Düren - Violengasse: 300 Jahre Geschichte in wenigen Zentimetern

Violengasse: 300 Jahre Geschichte in wenigen Zentimetern

Von: sj
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Dr. Andreas Vieten leitet die archäologische Begleitung der Kanalbauarbeiten in der Violengasse. Foto: Stephan Johnen

Düren. Mörtel ist gleich Mörtel? Weit gefehlt. Die Römer haben einen anderen angerührt als die Maurer im Mittelalter, selbst zwischen dem 19. Jahrhundert und der Barockzeit gibt es Unterschiede. „Oft kann ich es sehen, manchmal muss der Mörtel nur in der Hand zerrieben werden“, sagt Archäologe Dr. Andreas Vieten.

Und was er jüngst in Düren zwischen den Fingern hatte, fühlte sich eindeutig nach 17. Jahrhundert an. Nur wenige Zentimeter unter der Violengasse stieß der Archäologe auf Fundamente, die bis in die Barockzeit reichen.

Um Platz für einen neuen, größeren Regenwasserkanal zu schaffen, wird noch etwa ein halbes Jahr in der Violengasse gearbeitet. Doch bevor der Kanal, der Überschwemmungen der Innenstadt verhindern soll, verlegt wird, hat Archäologe Andreas Vieten noch viel zu tun.

„Wir graben alles aus und dokumentieren die Funde“, sagt er. Was auf alten Stadtplänen und vor der Zerstörung der Stadt am 16. November 1944 gemachten Bildern zu erkennen ist, zeigt sich auch an den Schritt für Schritt freigelegten Mauerresten: Die Gasse wurde beim Neuaufbau der Stadt kräftig verbreitert.

Daher sind vermutlich auf ganzer Länge die Außenmauern noch zu erkennen, teilweise sogar die Keller. Aus den 1920er Jahren stammt beispielsweise der Keller an der Ecke zum Hoeschplatz, manches Mauerwerk Richtung Rathaus stammt aus dem 17. Jahrhundert und muss im Laufe der Zeit entweder zerstört oder überbaut worden sein. „Wir erkennen ganz gut, dass die Gasse vor 300 Jahren schon einmal verbreitert worden ist“, sagt Vieten.

Atemberaubende Funde sind bislang nicht ans Tageslicht gekommen. Für Andreas Vieten, der auch Bauhistoriker ist, sei die Arbeit in Düren dennoch sehr spannend. „Es ist äußerst selten, dass eine ganze Straße ausgegraben werden kann“, sagt er. Beim Aufbau der im Zweiten Weltkrieg beinahe vollständig zerstörten Stadt seien die Keller offenbar zugeschüttet und darüber mit den Arbeiten begonnen worden.

Auch die Dürener interessieren sich für den Einblick in die Stadtgeschichte: Der Archäologe hat täglich Zaungäste. Diese Situation möchte Rolf Delhougne, der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsunion, gerne bewahren: Er schlägt vor, wie in Aachen archäologische „Schaukästen“ zu installieren und einen Blick „in“ die Violengasse von damals zu ermöglichen.

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