Vibrafonmusik auf Burg Langendorf: Neue Töne aus neuem Instrument

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
14873043.jpg
Mit Ganzkörpereinsatz: Clara Louise de Groote entlockt ihrem Instrument ganz neue Töne. Foto: bel

Langendorf. Der schwarze Flügel war den Besuchern wohl bekannt, doch die Funktionen des Aufbaus neben ihm konnten nicht alle Gäste in der Remise von Burg Langendorf auf Anhieb erkennen. Es war ein modernes Instrument mit Vibrafon, Tape und Computer.

Eingebettet war das Konzert in der Remise von Burg Langendorf von Kompositionen aus Klassik, Barock und Romantik. Die national und international renommierte Pianistin Brigitta Wollenweber, die ihre ersten Lebensjahre in Zülpich verbracht hatte, spielte aus ihrem üppigen Repertoire Stücke von Beethoven, Schubert, Satie und Chopin. Ludwig van Beethovens „Sonate op. 13 c-Moll“ – besser bekannt als „Pathetique“ – eröffnete den Reigen mit vielen bekannten Klavierwerken.

Mit wuchtigen Akkorden und dynamischem Anschlag ließ die Künstlerin keinen Raum für andere Gedanken als die des Komponisten. Virtuoses Spiel, manchmal verwirrend in seiner intensiven Schnelligkeit und dem Anspruch des Horchens, ließen den Saal stiller werden. Interessant die hier und da abweichenden Meinungen der Gäste in der Pause. War die „Pathetique“ nun dynamisch genug gespielt oder nicht? Spielen Frauen und Männer dieses Werk anders? Die Frauen weicher, die Männer härter?

Franz Schuberts „Impromptus op. 90 D 899“ boten in vier Sätzen etwas Raffiniertes. Zu Beginn erklang oft eine simple Melodie, in den meisten Fällen durchaus singbar. Hatte sich das Gemüt des Zuhörers auf diese angenehm-einschmeichelnde Melodie eingestellt, wurde er durch laute Akkorde aufgeschreckt. Erinnerungen an Kompositionen von Chopin und Liszt wurden in einigen Passagen wach.

Von ruhig ins Dramatische

Virtuose Tastenwirbel änderten die vorher ruhige Atmosphäre zum Dramatischen. Und dann wieder perlten die Melodien der rechten Hand, während die linke keine Ruhe gab. Verführerisch einfache Melodien mutierten zu furiosen Läufen und Akkorden.

Im zweiten Teil des Konzerts interpretierte Brigitta Wollenweber, Professorin für Klavier und Leiterin der Fachgruppe an der „Hochschule für Musik Hanns Eisler“ in Berlin, von Erik Satie die „Gymnopedie Nr. 1“ und „Danse de travers Nr. 2“, Kompositionen zum Entspannen. Die Balladen „F-Dur“, „g-Moll“ und das „Scherzo b-Moll“ von Frederic Chopin rundeten eine hervorragende Darbietung Brigitta Wollenwebers ab.

Was aber geschah zwischen dem ersten und zweiten Auftritt Wollenwebers? Die Ansammlung von Instrumenten und Geräten rechts vom Flügel nutzte die 15-jährige Musikerin Clara Louise de Groote. Ungläubigkeit und Spannung standen vielen Gästen ins Gesicht geschrieben. Zwischen den Geräten, die in U-Form angeordnet waren, hantierte die Künstlerin. Bis vor einigen Jahren hat sie noch Geige gespielt.

Das Schlagzeug ihres Vaters aber ließ sie vom Streichinstrument zum Schlagwerk wechseln. Mit diesem Vibrafon plus Beigaben wurde Clara Louise de Groote 2017 Preisträgerin des Sonderpreises für Neue Musik beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ der Manfred Vetter Stiftung für Kunst und Kultur. Dotiert ist er mit 5000 Euro.

Die Preisträgerin interpretierte „Interzones“ für Vibrafon und Tonband von Bruce Hamilton und „Wooden Stars“ für Setup und Computer von Geoff Holbrook. Stillstand auf den Bühnenbrettern gab es nicht. Die Augen der Künstlerin waren in ihrem Viereck dauernd unterwegs, von riesigen Notenblättern zu den Instrumenten und zurück. Hände und Beine waren in ständiger, rhythmischer Bewegung. Perfekte Abstimmung erzeugte unbekannte Klänge, erzählten vielfache Geschichten aus dem Jetzt. Das waren Stimmen, nicht chorisch in Harmonie, sondern verwirrend, voneinander wegstrebend zum überbordenden Individualismus unserer Zeit.

Nach dem Konzert: Nahezu jeder war begeistert von Clara Louise de Groote und ihrem ungewöhnlichen Instrument und von Brigitta Wollenweber und ihrem fantastischen Klavierspiel.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert