Viel Gesprächsstoff: Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl

Von: Stephan Johnen
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Kampf um den Chefsessel im Rathaus: Karl-Georg Steffens, Bernd Becker und Ingo Eßer (v.l.) stellten sich vor mehr als 200 Zuhörern den Fragen der Lokalredakteure Sarah Maria Berners und Ingo Latotzki. Foto: Johnen

Kreuzau. An Gesprächsstoff mangelte es nicht. Bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung zur Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Kreuzau umrissen die Kandidaten viele Handlungsfelder. Doch für zwei zentrale Fragen konnten sie in der Festhalle noch keine Lösung präsentieren. „Die Gemeinde sucht weiter Geld und eine Lösung des Verkehrsproblems“, zog einer der mehr als 200 Zuhörer Bilanz.

Soweit, so unumstritten. Dass in den Punkten Gemeindefinanzen und Verkehrsbelastung etwas geschehen muss, darüber herrschte bei Ingo Eßer (CDU), Dr. Karl-Georg Steffens, dem Kandidaten von SPD und Grünen, und dem parteilosen Bernd Becker Einigkeit. Sie alle verdeutlichten aber auch mit Blick auf das Verkehrsproblem, dass eine Entlastung nicht im Handumdrehen zu erreichen ist. Gleichzeitig müssten auch der Fortbestand und Erweiterungsmöglichkeiten der Industrie gesichert werden. „Wir sind froh, dass wir Industriebetriebe haben. Aber sie schränken auch die Lebensqualität ein“, schilderte Karl-Georg Steffens den Spagat, den die Politik bei der Interessenabwägung meistern muss.

Steffens, Professor an einer Logistik-Universität, setzt auf Prozessverbesserung und bessere Absprachen der Betriebe und Transportunternehmen sowie eine Revitalisierung des Runden Tisches mit Vertretern von Gemeinde, Anwohnern und Unternehmen. Auch eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene könne Teil der Lösung sein. Ingo Eßer möchte „das Problem nicht nur auf die großen Betriebe reduzieren“, schließlich sei auch die Zahl der Fahrzeuge pro Haushalt deutlich gestiegen. Ein Durchstich der K 29n in Richtung der L 249 könne beispielsweise für Entlastung sorgen. Auch Bernd Becker möchte sich als Bürgermeister für neue (Umgehungs-)Straßen einsetzen – „auch durchs Naturschutzgebiet“. „Der Mensch genießt ebenfalls Schutz“, sagte er. Aus diesem Grund sieht Becker eine starke Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene kritisch: „Nächtlicher Güterverkehr ist auch keine Lösung.“

Beim Thema Haushalt fordert Karl-Georg Steffens, keine Tabuthemen zuzulassen. Er plädiert für die Einrichtung eines Lenkungs- und Sanierungsausschusses und fordert einen Masterplan, der klar Einsparpotenziale aufzeigt und Möglichkeiten skizzieren soll, neue Einnahmemöglichkeiten zu erschließen, beispielsweise durch die Ansiedlung von Gewerbetreibenden. Denkbar sei auch – und für diesen Vorschlag erntete er viel Gegenwind aus dem Publikum – eine Hallennutzungsgebühr für Vereine. Nicht pauschal, sondern gestaffelt nach dem Einsatz der Vereine für das Gemeinwohl. Nach welchen Kriterien eine solche Staffelung erfolgen soll, ließ er offen.

Klar gegen eine Nutzungsgebühr sprach sich Ingo Eßer aus. Er forderte strikte Haushaltsdisziplin, um einen Sparkommissar zu verhindern. Konkrete Ideen, wo der Rotstift angesetzt werden kann, habe er derzeit nicht, sagte Eßer. Er könne sich aber vorstellen, beispielsweise die Vereinsheime an Vereine zu übertragen und gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, Betriebskosten zu sparen. Mehr Einnahmen könnten Windräder bringen. Doch angesichts der angespannten Lage seien weitere Steuererhöhungen nicht ausgeschlossen. Eßer: „Da müssen wir uns nicht in die Tasche lügen.“

„Wenn der Bürger erklärt bekommt, welche Kosten die Gemeinde alle stemmen muss, versteht er das auch“, ist Bernd Becker er überzeugt. „Die Dörfer müssen sich selber helfen“, regt er an, unter anderem für Grünschnittarbeiten einen Betrag X zur Verfügung zu stellen und Partner in den Orten zu finden. Das Thema Erhalt und Verbesserung Nahversorgung haben sich alle auf die Fahnen geschrieben. Während Karl-Georg Steffens diesen Punkt im Masterplan angesiedelt sieht, fordert Ingo Eßer ein Einzelhandelskonzept.

Mit rheinischer Gelassenheit beantwortete Bernd Becker, der sich selbst als „blutigen Anfänger“ bezeichnet, eine Zuhörerfrage, wie er denn die Verwaltung ohne Erfahrung führen wolle: „Ein Bürgermeister muss zunächst das Herz am richtigen Fleck haben.“ Er sei bereit zu lernen. Wer das Rennen in Kreuzau macht, entscheiden die Wähler am 25. Mai.

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