Viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge führt der Weg nach Düren

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
10962322.jpg
Meike Stolberger kümmert sich im Jugendamt der Stadt Düren um Vormundschaften und Pflegschaften. Foto: Stephan Johnen

Düren. Wenn Eltern nicht die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen können, wird das Kind von einem Gericht unter Vormundschaft gestellt. Der Vormund regelt bis zur Volljährigkeit unter anderem die Finanzen, kümmert sich um schulische und medizinische Belange und kann beispielsweise auch entscheiden, mit wem die Kinder Kontakte pflegen dürfen.

Findet sich im Kreis der Familie kein geeigneter Vormund, kann das Gericht einen Mitarbeiter des Jugendamtes bestimmen. Möglich ist auch, dass sich ein gesetzlich bestellter Ergänzungspfleger nur um gewisse Bereiche des Lebens kümmert, weil die Eltern überfordert waren, beispielsweise die Gesundheitsvorsorge. Minderjährigen Eltern wird ein sogenannter Berufsbetreuer zur Seite gestellt. Es sind Mitarbeiter des Jugendamtes wie Meike Stolberger, die sich um die Belange der Kinder und Jugendlichen kümmern, ihre Interessen vertreten.

Derzeit sind Maike Stolberger und drei weitere Kollegen des Jugendamtes für 179 Fälle zuständig, eine Stelle wurde neu geschaffen. Der Bedarf steigt kontinuierlich. „Es ist gesetzlich geregelt, dass ein Vormund maximal 50 Fälle bearbeiten darf“, sagt Amtsleiter Ansgar Kieven. Angesichts der Flüchtlingsströme hat auch diese Abteilung des Jugendamtes immer mehr zu tun, steigt die Belastung. Aktuell leben 24 unbegleitete minderjährig Flüchtlinge unter Vormundschaft des Jugendamtes in der Stadt.

Es sind Kinder, die ohne Eltern oder erwachsene Verwandte die Flucht angetreten haben und beispielsweise von Bundespolizisten aufgegriffen wurden. Sie wohnen im Kinderheim und in Wohngruppen freier Träger, manche haben aber auch Zuflucht bei Verwandten gefunden, die bereits in der Region leben. Derzeit stellt sich das Jugendamt darauf ein, dass voraussichtlich zum 1. November 20 weitere Kinder aus einer zentralen Unterbringung in Aachen nach Düren kommen werden.

„Das ist nur die erste Schätzung“, sagt Amtsleiter Ansgar Kieven. Er rechnet ohnehin mit weiter steigenden Zahlen. „Derzeit wissen wir nicht, wie alte die Kinder und Jugendlichen sein werden, woher sie kommen, welche Sprachen sie sprechen“, sagt Meike Stolberger. Mit den Trägern der freien Wohlfahrtspflege stehe das Jugendamt im regen Austausch, um die Unterbringung der unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge zu ermöglichen. Beteiligt sind der Sozialdienst katholischer Frauen, der Caritasverband, die Arbeiterwohlfahrt und das Kinderheim St. Josef.

„Wir müssen neue stationäre Einrichtungen schaffen“, erklärt Ansgar Kieven. Der Gesetzgeber gibt dafür klare Regeln vor, beispielsweise für die Größe und Ausstattung der Räume und den Personalschlüssel, den die betreuenden Einrichtungen zu erfüllen haben. „Alle Beteiligten strecken sich nach der Decke, um diese Herausforderung meistern zu können“, berichtet der Jugendamtsleiter. Er ergänzt: „In der Fachwelt wird darüber diskutiert, ob wir den Standard halten können – oder es Ausnahmeregelungen geben muss.“

„Ganz wichtig ist eine schnelle schulische und berufliche Integration“, findet Meike Stolberger. Bis zur Volljährigkeit können die jungen Flüchtlinge auch im Fall eines Ablehnung ihres Asylantrags bleiben. Danach droht die Abschiebung. Ansgar Kieven ist überzeugt, dass schnell eine gesetzliche Regelung gefunden werden muss, um die Integration nach dem Abschluss der Schule oder einer Ausbildung zu erleichtern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert