Vom Vorwurf der Erpressung bleibt nichts übrig

Von: hp
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Düren. Die Vorwürfe gegen einen 32 Jahre alten Mann aus Langerwehe waren gewaltig. Die Staatsanwaltschaft warf ihm versuchte räuberische Erpressung sowie Beleidigung vor. Im November 2014 sollte er demnach seinen ehemaligen Arbeitgeber und dessen Frau telefonisch massiv bedroht haben.

Beim ersten Mal habe er 60 Euro verlangt, wenig später „wenigstens 30 Euro“. Die Anklageschrift führt sogar ein Zitat an, das vermutlich aus der polizeilichen Anzeige stammt und dem zufolge der Angeklagte gedroht haben soll: „Ich steck dir die Hütte an.“

Der Angeklagte gibt die Anrufe unumwunden zu. Allerdings nennt er für seine finanzielle Forderung einen Grund. Er habe bei dem Dürener Ehepaar, das sein Geld als Schausteller mit einem Gastronomiebetrieb verdient, als Saisonkraft gearbeitet.

Etwa vier Monate lang habe das auch gut funktioniert, zwischen seiner Arbeit auf der Annakirmes und einem großen Volksfest in Bad Hersfeld habe er sogar im Privathaus seines Chefs gearbeitet und etwa Gartenarbeiten erledigt.

Das gute Miteinander endete jedoch im November 2014, wobei die Beteiligten dem Gericht mit ihren Begründungen dafür ziemlich unterschiedliche Darstellungen lieferten. Während der Angeklagte sagt, er habe nach dem Aufbau des mobilen Wirtshauses nur einen Teil des vereinbarten Lohnes erhalten, sagt der Schausteller, der 32-Jährige sei zum geplanten Abbau des Geschäftes einfach nicht erschienen.

Seine Ehefrau erklärte dem Gericht, man habe mit dem jungen Mann wegen dessen Alkohol- und Drogenproblemen nicht weiter zusammenarbeiten wollen.

Geradezu brisant dann die Aussage eines anderen Aushilfsmitarbeiters, der vor Gericht schilderte, er sei von dem Schausteller-Ehepaar zu einer Aussage gedrängt worden. Um seinen Job nicht zu verlieren, habe er sich darauf zunächst eingelassen.

Die Hauptverhandlung war durch zahlreiche derartige Ungereimtheiten und Diskrepanzen gekennzeichnet. Nach dem Rechtsgrundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ sprach das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christine Pinkpank den Angeklagten frei. Auf Freispruch hatten im Übrigen zuvor sowohl Staatsanwalt Ferdi Hoffmann als auch der Verteidiger des 32-Jährigen plädiert.

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