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Vom Recht blind zu werden, ohne gleich behindert zu sein

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Abteilungsleiter Christoph Granrath (links), Sabriye Tenberken und BFW-Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig bei ihrem Gespräch in Düren.

Düren. In den nächsten Wochen wird sie in den USA an den verschiedensten Orten viele Vorträge über ihr neues Projekt „Kanthari“ in Indien halten. Umso erfreuter waren Mitarbeiter und Rehabilitanden des Berufsförderungswerkes (BFW) Düren, dass Sabriye Tenberken vorher noch einen Abstecher in die Rurstadt machte.

„Das Recht blind zu sein, ohne behindert zu werden“ ist Lebensmotto und zugleich Antriebskraft für die beeindruckende Persönlichkeit, die trotz ihrer Erblindung in jungen Jahren ihren Weg gegangen ist. Und somit zeigte sie sich im BFW auch als Mutmacherin, die weiß, was trotz einer Seherkrankung möglich ist. „Behinderungen machen erfinderisch. Man muss den Mut haben, die eigenen Grenzen auszutesten“, so Sabriye Tenberken. Seit ihrem 12. Lebensjahr ist sie aufgrund einer Netzhauterkrankung völlig blind. Dies hinderte sie allerdings nicht daran, Abitur zu machen und in Bonn Tibetologie, Soziologie und Philosophie zu studieren.

Ihre Liebe zu Tibet ging soweit, dass sie eine spezielle Brailleschrift für die tibetische Schriftsprache entwickelte, die inzwischen zur offiziellen Blindenschrift für Tibetisch wurde. 1997 reiste sie dann allein nach Tibet, wo sie zusammen mit dem Niederländer Paul Kronenberg das Blindenzentrum „Tibet“ in Lhasa gründete. Nicht zuletzt aufgrund des Dokumentarfilms „Mit anderen Augen“ über ihr Leben und ihre Arbeit wurde sie mit dem Charity-Bambi ausgezeichnet. An Auszeichnungen im In- und Ausland, ob in Berlin, der Schweiz, Holland oder China hat sich Sabriye Tenberken in den letzten Jahren gewöhnen müssen. Sie ist aber auch eine außergewöhnliche Frau, die nach den langen Jahren in Tibet nun ihren Lebensmittelpunkt in Indien hat und dort das neue Projekt „Kanthari“, abgeleitet von der kleinen, scharfen Chili-Schote, in Angriff genommen hat.

Behinderte Menschen aus aller Welt, „die Feuer haben und Mut“, so Sabriye Tenberken, werden dort in einem siebenmonatigen Intensivkurs so ausgebildet, dass sie als Führungspersönlichkeit in der Lage sind, in anderen Ländern Kampagnen und Projekte für behinderte Menschen zu initiieren und umzusetzen.

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