunten Treiben in der Christuskirche ebenso wie in der meditativen Stille anderenorts.
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