Viele Feldränder in Vettweiß erblühen

Von: Jörg Abels
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Startschuss zur Bepflanzung von Feldrändern in der Gemeinde Vettweiß: Heidrun Düssel-Siebert von der Biologischen Station Kreis Düren (l.) sät am Feld von Landwirt Michael Schönen (3.v.r.). Mit dabei sind Bürgermeister Joachim Kunth (4.v.r.), dessen Stellvertreter und Ortslandwirt Franz Erasmis (3.v.l) sowie Mitarbeiter der Bio-Station Bonn/Rhein-Erft. Foto: Abels
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Die ausgebrachte Wildkräutermischung besteht aus Samen von 16 Pflanzen, die einst für die Bördelandschaft typisch waren. Foto: Abels

Kelz. Die Äcker in der Zülpicher Börde zählen zu den fruchtbarsten der Region, ideal für Intensivlandwirtschaft. Jeder Meter des kostbaren Bodens wird genutzt. Zwischen dem Feld und dem angrenzenden Wirtschaftsweg bleibt oft nur ein schmaler Wegrain, der nicht gerade vor Artenreichtum sprudelt.

Da machen die Äcker rund um Kelz keine Ausnahme. Ein bisschen Gras, hier und da ein gelber Löwenzahntupfer – das war's. Der ideale Lebensraum für Insekten, die Nahrungsgrundlage vieler Vögel sind, sieht anders aus.

Das will die Biologische Station des Kreises Düren ändern. Im Rahmen des vom Landschaftsverband Rheinland geförderten Projekts „Wegrainmanagement“ soll die früher an den Feldrändern übliche Pflanzenvielfalt in den kommenden drei Jahren auch in Teile der Gemeinde Vettweiß zurückkehren. Ein halbes Dutzend Landwirte hat sich bereiterklärt, das von der Gemeinde und Bürgermeister Joachim Kunth (CDU) begrüßte Projekt zu unterstützen, so dass in den kommenden Tagen Wegränder in einer Gesamtgröße von 3000 Quadratmetern mit ehemals bördetypischen Wildpflanzen eingesät werden können. So erklärt es die wissenschaftliche Leiterin der Station, Heidrun Düssel-Siebert.

Dass die Wahl der Biologischen Station auf die Gemeinde Vettweiß fiel, hat vor allem einen Grund: Rund um Kelz und an einigen weiteren Stellen im Gemeindegebiet findet sich noch die ansonsten in Nordrhein-Westfalen weitgehend ausgestorbene Grauammer. „Die Grauammer ist ein Bodenbrüter, der für die Aufzucht seiner Jungen im Sommer eiweißreiche Nahrung braucht“, erklärt die Biologin. Der Zusammenhang zwischen einem artenreichen Wegesrand und dem bedrohten Vogel liegt auf der Hand: Mehr Pflanzen locken mehr Insekten an, die eine ideale Nahrungsgrundlage auch für andere Vogelarten darstellen. Und dicht bepflanzte Wegraine sind darüber hinaus idealer Rückzugsraum für Hase und Rebhuhn und Nist- und Überwinterungsplatz von Insekten, Reptilien, Vögeln und Säugetieren.

Mit Unterstützung von Kollegen der Bio-Station Bonn/Rhein-Erft wurden am Dienstag die ersten Feldränder eingesät – mit Samen unter anderem von Schafgerbe und Flockenblume, wilder Möhre, Lab- und Johanniskraut, aber auch Magerwiesen-Magarite und Hornklee. Insgesamt beinhalte die „Regiosaatmischung“ 16 ortstypische Pflanzen.

Parzellengenaue Tipps

Die Einsaat der Wegraine ist aber nur ein Teil des Projekts. Dazu gehört auch die Erstellung von Bewirtschaftungskonzepten, die der Gemeinde, vor allem aber den Landwirten Tipps geben sollen, den bördetypischen Lebensraum zu verbessern und langfristig zu erhalten. Für die Landwirte bedeutet das, sie müssen den Pflegerhythmus anpassen, die Wegeränder nicht mehr in Gänze, sondern abschnittsweise mähen, und beim Einsatz von Düngemittel und Pestiziden auf ihren Feldern besonders vorsichtig sein, um die frisch eingesäten Wegraine nicht zu gefährden.

Für Landwirt Michael Schönen, an dessen Feld die sogenannte Initialpflanzung am Dienstag startete, ist das kein Problem. Er will auf seinem Acker zwischen Kelz und Irresheim Mais anbauen und hat den Acker bereits vor Wochen mit Gülle gedüngt. „Mehr braucht die Maispflanze nicht.“ Schönen macht aber auch deutlich, dass die Landwirte heutzutage dank modernster Maschinentechnik Dünger und Pestizide punktgenau aufbringen können.

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