Vettweiß: Einkaufssituation wird besser

Von: Burkhard Giesen
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Steht jeden Morgen um 7 Uhr in ihrem Laden: Agnes Weyers betreibt in Kelz noch einen kleinen Supermarkt. Foto: Burkhard Giesen

Vettweiß. Wenn Agnes Weyers morgens um 7 Uhr ihren kleinen Supermarkt im beschaulichen Kelz aufschließt, dann kommen die ersten Kunden, um bei ihr die frischen Brötchen zu holen. Agnes Weyers ist 61 und steht seit 32 Jahren in ihrem kleinen Laden und sie erfüllt eigentlich perfekt, was man sich in der Gemeinde Vettweiß wünscht: eine dezentrale Nahversorgung.

Rund 50 Prozent der Vettweißer haben sich in unserem Kommunalcheck für eine bessere Infrastruktur und mehr Geschäfte in der Gemeinde ausgesprochen. Dabei hat sich gerade in den letzten Jahren die Einkaufssituation deutlich verbessert. Mit der Ansiedlung von Aldi und Rewe konnte am Ortsrand zwar nicht wie in Niederzier eine „Neue Mitte“ geschaffen werden, aber man ist auf dem besten Weg dahin.

„Es kann nicht jede Kommune die Angebote vorhalten, die man in Düren findet“, sagt zwar Bürgermeister Josef Kranz, dennoch arbeitet er daran, die Angebote weiter deutlich zu verbessern: „Wir haben die Bauleitplanung an diesem Standort erweitert. Aus dem Rewe heraus wird sich jetzt ein Getränkemarkt ansiedeln und ein neuer Drogeriemarkt ist vorgesehen. Da tut sich noch sehr viel.“ So zum Beispiel auch, dass die Lücke zwischen dem Gewerbegebiet und der Wohnbebauung noch geschlossen werden soll.

Nie eine Frage

Einer, der am Standort des Gewerbegebietes an der K 28 investiert, ist Apotheker Christoph Koch. Seit zehn Jahren ist Koch vor Ort, vor wenigen Tagen ist er in seinen neuen Bau unmittelbar neben dem Aldi umgezogen. Dass er in Vettweiß bleibt und hier investiert, war für Koch nie eine Frage. Er hat sich bewusst für eine Apotheke auf dem Land entschieden. „Oben“, sagt Koch und meint das Gewerbegebiet, „haben sich die Märkte entwickelt.“ Also zieht er aus seinem alten Gebäude dahin – wohl wissend, dass ansonsten vielleicht ein Mitbewerber diese Chance genutzt hätte. „Man geht da hin, wo die Frequenz ist. Wenn ich es nicht gemacht hätte, hätte es jemand anderes gemacht“, erklärt Koch.

Von Frequenz kann man in Kelz nicht unbedingt sprechen. Natürlich hat auch Agnes Weyers ihre Kunden, aber sie werden weniger. 70 bis 80 Kunden hat sie, bei 300 Haushalten, schätzt Agnes Weyers. Vor einigen Jahren waren es noch 150 Kunden – obwohl es noch einen zweiten Lebensmittelladen im Ort gab. „Ich habe kaum Kunden, die alles bei mir kaufen. Heute fahren die Leute auch für zwei Teile nach Vettweiß“, sagt Agnes Weyers, die sich allerdings gezielt Nischen gesucht hat. Sie lässt sich von einem Bäcker und einem Metzger beliefern, die ihre Produkte noch selbst herstellen. Das hat sich rumgesprochen. „Die Qualität ist gut. Da kommen selbst Kunden aus anderen Dörfern nur wegen Brot und Aufschnitt zu mir“, ist sie sichtlich stolz.

Auch Apotheker Christoph Koch hat es mit besonderen Serviceangeboten geschafft, in einer kleinen Kommune erfolgreich zu bestehen. „Wenn man sich neu aufstellt, kann man auch neue Kunden erschließen“, bestätigt er. Zur Neuaufstellung gehörte für ihn nicht nur die Ausweitung seines Angebotes, sondern auch der Serviceleistungen. Koch hat einen Zustellservice organisiert, der abends rund 100 Haushalte mit Medikamenten beliefert. Niemand muss also zweimal zu ihm in die Apotheke, wenn ein Medikament gerade mal nicht vorrätig ist.

Kaum Angebote für Jugendliche

Koch fühlt sich wohl in Vettweiß – und so geht es auch den meisten Vettweißern selbst. Ein schönes Beispiel dafür ist die Familie Mertens, die 1997 von Köln nach Vettweiß gezogen ist – trotz der damals noch eher dürftigen Infrastruktur. „Die ist deutlich besser geworden“, befindet Claudia Mertens und legt den Finger eher in eine andere Wunde: „Für Jugendliche gibt es in der Gemeinde zu wenige Angebote. Die können sich zwar in Vereinen oder der Feuerwehr engagieren, aber ansonsten gibt es nichts. Und ein Kleinspielfeld an der Schule reicht nicht aus.“

Ein Manko, das auch Bürgermeister Josef Kranz bewusst ist. Für die eigentlich geplante transportable Skaterbahn gab es zu viele Auflagen von TÜV, erklärt Kranz, „und mit einer stationären Skaterbahn würden wir immer nur ein Fünftel der Jugendlichen erreichen“. In Flächengemeinden ist vieles schwerer umzusetzen. Eine Erfahrung, die man in Vettweiß auch gemacht hat, als es kurz um die Frage eines Bürgerbusses ging, der zum Beispiel die Bürger von den Dörfern bis zum neuen Gewerbegebiet gefahren hätte. Die Resonanz war verhalten. Bürgermeister Kranz: „13 Busse in Richtung Vettweiß sind nicht machbar, die Fahrzeiten, um mehrere Dörfer hintereinander abzufahren, wären kaum akzeptabel gewesen. Außerdem ist man im ländlichen Raum meist motorisiert.“

Das erlebt auch Agnes Weyers. „Ich habe an Samstagen 40 bis 50 vorbestellte Tüten mit Brötchen. Die Leute frühstücken erst gemütlich und fahren dann einkaufen.“ Agnes Weyers ist damit aber nicht unglücklich. Im Gegenteil, ihr macht der Job Spaß. Zumal sie in Kelz als die Informationsquelle schlechthin gilt. „Letztlich ist mein Laden der einzige Anlaufpunkt, um Neuigkeiten auszutauschen.“

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