Vettweisser Tisch schlägt Brücke zwischen Überfluss und Mangel

Von: Sarah Maria Berners
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Vor der Ausgabe ist viel zu tun: Im Sortierraum kontrollieren Hubertine Roeb, Matthias Reitler und Helga Schmidt (v.l.) die von Supermärkten aussortierten Waren. Foto: Sarah Maria Berners

Vettweiß. Die Lieferung ist gerade erst angekommen: kistenweise Obst und Gemüse, etliche Pakete Brot. Bis der Vettweißer Tisch öffnet, dauert es noch etwa eine Stunde. Es gibt noch viel zu tun. Trotzdem warten die ersten Kunden schon vor der Tür.

351 Kunden hatte der Vettweißer Tisch im vergangenen Monat. Einige kamen nur einmal, andere häufiger. Der Juli war ein Rekordmonat, ein trauriger Rekord. „Das liegt unter anderem an der gestiegenen Zahl von Asylbewerbern“, erklärt Ursula Tzamtzis, die Schriftführerin des Vettweißer Tisches ist und beim Sozialamt arbeitet.

23 Berechtigungskarten sind im Besitz von Asylbewerbern. 110 dieser Karten sind insgesamt im Umlauf. „Dahinter stecken 246 Menschen“, erklärt Ursula Tzamtzis. Jeden Tag – bis auf Sonntag – fahren die ehrenamtlichen Helfer des Vettweißer Tisches die Supermärkte an. Bis vor kurzem steuerten sie dann einen Raum an der Kreuzung Gereonstraße/Dürener Straße an. „Aber der war viel zu klein, da konnte man nicht vernünftig arbeiten“, sagt Kassierer Hubert Nix. Auch die Anlieferung war schwierig.

Deswegen zog der Vettweißer Tisch nun ein paar Meter weiter die Straße hinauf. Dort gibt es genügend Platz, um die Waren auszugeben, es gibt eine Kühlung, einen Raum zum Vorsortieren. Dort nehmen Hubertine Roeb, Matthias Reitler und Helga Schmidt am Morgen Äpfel, Gurken, Salatköpfe und vieles mehr aus ihren Verpackungen.

„Wenn ein Apfel angedötscht ist, wird das ganze Paket aussortiert. Dabei sind fünf Äpfel noch völlig in Ordnung“, beschreibt Matthias Reitler. Den Kunden des Vettweißer Tisches kommt diese „Ausschussware“ zugute.

Die Ehrenamtler schlagen eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel. „Die gute Qualität und die Menge der Waren, die von Supermärkten aussortiert wird, ist erstaunlich“, sagt Hubert Nix. Aber nicht nur von den Supermärkten kommen die Waren, der Tisch wird auch von einigen Landwirten unterstützt.

Bringdienst für Senioren

Nicht alle Kunden der Tafel wissen mit den frischen Produkten umzugehen. „Bei der Ausgabe beraten wir die Leute schon mal, wie man ein Gemüse zubereiten könnte“, erklärt Irmgard Rosbroy, die stellvertretende Vorsitzende des Tisches. 62 Mitglieder hat der Verein, 35 davon machen aktiv mit, fahren die Supermärkte ab, geben zweimal pro Woche die Lebensmittel aus. Für einen symbolischen Euro erhalten die Kunden einen Korb voll Lebensmittel. „Aber selbst den haben nicht alle Menschen am Monatsende übrig“, weiß Irmgard Rosbroy.

„Auch bei uns auf dem Land, gibt es Menschen, die arm sind“, sagt Helga Schmidt, die Ortsvorsteherin von Disternich. Diese Tatsache ist ihre Motivation, beim Vettweißer Tisch mit anzupacken. Hubertine Roeb engagiert sich mit ihrer gesamten Familie beim Vettweißer Tisch. „Ein gutes Werk zu tun bereitet schließlich auch Freude“, begründet sie. Und sie weiß, das manche Menschen überrascht waren, dass eine Einrichtung wie der Vettweißer Tisch in der Landkommune überhaupt notwendig ist.

„Für manche Menschen ist es nicht einfach, zu uns zu kommen“, sagt Irmgard Rosbroy. Einige würden sich schämen. „Aber wir haben Verständnis für bedürftige Menschen.“

Für Senioren, die wegen der Busverbindungen nicht in den Zentralort kommen, haben die Ehrenamtler sogar einen Bringdienst eingerichtet. Außerdem organisieren sie Aktionen für Kinder, und jetzt, da die Einschulung naht, sind auch Schultüten beim Tisch zu haben.

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