Vom „Jeckeberg“ zur modernen Klinik

Von: Stephan Johnen
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„Vielfalt erleben“ – unter diesem Motto stand der Tag der offenen Tür. Mitarbeiter aus allen Abteilungen der Klinik stellten ihre Arbeit vor. Dieses Bild entstand in „Haus 5“, wo die Ergebnisse eines Kunst-Workshops mit Flüchtlingskindern ausgestellt wurden. Foto: Stephan Johnen

Düren. Der „Jeckeberg“, wie die LVR-Klinik im Volksmund heißt, ist Vergangenheit. „Psychische Krankheiten sind lange Zeit stigmatisiert worden“, blickte der stellvertretende Pflegedirektor Josef Cremer zurück. Erst nach und nach seien „seelische Ausnahmezustände“ in den breiten öffentlichen Fokus geraten, fügte sein Kollege Mario Kuckertz hinzu.

Der „Jeckeberg“ sei heute eine Fachklinik. Was genau die rund 1100 Mitarbeiter leisten – darüber informierten sie am Sonntag die Dürener beim Tag der offenen Tür. „Wir wollen etwaigen Vorurteilen entgegenwirken, die hier und da sicherlich noch gegen unser Haus bestehen. Wir wollen zeigen, dass wir ein modernes Krankenhaus sind und dass psychische Störungen Krankheiten wie alle anderen sind“, sagte der Kaufmännische Direktor Michael van Brederode im Namen des Klinikvorstands.

Die LVR-Klinik bietet nicht nur die Behandlung von Tausenden Patienten im Jahr, sondern auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze. „Das geht von der Gärtnerei über unsere technischen Werkstätten, die Küche, die Verwaltung bis hin zum Kern der im medizinischen Bereich tätigen Pflegekräfte, Ärzte und Therapeuten“, fasste van Brederode zusammen.

In Projekten entwickeln die Mitarbeiter und Kooperationspartner zudem neue Ansätze für die Arbeit, beispielsweise beim Umgang mit den Familienangehörigen von Suchtkranken. „Wir dürfen nicht nur isoliert den Patienten betrachten“, erklärte Dr. Antje Niedersteberg, Chefärztin der Abteilung für Suchtmedizin, das Modellprojekt „Trampolin“. Kindern und Familienangehörigen soll somit das Verstehen der Krankheit ermöglicht und der Umgang mit dem Patienten erleichtert werden.

Auch ein erstmals angebotenes Anti-Stigmatisierungsprojekt der LVR-Klinik hat nur auf den ersten Blick nichts mit dem eigentlichen Aufgaben der Klinik zu tun. Bewohner von Wohngruppen haben vor Schülern über ihre Erkrankungen geredet und Fragen beantwortet. Im Vorfeld waren Klinik-Mitarbeiter in der Schule und haben Krankheitsbilder vorgestellt. „Diese Gespräche waren sowohl für die Bewohner als auch für die Schüler sehr positiv“, ist Katharina Gawlak, Leiterin soziale Rehabilitation, überzeugt, bei jungen Menschen ein tieferes Verständnis für psychische Erkrankungen ermöglicht zu haben. Das Modellprojekt sei abgeschlossen, die (Aufklärungs-)Arbeit soll aber nach Möglichkeit fortgesetzt werden. Fest etabliert sind bereits beispielsweise die sogenannten Suchtpräventionswochen. Zielgruppe sind die 8. und 9. Klassen von zehn Schulen.

Ein ganz aktuelles Thema ist die Flüchtlingssituation in Stadt und Kreis Düren. Einige traumatisierte Flüchtlinge werden bereits in der Klinik behandelt. „Die nächste Fachtagung in unserem Haus setzt sich mit der Frage auseinander, wie wir Flüchtlingen und Asylsuchenden angemessen begegnen können und wie wir ihnen notwendige Unterstützung geben können, vor allem auch professionelle Unterstützung bei der Bewältigung von Traumatisierungen, die viele von ihnen erlitten haben“, berichtete Michael van Brederode. Ein Vorteil der LVR-Klinik sei es, dass es ausreichend medizinisches Personal gebe, das beispielsweise Arabisch spricht.

„Haus 5“ wurde am Tag der offenen Tür zur Ausstellungsbühne. Dort wurden Ergebnisse von mehreren Workshops vorgestellt, in denen Künstler aus der Region mit Patienten kreativ tätig waren. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren die Ergebnisse eines Nachmittagsangebots für Flüchtlingskinder. Unter der Überschrift „Ich male, was ich nicht sagen kann“ waren in den vergangenen Monaten Kinder aus unterschiedlichsten Nationen unter der Begleitung der Kunsttherapeutin Anita Derbe tätig. Michael van Brederode: „Das waren Nachmittage mit einer beeindruckenden Atmosphäre. Und es sind Arbeiten entstanden, die wir gerne einem größeren Publikum zeigen wollten.“

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