Vettweiß legt Grundstein für Primusschule

Von: Burkhard Giesen
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Vettweiß. Nach der Entscheidung sprachen die Blicke in der Vettweißer CDU-Riege Bände. Trotz eigener Mehrheit im Schulausschuss hatte die Partei soeben eine krachende Niederlage erlitten.

Mit 8:7-Stimmen votierte der Ausschuss für eine Elternbefragung zur Einrichtung einer Primusschule in der Gemeinde – in geheimer Abstimmung.

Zuvor hatte für die CDU deren Sprecher Dr. Rainer Wollseifen deutlich gemacht, dass seine Partei der Schulform skeptisch gegenüber stehe: „Wir wollen unsere Kinder nicht an einem Experiment teilnehmen lassen“, erklärte er und signalisierte das Nein seiner Fraktion zu dem gemeinsamen Antrag von SPD, BI Vettweiß und den Grünen. Die hatten sich dafür ausgesprochen, den Schulversuch zu wagen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Ruskowski: „Das ist eine Chance für die Region, gerade angesichts des demografischen Wandels. Und für uns ist es die einzige Chance, künftig noch eine weiterführende Schule anbieten zu können.“ Bei der Primusschule werden die Kinder durchgehend von der 1. bis zur 10. Klasse unterrichtet, bis zur 8. Klasse auch Jahrgangs übergreifend.

Als einzige Kommune des Kreises Düren beteiligt sich die CDU-geführte Gemeinde Titz seit dem neuen Schuljahr an dem Pilotprojekt des Landes, das wissenschaftlich begleitet werden soll. „Die Kinder sind keine Versuchskaninchen, sondern lebendiger Bestandteil einer modernen Schule“, argumentierte Ruskowski, der allerdings auch auf die zeitlichen Unwägbarkeiten hinwies.

Ein entsprechender Antrag an die Bezirksregierung muss bis zum 15. September erfolgen. Zuvor sind die Eltern, die Schulkonferenzen und die betroffenen Nachbarkommunen zu beteiligen. Schon im Vorfeld der Sitzung hatte Bürgermeister Josef Kranz die zeitliche Abfolge als „sportlich“ bezeichnet.

„Das ist ein weiterer Versuch der Landesregierung, die Einheitsschule einzuführen“, widersprach Wollseifen der SPD-Argumentation. „Es ist nicht erkennbar, wie ein derartiges Experiment zu besseren Abschlüssen führen soll. Auch eine Primusschule wird nichts daran ändern, dass die Eltern sich für andere Schulformen entscheiden“, betonte Wollseifen, der am dreigliedrigen Schulsystem festhalten möchte und sich darin in der Elternbefragung zur (gescheiterten) Einführung einer Realschule gestärkt sah. Wenig Verständnis für die Haltung der CDU brachte von der BI-Fraktion deren Vorsitzender Henning Demke auf: „Es wäre fahrlässig, diese Chance nicht zu nutzen. Warum kann man die Eltern nicht einfach befragen?“, wollte er wissen.

Auch Schulausschussvorsitzender Klaus Thomas (SPD) sprach sich für die Befragung aus: „Wir wollen nicht gegen den Elternwillen entscheiden. Aber wir wollen den Elternwillen kennen.“ Das sah auch der Leiter der Vettweißer Grundschule, Markus Klein-Uebbing, ähnlich.

„Die Primusschule würde sich von unserer bisherigen Grundschule kaum unterscheiden“, machte er mit Blick auf die ersten vier Jahrgänge deutlich. „Nach vier Jahren können sich die Eltern dann immer noch entscheiden, wo sie ihr Kind hinschicken wollen“, betonte Klein-Uebbing, der darauf verwies, dass ab der 5. Klasse auch einzügig unterrichtet werden kann.

„Vettweiß sollte eine Sekundarschule vorhalten. Die Primusschule hätte – im Zusammenspiel mit den Eltern – gewisse pädagogische Freiheiten“, sagte der Grundschulleiter. Auch Bürgermeister Josef Kranz sah das so: „Das erfreuliche an einer Primusschule wäre, dass es ein Angebot ist, das wir sonst nicht mehr offerieren können.“

„Wir akzeptieren das“

Davon hat sich offenbar auch ein CDU-Mitglied überzeugen lassen und votierte für den Antrag der Opposition. „Wir sind über die Entscheidung nicht glücklich. Wir werden sie aber auch nicht behindern“, versicherte tags drauf CDU-Vorsitzender Reiner von Laufenberg. auch Faktionsvorsitzender Volker Franzen versprach, das Ergebnis nicht nachträglich torpedieren zu wollen: „Wir akzeptieren das. Es gibt jetzt viele Fragen zügig abzuarbeiten.“

Für die Vettweißer Gemeindeverwaltung bedeutet das nun, schnellstmöglich eine Informationsveranstaltung für die Eltern der Kindergartenkinder zu organisieren, die zum kommenden Schuljahr 2015/16 in die 1. Klasse eingeschult werden.

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