Kreis Düren - Vom Glück auf dem Dach und an Pferdehufen

Vom Glück auf dem Dach und an Pferdehufen

Von: Sarah Maria Berners
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Günter Polis ist als Schornsteinfeger quasi auch Glücksbringer von Beruf. Foto: smb
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Marcel Demary hält als Hufschmied täglich Glückssymbole ins Schmiedefeuer. Foto: smb

Kreis Düren. Wenn Günter Polis in seiner Arbeitskleidung auf der Straße unterwegs ist, dann freuen sich die meisten Menschen. Manche wollen einmal an den goldenen Knöpfen seiner Kluft reiben, andere ein bisschen Ruß ins Gesicht bekommen. Günter Polis ist Schornsteinfeger – und damit irgendwie auch hauptberuflicher Glücksbringer.

Kein anderer Beruf wird so sehr mit Glück in Verbindung gebracht wie seiner. „Wie schön, Sie zu sehen, dann wird es heute ein guter Tag“, sagen die Menschen häufig, wenn sie Schornsteinfegern begegnen.

Aber warum ist der schwarz gekleidete und für Kinder irgendwie auch ein bisschen furchterregende Schornsteinfeger eigentlich ein Glückssymbol? Einfach, weil er sauber macht. Und zwar nicht irgendwo, sondern im Kamin. „Mit dieser Arbeit können wir großes Unglück verhindern“, weiß Günter Polis.

So hat er vor gar nicht allzu langer Zeit ein Wespennest in einem Schornstein entdeckt und entfernt. „Anderenfalls hätten die Abgase nicht abziehen können und den Bewohner hätte Schlimmes widerfahren können.“ Kamine kehren und damit für Sicherheit und Wärme im Haus sorgen – das tun die Schornsteinfeger seit unzähligen Jahren und deswegen sind sie zu Glückssymbolen geworden, die in diesen Tagen oftmals als Figürchen in einem Topf mit Klee verschenkt werden.

Gesundheit ist Glück

Günter Polis weiß um das Image seines Berufsstandes, und er pflegt es. Seit vielen Jahren schickt der 55-Jährige seinen Kunden zum Jahreswechsel Karten – mit Glückssymbol versteht sich. „Ich habe schnell gemerkt, dass es den Menschen wichtig ist. Bei vielen hängt die Karte das ganze Jahr über in der Küche oder im Heizungskeller.“

Auch wenn sich der Beruf gewandelt hat, mehr Papierkram hinzugekommen ist und neben dem Kaminkehren Heizungsabnahmen, Feuerstättenschau und vieles mehr anstehen: Letztlich gehe es in dem Beruf immer noch darum, für Sicherheit zu sorgen. Auch wenn dafür immer wieder Überzeugungsarbeit erforderlich ist. „Ich mache die Gesetze nicht, aber ich muss für deren Einhaltung sorgen“, erklärt der Schornsteinfeger.

Glück, dass bedeutet für ihn in erster Linie Gesundheit und Wohlergehen – vor allem mit Blick auf seinen Beruf, bei dem er nunmal auf Dächern unterwegs und damit auch immer ein bisschen in Gefahr ist. „Ich habe schon häufiger Glück gehabt. Und der liebe Gott hat mir geholfen“, sagt der Vossenacker, der seit 40 Jahren im Dienst ist.

Marcel Demary ist kein personifizierter Glücksbringer, aber er hält „das Glück“ täglich in seinen Händen. Es ist heiß und biegsam und wird an Pferdehufe genagelt. Der 33-Jährige ist Hufschmied. Glücksbringer in allen möglichen Formen und Größen lagern in seinem Anhänger. Neben den Hufeisen stehen ein Amboss und ein Gasofen, es gibt Schubladen voller Nägel in allen denkbaren Größen.

„Bisher habe ich bei meiner Arbeit immer Glück gehabt“, sagt Marcel Demary. Das sei keineswegs selbstverständlich, schließlich arbeitet er mit Tieren, die ein Vielfaches seines Gewichtes auf die Waage bringen. Einmal ist ein Pferd alles andere als „schmiedefromm“ gewesen. Die Folge waren zwei gebrochene Rippen. „Aber das hätte auch noch ganz anders ausgehen können“, sagt Marcel Demary. Glück, das bedeutet für den Hufschmied, dass das Pferd gut läuft, der Kunde zufrieden ist und er selbst nach einem Arbeitstag noch immer gesund und munter.

Für den Hufschmied sind Hufeisen Arbeitsalltag. Aber immer wieder merkt er, was sie den Menschen über ihre eigentliche Funktion hinaus bedeuten. Was den Pferden als Hufschutz dient, ist den Menschen ein Glücksymbol geworden. Aber wie kommt das? Was das wertvolle Tier schützt, kann auch die Menschen schützen und ihm Glück bringen. So lautet eine Theorie zur Entstehung dieses Glückssymbols. Aber es gibt noch mehr. Einige gehen davon aus, dass das kostbare Material den Menschen in früheren Jahren verzaubert schien: Eisen, das im Feuer formbar wird und anschließend hart und widerstandsfähig ist. Außerdem gab es früher unter den Naturgöttern einen gehörnten, der die Menschen beschützt haben soll – und das Hufeisen glich seinen Hörnern . . .

Im Katalog des Schmieds sind die Hufeisen allesamt mit der Öffnung nach unten angebracht. Ob das Glück so wirklich herausfällt und verloren geht? Oder ob ein nach oben offenes Hufeisen doch die Hörner des Teufels symbolisiert?

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