Vettweißer stolpern über Erinnerungen

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Während in Vettweiß bereits vier Stolpersteine verlegt wurden, gibt es nun auch in Lüxheim sieben Stück. Sie erinnern an die Familie Schwarz, die in der Nikolausstraße wohnte.
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Rosen für die Opfer: An die Opfer des Nationalsozialismus erinnert nun eine Gedenktafel.

Vettweiß. Neben Salomon Sommer und seiner Frau Clementine Sommer, lebten auch die Schwestern von Salomon, Minchen und Tina, mit in dem Haushalt in der Küchengasse 4 in Vettweiß. Heute wohnt dort jemand anders. Jemand, der vielleicht gar nicht weiß, welches Schicksal über die Familie Sommer gekommen ist.

Zahlreiche Vettweißer Bürger lauschten Niklas, der die Geschichte dieser Familie auf dem Platz an der Schulstraße vortrug. Zusammengekommen waren sie alle, um an der Enthüllung der neuen Gedenktafel teilzunehmen. „Um ein Stück Vettweißer Geschichte in Erinnerung zu rufen, darf ich Sie hier und heute begrüßen“, eröffnete Bürgermeister Joachim Kunth seine Rede.

Vertreter der Bundes- und Landespolitik, des Kreises Düren, des Vettweißer Gemeinderates und viele Interessierte hatten sich versammelt, um dem Anstoß folge zu leisten und aufmerksam zu sein, dafür, wie sehr auch Vettweiß in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg gelitten hat, wie viele Menschen aus der Gemeinde zu Opfern wurden.

„Gedenktafeln und Stolpersteine erinnern an eben diese Opfer des Nationalsozialismus, an Menschen, die in den Jahren des Dritten Reichs verfolgt, entrechtet, gedemütigt, in die Flucht getrieben und schlussendlich ermordet wurden“, machte Kunth aufmerksam.

Idee junger Menschen

Die niedergelegte Gedenktafel unmittelbar vor dem bereits vorhandenen Gedenkstein, soll diese jüdischen Mitbürger unvergessen machen. Das Metallemblem entstammt der Idee junger Menschen aus der Gemeinde Vettweiß, die sich bereits seit Jahren mit diesem Thema auseinandersetzen. In der Mitte ist die Synagoge in Vettweiß abgebildet, eingerahmt von einem Davidstern. Auf der Fassade des Hauses sind die Namen der jüdischen Familien aus Vettweiß wiedergegeben.

Eben diese Familien und ihr Schicksal stellen Niklas, Sarah, Matthis und Julian vor. Jeweils eine rote Rose liegt nun für jede der Familien, die aufgelistet sind auf der Tafel. Und so erfuhren die Gäste auch, dass die gesamte Familie Sommer nicht vor der Deportation bewahrt werden konnte und von den Nazis ausgelöscht wurde.

Emotional erläuterte Pfarrerin Susanne Rössler, als Gastrednerin, dass auch viele Geschehnisse in der heutigen Zeit leider ähnlich den Geschehnissen von damals sind und das Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit bedauerlicherweise auch momentan in vielen Ländern herrscht. Dr. Benno Esser, Vertreter der jüdischen Gemeinde, dankte sowohl den Jugendlichen, als auch der Vettweißer Gemeinde für die Initiierung und Aufstellung der Gedenktafel. Er betonte: „Noch heute werden Juden und andere religiöse Minderheiten in vielen Teilen der Welt verfolgt, drangsaliert, vertrieben, gefoltert und getötet.“

Ein solcher Gedenktag, wie dieser in Vettweiß sei nicht nur wichtig, um an die Geschichte zu erinnern. Er solle ebenfalls dazu dienen, auf die heutige Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen und ihr entgegenzuwirken. In liberaler jüdischer Tradition und beeindruckend für alle Zuhörer, sprach Esser das „El Male Rachamim“ für alle Opfer in hebräischer Sprache.

Anschließend ging die Reise der Erinnerung nach Lüxheim. Auch dort stand einst eine Synagoge und auch dort hat es zahlreiche Opfer gegeben. Während bereits vier Stolpersteine in Vettweiß liegen, wurden nun auch sieben weitere in Lüxheim verlegt. Diese sollen insbesondere an das Schicksal der Familie Schwarz erinnern. Diese wohnte unweit des Ortes, an dem sich jetzt alle Gäste eingefunden hatten, in der Nikolausstraße 23.

In Gedenken an die sieben Kinder der Eheleute Abraham und Gudula Schwarz, wurden sieben Stolpersteine von den Jugendlichen und von Bürgermeister Joachim Kunth verlegt. Auch hier stellten die Jugendlichen jeden einzelnen vor und legten jeweils eine Rose für die Kinder Jetta, Berta, Carl, Sara, Leopold, Joseph und Gustav Schwarz nieder.

Kontinuierliche Ansiedlung

Es war übrigens das Jahr 1791, als der erste Jude sich in Vettweiß ansiedelte. Von diesem Zeitpunkt an gab es dort und auch in anderen Dörfern des Kreises Düren eine kontinuierliche jüdische Ansiedlung. Im Jahr 1857 waren es 92 Juden und 1933 zur Zeit der Machtübernahme nur noch 67.

In der Gereonstraße 85 wurde im Jahr 1890 eine Synagoge errichtet, die allerdings am 10. November 1938 zerstört wurde. Wie durch ein Wunder überstanden vier Torrollen und ein Leuchter die Schändung. Die Spur der Torrollen ist verwischt.

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