Vom Fünf-Sterne-Hilton zum Chef im „Mariaweiler Hof“

Von: Thorsten Pracht
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20 Jahre lang war er in der Welt unterwegs, dann führte ihn der Weg nach Mariaweiler. Jan Mayer hat den „Mariaweiler Hof“ gekauft. Foto: Johnen

Mariaweiler. Jan Mayer ist ziemlich viel rumgekommen. „Ich war 20 Jahre lang in der Welt unterwegs“, sagt der 41-Jährige. Sein gesamtes Berufsleben hat er in der Hotellerie verbracht. Stuttgart, Frankfurt, Finanzchef des Kölner Interconti, Warschau, Tel Aviv. Bis zum Generaldirektor des Stockholmer Fünf-Sterne-Hilton führte die Karriere – mit nicht mal 40 Jahren. Und dann? Dann kaufte Mayer das Hotel „Mariaweiler Hof“.

Zwei Gründe seien es gewesen, die zu der radikalen beruflichen Neuorientierung geführt hätten. Der wichtigste: Mayer wollte seine beiden Kinder, die in Köln leben, regelmäßig sehen. Durch die vielen Umzüge war seine Ehe in die Brüche gegangen.

Und dann war da noch die Distanz zu den großen Hotelketten, die sich im Laufe der Jahre eingestellt hatte. „Sie haben mehr und mehr eine Mentalität entwickelt, die mir missfallen hat. Als Hoteldirektor möchte ich auch das Gefühl haben, dass es mein Hotel ist“, sagt Mayer. Die zentralen Strukturen bei den Giganten der Branche verhinderten das.

Also bereitete Mayer über Jahre seinen Ausstieg vor. Im Jahr 2010 habe er sich zum ersten Mal Gedanken darüber gemacht, ein eigenes Hotel zu kaufen. Suche im Internet, Kontakte zu Maklern, Gespräche mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband – der 41-Jährige nutzte sein Netzwerk.

Und er wusste, worauf es in einem kleineren Betrieb ankommt. Seine Eltern betrieben als Pächter ein Hotel in der Nähe von Freiburg. „Die Kombination aus meinen Erfahrungen im Familienbetrieb und der Arbeit für internationale Ketten war für mich ideal“, sagt der Chef des „Mariaweiler Hofs“. Auf den stieß er Ende 2013, als die Vorbesitzer verkaufen wollten.

Standort, Zustand und Größe – mehr als 20 Zimmer, nicht mehr als 40 – waren die wichtigsten Faktoren. Mehrere Besuche in Mariaweiler überzeugten ihn, irgendwann stand auch die Finanzierung. Und seit August 2014 darf Jan Mayer ein Drei-Sterne-Superior-Hotel mit 25 Zimmern sein eigen nennen.

Seitdem ist viel passiert. „Wir haben über 100.000 Euro investiert“, sagt der Hotelchef, dessen Team elf Angestellte umfasst. Das Restaurant, die Bar, Küche und Technik wurden erneuert. Ein Großteil der Zimmer wurde mit neuen Betten, Teppichen und Flachbildfernsehern ausgestattet. Die zehn Zimmer im Altbau sollen spätestens im kommenden Jahr folgen, der Parkplatz wird neu gestaltet und irgendwann will Mayer das Haus mit einer Klimaanlage ausstatten.

„Wenn das alles fertig ist, haben wir hier alles einmal umgedreht“, sagt er. Als Mayer das Haus übernahm, habe die Jahresauslastung noch bei 60 Prozent gelegen, im Jahr 2015 seien es bereits 78 Prozent gewesen, verweist er auf erste Erfolge. Der Auftritt im Internet wurde verbessert, Auffindbarkeit und Buchbarkeit des Hauses im Netz optimiert.

Heute kämen in der Woche durch die Dürener Industrie viele Geschäftsreisende in den „Mariaweiler Hof“. Für eine Auslastung von fast 80 Prozent reichen die aber nicht, dafür müssen die Zimmer auch am Wochenende belegt sein.

Mayer ist auf niederländischen Portalen für Fahrrad- und Wanderurlaube vertreten. Kommende Woche macht ein Betriebsausflug aus Bayern Station im dann ausgebuchten „Mariaweiler Hof“, die Gäste wollen sich Köln, Aachen, Maastricht und die Eifel anschauen. „Die Lage dieser Stadt ist perfekt“, sagt Mayer und schiebt hinterher: „Nur hat es noch keiner kapiert. In Sachen Tourismus und Marketing ist Düren eine Katastrophe.“

Seine Unterstützung habe er bei Politik und Verwaltung angeboten, gemeldet habe sich aber niemand. So geht der Vollblut-Hotelier, der jetzt in Merzenich lebt, weiter seinen eigenen Weg. „Wir haben für die nächsten drei Jahre das Ziel, unser Haus auf ein Top-Niveau für unsere Kategorie zu bringen“, sagt er.

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