Volkskrankheit Übergewicht im Medizin-Forum

Von: Stephan Johnen
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Der Weg zum Normalgewicht ist nicht leicht. Ernährung und Bewegung sind wichtig. Für manche Menschen kann eine Magenverkleinerung sinnvoll sein. Foto: stock/Medicimage
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Dr. Christian Schäfer und Dr. Hans-Peter Wüllenweber vom Marienhospital sowie Barbara Feykens von der AOK (v.l.) standen als Ansprechpartner bereit. Moderiert wurde der Abend von Sarah Maria Berners (l.). Foto: sj

Düren. Starkes Übergewicht macht krank. Die sogenannte Adipositas lässt die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen erheblich steigen – und reduziert die Lebenserwartung.

Die Zahl der Patienten steigt, etwa 24 Prozent der Deutsche gelten mittlerweile als adipös. Die Therapie kostet jedes Jahr rund 15 Milliarden Euro. Neben den direkten gesundheitlichen Folgen habe Adipositas oft auch psychosoziale Folgen wie Vereinsamung und Depressionen. Die Volkskrankheit Übergewicht stand im Mittelpunkt des Medizin-Forums, zu dem die DZ in Kooperation mit dem Birkesdorfer St.-Marien-Hospital und der AOK in den großen Saal der Evangelischen Gemeinde zu Düren eingeladen hatte.

Mit Dr. Hans-Peter Wüllenweber, Chefarzt der Abteilung für Chirurgie, und Dr. Christian Schäfer, Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin, standen zwei Experten des St.-Marien-Hospitals Rede und Antwort zu Fragen der Ursachen und der Therapie. Moderiert wurde die Veranstaltung von DZ-Redakteurin Sarah Maria Berners.

Gründe für eine drastische Gewichtszunahme sind aus Sicht von Dr. Christian Schäfer vor allem in der persönlichen Lebensführung zu suchen. „Viele Menschen essen zu viel – und das Falsche“, bilanzierte der Mediziner. Parallel dazu sei das Gleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch gestört. Will heißen: Während auf der einen Seite viel energiereiche Nahrung verspeist wird, gibt es auf der anderen Seite wenig körperliche Bewegung und Sport. Doch mit Sport allein könne das Problem Übergewicht nicht in den Griff bekommen werden. Sein Rat: „Lernen Sie kochen.“

Viele frische Zutaten, viel Gemüse, wenig Fleisch, Eier und Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln) seien die Grundlage einer gesunden Ernährung. Als Faustregel für eine Mahlzeit gelte: Eine Portion sollte zu 50 Prozent mit Gemüse und zu einem Viertel aus Fleisch und Kohlenhydraten bestehen. Auf Fertiggerichte, Snacks und Süßigkeiten sollte ein Bogen gemacht werden. Auch das eigene Verhalten sei entscheidend. Wer bei Langeweile zur Süßigkeitentüte greife, solle beispielsweise versuchen, Aktivitäten zu planen, um erst gar keine Langeweile aufkommen zu lassen. Wer abnehmen möchte, müsse sich ein klares und realistisches Ziel setzen – und einen Zeitraum bestimmen, in dem das Körpergewicht reduziert werden soll.

Erster Schritt einer Therapie sei – außer bei Patienten, bei denen aufgrund eines äußerst hohen Körpergewichts und/oder schwerer weiterer Erkrankungen direkter Handlungsbedarf bestehe, zunächst ein kontrollierter und von Fachleuten begleiteter Versuch abzunehmen. Wer weiterhin einen Body-Mass-Index über 40 habe und den erfolglosen strukturierten Abnehmversuch nachweisen kann, kann bei seiner Krankenkasse den Antrag auf eine Adipositaschirurgie stellen. „Jedem Antrag folgt eine Einzelfalluntersuchung beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung“, erklärte Barbara Feykens von der AOK.

Mögliche und in Deutschland übliche Eingriffe sind beispielsweise das Einsetzen eines Magenbandes, ein Magenbypass oder die Verkleinerung des Magens (Schlauchmagen), erklärte Dr. Hans-Peter Wüllenweber. Während das Magenband eine Art mechanischer Essbremse darstellt, die den Zugang zum Magen reguliert, wird bei den anderen Möglichkeiten der Magen operativ verkleinert. Er fasst dann deutlich weniger Inhalt.

„Komplikationen sind relativ selten, aber es gibt auch Nebenwirkungen“, berichtete Wüllenweber. Bei deutschlandweit 7126 Operationen im vergangenen Jahr seien 15 Patienten gestorben. Nach einem Magenbypass oder einer Magenverkleinerung könnten Patienten 60 bis 80 Prozent des Übergewichts verlieren. Aufgrund der verringerten Nährstoffaufnahme könne es aber zu Nährstoffmängeln kommen. Eine lebenslange Nachsorge und Substitution beispielsweise mit Vitamin-Präparaten sei daher notwendig. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Gewichtsabnahme bei den Patienten dauerhaft sei.

Christel Scharfenort, Gründerin von zwei Selbsthilfegruppen, berichtete zum Abschluss von ihrem Weg und dem Entschluss zu einer Operation. „Ich habe einmal 170 Kilogramm gewogen“, verdeutlichte sie. Mehr als 100 Kilogramm habe sie seit 2005 verloren. „Ich esse alles, nur kleinere Portionen. Ich bin zum Gourmet-Esser geworden“, sagte sie.

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