Langerwehe/Kreis Düren - Vereinsexistenz bedroht: Nur 13 zahlende Gäste bei Sessionseröffnung

Vereinsexistenz bedroht: Nur 13 zahlende Gäste bei Sessionseröffnung

Von: Sandra Kinkel
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Volle Säle, leere Säle: Bei der Damensitzung in Vettweiß brennt das Zelt... Foto: Kinkel

Langerwehe/Kreis Düren. Die Kulturhalle war prächtig geschmückt, Bert Graff hatte sich gründlich auf seine Moderation vorbereitet – eigentlich hätte der Sessionsauftakt der KG „Pannebäckere“ aus Langerwehe eine runde Sache werden können. „Und es war auch ein schöner Abend“, sagt Christine Lavid, zweite Vorsitzende des Vereins. „Aber wir hatten nur 13 zahlende Gäste.“

Dabei wollten die „Pannebäckere“ in diesem Jahr neue Wege gehen. Bert Graff: „Dass der herkömmliche Sitzungskarneval nicht mehr so gut funktioniert, beobachten wir schon seit Jahren. Deswegen wollten wir in diesem Jahr wieder Tanz und Musik mehr in den Vordergrund stellen. Das hat aber auch nicht funktioniert.“ Woran es gelegen hat – die Verantwortlichen der „Pannebäckere“ sind ratlos.

Die Eintrittskarten waren mit zehn Euro günstig, Sänger und Musikgruppen, die eingeladen waren, konnten sich sehen lassen. „Für uns ist das eine Katastrophe“, sagt Christina Lavid. „Die Zukunft unserer Gesellschaft steht wirklich auf dem Spiel.“ Auch wenn es in diesem Jahr zur Sessionseröffnung eine sehr abgespeckte Veranstaltung gegeben hat, hat die doch knapp 3000 Euro gekostet.

„Das ist deutlich mehr, als wir eingenommen haben“, sagt Bert Graff. „Die Existenz des Vereins hängt am seidenen Faden. Wir müssen sehen, wie es weitergeht.“ Fraglich ist beispielsweise, ob die „Pannebäckere“ am Langerweher Karnevalszug teilnehmen können. Lavid: „Den Verein kostet die Zugteilnahme knapp 1000 Euro – ohne Wurfmaterial. Wir müssen sehen, ob das noch finanzierbar ist.“

Es geht aber nicht allein um die Finanzen. Graff: „Wir machen diese Veranstaltungen ja nicht aus reinem Selbstzweck. Wir wollen etwas für die Menschen aus Langerwehe tun. Wenn dann keiner kommt, ist das wirklich total frustrierend.“ Schon in den vergangenen Jahren hätte die Publikumsresonanz bei Sessionseröffnung und Proklamation immer stärker abgenommen.

„Egal welches Programm geboten, welche Tollität inthronisiert wurde, so gut wie nichts fand den erhofften Zuspruch“, sagt Bert Graff. Er bedauere es sehr, dass das Engagement vieler Ehrenamtler offensichtlich keinen gesellschaftlichen Stellenwert mehr habe. „Eine Gemeinschaft ist offensichtlich nicht gewollt. Wenn nichts angenommen wird, sterben das Vereinsleben, der Ort und das Brauchtum.“

Die „Pannebäckere“ sind mit ihrem Problem nicht allein. Während große Sitzungen mit bekannten Kräften aus dem Kölner Karneval, wie etwa die Damensitzungen in Vettweiß, aus allen Nähten platzen, war beispielsweise auch die Prinzenproklamation in Düren nur sehr mäßig besucht.

Peter Schmitz, Präsident des Festkomitees Dürener Karneval: „Das ist ein Phänomen, das wir schon seit Jahren beobachten. Wenn ich wüsste, woran es liegt, würde ich das Problem sofort abstellen.“ Vielleicht, ergänzt Schmitz, gebe es einfach eine Übersättigung. „Das Fernsehen zeigt unzählige Karnevalssitzungen. Hinzu kommt, dass wir allein in der Stadt Düren 22 Karnevalsgesellschaften haben. Jede macht ihre eigenen Veranstaltungen.“

Er sei davon überzeugt, so Schmitz, dass hier ein Umdenken stattfinden müsse. „Es wird dazu kommen, dass Gesellschaften enger zusammenarbeiten und auch Veranstaltungen gemeinsam anbieten müssen.“

Zurück zur Tradition

Heribert Kaptain, Präsident des Regionalverbands Düren im Bund deutscher Karneval, glaubt, dass das Problem der „Pannebäckere“ in dieser „krassen Form ein Einzelfall“ ist. „Trotzdem“, ergänzt er, „stimmt es natürlich, dass die Besucherzahlen bei den Sitzungen insgesamt abnehmen.“ Kaptain glaubt, dass es dem Karneval gelingen muss, weniger beliebig zu sein.

„Die Zeit um den 11. November“, sagt er, „ist die Zeit der Sessionseröffnungen und nicht die Zeit der Bälle. Und schon gar nicht die Zeit der Partys.“ Das Aufspringen auf den Zeitgeist könne auch zu einer immer größeren Beliebigkeit führen. „Wodurch unterscheidet sich denn die ‚Kölsche Nacht‘ in Niederzier dann noch von einer Karnevalsveranstaltung, wo es nur Musik gibt?“, fragt Kaptain provozierend. „Doch nur durch den Termin.“

Der Karneval müsse sich auf Tradition und Brauchtum besinnen. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Und wenn wir damit vielleicht auch keine Massen mobilisieren, dann vielleicht doch solche, denen am Brauchtum noch etwas liegt.“

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