Verkehrsader mit Herz für Amphibien

Von: Stephan Johnen
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Baustelle L249: Ein Jahr lang wird zwischen Blens und Hausen gearbeitet, um die Straße komplett zu Foto: Stephan Johnen

Nideggen/Heimbach. Nach einem Blick in den Bau- und Zeitplan lässt sich die Geschichte schnell erzählen, in etwa anderthalb Minuten: Zwischen Blens und Hausen wird die marode Landstraße Nummer 249 saniert, achwas: neu gebaut.

Unverrückbare 1262 Meter und 80 Zentimeter ist das Stück der Ausbaustrecke lang. Etwas weniger unverrückbar dürften die Kosten sein: Mit insgesamt 3,9 Millionen Euro rechnet der Straßenbetrieb NRW, derzeit. Seit Anfang März ist die Strecke gesperrt, ein Jahr wird dort gearbeitet, Umleitungen sind ausgewiesen. So erzählen Techniker die Geschichte. Exakt, präzise, durchgerechnet.

Schicht für Schicht Erdgeschichte

Ralf Miseré vom Straßenbetrieb NRW ist ein solcher Techniker, zuständig für die Einhaltung von Qualitätsstandards beim Neubau von 1262 Metern und 80 Zentimetern L249. Doch er erzählt die Geschichte anders, beginnt nicht bei Adam und Eva, sondern noch früher, in der Urzeit. Um zu erklären, warum die Bauarbeiten an einem auf den ersten Blick überschaubaren Stück Straße zwölf Monate dauern, richtet Miseré seinen Blick zigmillionen Jahre zurück, arbeitet sich an einer metertiefen Baugrube mit Eifer Schicht für Schicht durch die Erdgeschichte, listet geologische Besonderheiten auf.

Das dauert länger als anderthalb Minuten. Nach der ein oder anderen weggeschwemmten Buntsandsteinformationen, einem Exkurs in die Siedlungsgeschichte der Eifel und ein Kurzreferat über Straßenbau in Sumpfgebieten ist klar: Wer zwischen Rur und Felshängen eine Straße bauen will, muss der Feuchtigkeit die trockene Schulter zeigen, also auf einem stabilen, wasser- und frostsicherem Fundament bauen.

Bis zu zweieinhalb Meter wird daher nun gegraben, um den Boden auszutauschen und dadurch die spätere Fahrbahn solide zu betten. Reparaturen waren nicht mehr möglich, die alte Trasse ist stellenweise im wahrsten Sinne des Wortes ins Schwimmen geraten. Oder anders formuliert: „Die alte Straße war völlig marode”, bilanziert Bauleiter Helmut Schmitz vom Straßenbetrieb. Daher der Neubau „nach modernen Standards”, daher die Vollsperrung.

Die „modernen Standards” lassen sich übrigens vortrefflich technisch beschreiben: Die neue L249 wird auch 1262 Metern und 80 Zentimetern nicht nur durchgehend 6,5 Meter breit sein, sie erhält auch 16 Krötentunnel, die in Amtsdeutsch „Kleintierdurchlässe” heißen. Dank eines „Amphibienleitsystems” können die hüpfenden und kriechenden Verkehrsteilnehmer künftig sicher und ohne Behinderung die Straße unterqueren.

Eine neue Brücke über den bislang verrohrten Rödelsbach erhält eine sogenannte Biberrampe. „Da passt der Biber sogar mit einem Stück Holz im Maul durch”, erklärt Schmitz den nagerfreundlichen Tunnel. Die Straße wird damit für alle Nutzer breiter, komfortabler und sicherer. Biber und Autofahrer müssen sich jedoch noch gedulden: Spielt das Wetter mit, wird frühestens im März 2010 die Straße freigegeben.
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