Vermisster US-Pilot: Gewissheit nach 69 Jahren?

Von: Dietmar Engels
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Morschenich
Auf einem Feld bei Morschenich suchen amerikanische Spezialkräfte derzeit akribisch nach den Trümmern der Maschine. Foto: Engels
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Hauptmann Pial Eliot (rechts) und Dr. Derek Congram leiten die Suchaktion. Renata von Koerber fungiert als Dolmetscherin. Foto: de
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Heimkehr: Etwa 100 vermisste Soldaten werden jedes Jahr vom JPAC-Kommando gefunden und in die USA überführt. Unser Bild zeigt eine Heimkehr-Zeremonie auf der Militärbasis von Hawaii. Die Suche in Morschenich hat gerade erst begonnen. Foto: Joint POW/MIA Accounting Command

Morschenich. Es ist gut möglich, dass die Angehörigen und Nachfahren eines vermissten amerikanischen Bomberpiloten fast 69 Jahre nach dessen Absturz Gewissheit über das Schicksal des Soldaten erhalten. Auf einem Feld bei Morschenich suchen amerikanische Spezialkräfte derzeit akribisch nach den Trümmern der Maschine, in dessen Cockpit sich noch die sterblichen Überreste des Piloten befinden könnten.

Die Erfolgsaussichten sind freilich ungewiss.

Fest steht: Die Lockheed P-38 Lightning ist in den letzten Novembertagen des Jahres 1944 über Morschenich vermutlich von deutschem Flak-Feuer vom Himmel geholt worden. Der Pilot einer anderen amerikanischen Maschine hat den Absturz und die folgende Explosion beobachtet und den Absturzort vermerkt.

Damit nicht genug: Zwei Morschenicher, damals noch Kinder, haben den Absturz ebenfalls gesehen. „Sie berichten, dass die Maschine im Sturzflug, fast senkrecht, heruntergekommen ist und sich in den Acker gebohrt hat“, sagt Captain Paul Eliot, der das aus Hawaii angereiste zwölfköpfige Team der JPAC anführt. JPAC ist eine Institution der US-Streitkräfte, die weltweit nach vermissten amerikanischen Soldaten sucht. Über 400 Menschen sind bei der Organisation tätig.

Nach den Augenberichten von 1944 sind vermutlich die noch an Bord befindlichen Bomben mit explodiert, so dass einen riesigen Feuerball gegeben hat. Nach dem Kreig sind die aus dem Boden ragenden Teile der Maschine vermutlich von Schrotthändlern entfernt und verwertet worden.

Im Jahr 2009 haben andere Spezialisten der amerikanischen Streitkräfte die vermutliche Absturzstelle mit Detektoren untersucht. Das Ergebnis: An der fraglichen Stelle steckt tatsächlich eine Menge Metall im Boden. Der Fall kam auf die Einsatzliste der JPAC, die nach und nach abgearbeitet wird. Das zwölfköpfige Team in Morschenich kann auf die Unterstützung eines deutschen Baggerführers und der Übersetzerin Renata von Koerber bauen. Auch etliche Freiwillige von in Deutschland und im benachbarten Ausland stationierten Einheiten beteiligen sich zeitweise an der Aktion.

Das genaue Vorgehen bei der Suche bestimmt in erster Linie Dr. Derek Congram, Anthropologe und Archäologe. „Wir haben genaue Vorschriften, wie so eine Suche abzuwickeln ist, müssen uns aber auch natürlich den örtlichen Gegebenheiten anpassen“, sagt der Wissenschaftler in Diensten der JPAC.

Der Absturzkrater wird seit ein paar Tagen systematisch ausgebaggert. Das Erdreich wird gesiebt, damit auch keine kleinen Fundstücke verloren gehen. Bisher sind große Mengen an Metallsplittern zusammen gekommen. Sie stammen zum großen Teil von Bomben, möglicherweise sind aber Überreste der Maschine darunter. Größere Teile, die eindeutig der abgestürzten Maschine zugeordnet werden könnten, sind bisher noch nicht entdeckt worden. Das Team hofft aber, in einiger Tiefe auf Teile des Cockpits zu stoßen. Die werden dann gründlich nach Ausrüstungsteilen und menschlichen Überresten untersucht. Die genaue Analyse besorgt das moderne Fachlabor der JPAC auf Hawaii.

Zur Identität des vermissten Piloten machen die Verantwortlichen bewusst keine Angaben: „Es wenn die Identität zweifelsfrei fest steht, werden die Angehörigen informiert. Sie entscheiden dann, wo die sterblichen Überreste des Soldaten beigesetzt werden,“ betont Captain Elliot.

Das Team durchkämmt die mutmaßliche Absturzstelle so lange, bis alle Trümmer gefunden sind. Das kann unter Umständen noch mehrere Tage oder gar Wochen dauern. Untergebracht sind die festen Mitglieder des Teams in einem Merzenicher Hotel.

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